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Leichlingen
Wohn-Not: Asylanten bleibt nur Solingen & Co.

Leichlingen: Wohn-Not: Asylanten bleibt nur Solingen & Co.
Der Abriss des KOmplexes wird immer wahrscheinlicher. FOTO: um (archiv)
Leichlingen. Anerkannte Asylanten, die hier leben dürfen, sich aber eine Wohnung suchen müssen, gehen in Leichlingen leer aus. Von Peter Clement

Der Brief, den die Stadt Leichlingen geschickt hat, ist eindeutig: "Ihnen wurde vom Ausländeramt des Rheinisch-Bergischen Kreises eine Aufenthaltsgenehmigung erteilt", heißt es in dem Schreiben, das ein Asylbewerber vor einigen Wochen erhalten hat.

Eigentlich eine gute Nachricht, der Mann ist jetzt anerkannter Asylant, darf also in Deutschland bleiben. Doch jetzt treibt ihn die Sorge um, bald auf der Straße zu stehen. Denn in dem Brief heißt es weiter: "Bitte legen Sie bis 1. Dezember einen Mietvertrag vor und informieren Sie bitte, wann Sie aus der Asylbewerberunterkunft ausziehen."

Als ob das das so einfach wäre. Hat doch die Stadtverwaltung selbst erst in der vergangenen Woche die Bevölkerung aufgerufen, bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Aktuell wohnten in den städtischen Unterkünften noch immer 55 Personen, die bereits anerkannt worden sind. "Viele von ihnen würden gerne in Leichlingen bleiben, aber sie finden nichts", schilderte Dezernent Ingolf Bergerhoff.

Experten befürchten, dass das auch vorerst so bleibt: "Wenn nicht jemand bezahlbaren Wohnraum schafft, indem er entsprechend baut, wird für diese Leute hier auch mittelfristig kaum etwas zu finden sein", sagt der Leichlinger Makler Ralf Schilling. Der Mann kennt sich aus: Seit 35 Jahren ist er als Sachverständiger, Hausverwalter, Baubetreuer und Immobilienmakler in der Blütenstadt tätig. Vermieter seien oft sehr konservativ, bestätigt er: Sie verzichteten darauf, die Höchstmiete anzusetzen, "sofern sie dafür langfristige Mieter finden, die gut ins soziale Gefüge in ihren Häusern passen". Und genau das macht es für Asylbewerber noch schwieriger. Hinzu komme, dass es in Leichlingen selbst im hochpreisigen Segment kaum freien Wohnraum gebe, sagt Schilling - wer schnell etwas finden wolle, orientiere sich meist nach Burscheid/Wermelskirchen.

Leichlingens Bürgermeister Frank Steffes sieht für die jetzt betroffenen Asylanten "am ehesten Chancen, in Solingen oder Wuppertal unterzukommen". Aktuell gibt es dort noch 14.590 so genannte Wohneinheiten mit Sozialbindung.

"Wenn wir das ehemalige Roderbirken-Schwesternheim dauerhaft als Wohnraum nutzen dürften,wäre auch Leichlingen einen Schritt weiter", sagt Bürgermeister Frank Stefffes. Doch die Kölner Bezirksregierung hat eine solche Nachnutzung bisher strikt untersagt.

So bleibt es zunächst beim Appell an die Bevölkerung, bezahlbare Wohnungen bereitzustellen - so wie es etwa die Familie Bischoff tut. Sie sichert für einen 32-jährigen anerkannten Flüchtling aus Eritrea zurzeit eine Einzimmerwohnung mit Küche und Bad (47 Quadratmeter) zu den von der Verwaltung vorgesehenen Bedingungen. "Als anerkannter Flüchtling möchte er auch eine Beschäftigung aufnehmen, um Unterhalt und Unterkunft bezahlen zu können", sagt Helmut Bischoff. Sein Antrieb: "den Menschen ihre Würde zurückgeben".

Quelle: RP
 
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