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Leichlingen
Vier Künstler, vier Stile und eine Ausstellung im Bürgerhaus

Leichlingen. Zu einer Wiedersehensfeier wurde die Vernissage im Bürgerhaus. Denn einer, der auszog, um sich im Westerwald mit seiner Kunstwerkstatt so richtig auszubreiten, war zurück. Winfried Gille hat nach seinem Umzug den Kontakt zu den Kollegen nie abreißen lassen, ist nach wie vor Mitglied der AG Leverkusener Künstler und einer der "Vier", die genauso ihre Gemeinschaftsausstellung überschrieben haben. Von Monika Klein

Gille blieb sich selbst treu. Mit Metallstücken, die er zu weitgehend gegenständlichen Figuren formt, mischt er sich ein in die politische, gesellschaftliche Diskussion. So kommentiert er die derzeitige Bewegung in Deutschland mit einer lebensgroßen Figur, die er wohlproportioniert aus rostigen Eisenbändern geformt hat. Sie ist in Bewegung wie ein Extremsportler, blickt starr nach vorne und hat ein Brett vorm Kopf. Zufällig packte seine Leichlinger Kollegin Heiderose Birkenstock-Kotalla (Biko) beim Aufbau ein dreiteiliges Bild auf den Untergründen Schwarz-Rot-Gold aus. Darauf sprintet nun Gilles Figur zu. Ansonsten hat er bei den Bauern im Dorf seiner neugewählten Heimat diverse Metallteile und Zahnräder gesammelt, die er zu beweglichen Objekten verarbeitete.

Im Obergeschoss zeigt Biko nur ausladende, ungerahmte Leinwände, von denen einige zwar älter, aber aktueller denn je sind. Beispielsweise die skeptische Trilogie zur deutschen Einheit. Die abstrakten Darstellungen zeigen "Das neue Haus", den "Tanz ums goldene Kalb" und eine "Annäherung" von zwei Seiten, bei der man sich jedoch knapp verfehlt. Eine rote Stele weist auf den Raum, in dem Friedrich Engstenberg eine ganze Reihe seiner konstruktivistischen Skulpturen zeigt. Auch er kommentiert die Gesellschaft und sucht seine Motive in der Realität. Aber er reduziert sie grundsätzlich auf die geometrischen Grundformen, wenn er seine gewichtigen, aber zumeist leicht wirkenden Werke aus Stahl formt und zusammenfügt.

Wie bei den Bildhauern gibt es auch ein malerisches Pendant zur Abstraktion. Ellen Loh-Bachmann (Eloba) zeigt im Bürgerhaus Gesicht. Sie hat sich hier auf ihre Serie der "Facings" beschränkt, die sie gerade mit Texten versehen in einem Künstlerbuch verewigt hat. Fast überall lassen sich Gesichter erkennen. Egal, ob man einen Landschaftsausschnitt, Wasser, Wolken oder einen Obstteller betrachtet. Sobald sie zwei Punkte und eine Linie hineinsetzt, wird ein Gesicht erkennbar. Manche sind verzogen, verwischt oder zur Fratze verzerrt, manche sind gerundet oder fließend, andere kantig, geometrisch.

Die Ausstellung "Vier" ist noch bis zum 5. November im Bürgerhaus zu sehen. Öffnungszeiten: samstags 15-17 Uhr, sonntags 11 bis 17 Uhr.

Quelle: RP
 
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