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Leichlingen/Berlin
Wohnen in Leichlingen - bald "enger, höher, lauter"?

Leichlingen/Berlin: Wohnen in Leichlingen - bald "enger, höher, lauter"?
fIn Städten und Gemeinden darf künftig höher und dichter gebaut werden. In Leichlingen löste das gestern erst einmal keinen Jubel aus. FOTO: Uwe Miserius
Leichlingen/Berlin. Die Bundesregierung hat beschlossen: In Städten und Gemeinden darf höher und dichter gebaut werden. Löst das die Leichlinger Probleme? Von Peter Clement

Das Bundeskabinett hat eine Baugesetzbuchnovelle beschlossen, die Wohnungsbau in Städten erleichtern soll - und die in Leichlingen auch gestern bereits für Gesprächsstoff sorgte.

Kernstücke der Reform von Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) bilden dabei so genannte "Urbanen Gebiete", also Bereiche, in denen sowohl Wohnen als auch Gewerbe möglich ist. Sie sollen künftig zu 80 Prozent bebaut werden dürfen.

Die zulässige Geschossflächenzahl wurde auf drei erhöht - und die Immissionsrichtwerte für Lärm steigen ebenfalls. Und damit auch die Sportler nicht unter einer dichter bebauten und damit lauteren Stadt zu leiden haben, dürfen sie künftig ebenfalls fünf Dezibel mehr Lärm machen. Die Sportanlagenlärmschutzverordnung sei entsprechend geändert worden, teilte das Ministerium mit.

Den Wohnungsbau ankurbeln will die Bundesregierung vor allem mit der Neuerung, in den neuen "Urbanen Gebieten" im Gegensatz zu den bisherigen Mischgebieten der Anteil an Wohnraum überwiegen zu lassen.

Für Flächen, die an bebaute Ortsteile angrenzen und kleiner als 10.000 Quadratmeter sind, soll es außerdem ein beschleunigtes Bebauungsplanverfahren geben. Das läuft vorerst allerdings nur bis zum 31. Dezember 2019.

Immobilienverbände begrüßten die Novelle als einen "ersten Schritt für mehr Wohnungsbau in Deutschland". Bundesweit müssten 350.000 bis 400.000 Wohnungen jährlich gebaut werden, um den Bedarf zu decken, hieß es.

In Leichlingen gab es gestern eine nicht repräsentative Umfrage im Internet-Netzwerk Facebook, wie denn die Meinung zum Beschluss der Bundesregierung ausfalle.. Ergebnis: Von den knapp über 100 Teilnehmern waren mehr als 70 dagegen. Ein Blick in Reden zum Stadtetat 2017, die sich explizit auch mit neuer Wohnbebauung beschäftigt haben, zeigt, wie ein Teil der Politik positioniert ist..

SPD: Die Genossen plädieren für eine "werterhaltende Sanierung und eine Aufstockung" des Rathauses, um dort neue Wohnungen zu schaffen - durchaus im Sinne des überarbeiteten Gesetzes.

Grüne: "Eine ausreichende und wo immer möglich verbesserte Infrastruktur, die sich nicht nur auf Pflichtaufgaben beschränkt, hat für uns Vorrang vor der Ausweisung neuer Baugebiete", betonen die Grünen in der Haushaltsrede. Neue Flächen mit Wohnbebauung, und damit mehr Einwohner, erhöhten den Druck auf die gesamte Infrastruktur, beim Verkehr, in der Kinder- und Jugendhilfe, bei den Schulen und Sportplätzen, bei der Verwaltung einschließlich der Gebäudewirtschaft und vielem mehr.

BWL Die Bürgerliste fordert "mehr Mut" bei der Innenstadtentwicklung und die Einbeziehung aller Flächen, auch des Rathauses.

UWG "An den jetzigen Standorten von Frei- und Hallenbad können wir uns durchaus Wohnbebauung vorstellen.", sagt die UWG. Der Plan: die Bäder vom Zentrum an die Peripherie verlagern und dann das entstehende Bauland in allerbester Innenstadtlage "versilbern".

FDP "Die Wohnbebauung könnte im Vergleich oder im Wettbewerb zu den Nachbargemeinden ein richtiges Pfund für Leichlingen sein", findet die FDP, fügt dann aber hinzu: "Tja, ist es aber nicht. Wir schaffen es nicht, das zu einer unserer Stärken zu machen." Daraus resultiert die Forderung: alles auf null zu stellen, persönliche, ideologische und parteispezifische Vorbehalte und Einwände über Bord zu werfen und gemeinsam und bedingungslos nach Lösungen zu suchen.

Quelle: RP
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