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Leichlingen/Solingen
Zahl der Chaoten beim Zoch hat alle überrascht

Leichlingen/Solingen. Experten der Polizeigewerkschaften loben das Einsatzkonzept am Blütensamstag. Trotz der vielen Chaoten, die wie in den Vorjahren an der Strecke waren. Wieso ist das nicht zu verhindern? Von Peter Clement und Martin Oberpriller

Der jungen Mutter war der Schreck gestern, zwei Tage nach dem Blütensamstagszug, immer noch anzusehen: "Wir haben Freunde besucht, die an der unteren Bahnhofstraße wohnen", berichtete sie. Aus der geplanten unbeschwerten Stunde mit den Kindern am Zugrand wurde jedoch nichts. Hunderte stark alkoholisierte und teils gewaltbereite Jugendliche aus Solingen ließen die Familien in diesem Bereich schnell entsetzt den Rückzug in die Wohnung antreten (wir berichteten).

Dabei war die Polizei nach den Erfahrungen der zurückliegenden Jahre gut vorbereitet gewesen. Um potenzielle Krawallmacher bereits im Vorfeld an einem Besuch des Blütensamstagszuges zu hindern, hatten zahlreiche Personen schon im Vorfeld Besuch von Solinger Polizisten bekommen. "Wir haben sogenannte Gefährderansprachen durchgeführt", hieß es gestern aus dem Wuppertaler Polizeipräsidium, wo sich die zuständigen Beamten zudem dazu entschieden hatten, gegen einen jungen Solinger ein Betretungsverbot für die Nachbarstadt auszusprechen.

Was zuletzt aber nichts daran änderte, dass sich am Samstag an die 1000 Solinger nach Leichlingen aufmachten. Und während die meisten von ihnen friedlich feierten, benahmen sich andere kräftig daneben. "Das Problem war dabei einmal mehr der übermäßige Alkoholkonsum", resümierte der Polizeisprecher, der trotz einiger Krawalle dem Einsatzkonzept seiner Kollegen gute Noten gab. So habe sich die Kontaktaufnahme mit den Solinger "Gefährdern" als sinnvoll erwiesen, betonte der Sprecher. Gleichzeitig räumte er aber auch ein, bei einer so großen Zahl von jungen Leuten sei es für die Polizei unmöglich, alle Eventualitäten von vornherein zu verhindern.

Eine Einschätzung, die auch überregionale Experten teilen: "Wenn sich hunderte Jugendliche etwa über eine geschlossene Facebook-Gruppe verabreden, können wir nichts machen", sagt Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft DPolG: "Wir leben ja nicht im Überwachungsstaat."

Sein Kollege Stefan Heckers von der GdP (Gewerkschaft der Polizei) in Nordrhein-Westfalen ergänzt: "Wenn parallel zum Karnevalszug auch noch Bayer Leverkusen ein Heimspiel hat, bedeutet das für die eingesetzten Kräfte oft viele Überstunden." 4,5 Millionen davon schiebe die NRW-Polizei vor sich her. Angesichts dieser Voraussetzung seien intensive Einsätze wie der in Leichlingen "gar nicht hoch genug zu bewerten".

Quelle: RP
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