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Burscheid
100.000 Autositz-Testkilometer simuliert

Burscheid. Rund zwei Millionen Euro hat Johnson Controls am Standort in Burscheid in den letzten Monaten in die Erweiterung seiner Testkapazitäten investiert. Jetzt stellte der Hersteller von Autositzsystemen und -komponenten offiziell seine neue hydraulische Hochfrequenz-Schwingprüfanlage, einen sogenannten Shaker, der Öffentlichkeit vor. Dabei handelt es sich laut Geschäftsführer Dr. Reiner Spatke um einen Hightech-Prüfstand, den es in dieser Form weltweit höchstens sechsmal gibt. Von Ina Bodenröder

Die neue Anlage prüft nicht nur den Komfort der Sitze für den Menschen, sondern auch deren Lebensdauer. "In unserem Shaker simulieren wir komplette Lebenszyklen der Autositze über rund 100.000 Kilometer Fahrstrecke", erläuterte Axel Blankart, der die zuständige Versuchsabteilung für Prototypen leitet.

Die Schüttelanlage steht dabei in einer eigens konstruierten Klimakammer, in der Temperaturen wahlweise wie in der Wüste oder wie in Alaska zwischen plus 100 und minus 40 Grad simuliert werden können und die unterschiedliche Anforderungen an das Material stellen. Bei der Vorstellung testete der Burscheider Bürgermeister Stefan Caplan den neuen Shaker spontan persönlich. Da die Schwingprüfanlage bei niedrigeren Bewegungsfrequenzen für Komforttests ausgelegt ist und dabei prüft, wo eine Polsterung drückt oder wie sich der Mensch in dem Sitz fühlt, nahm Caplan auf einem auf dem Shaker montierten Autositz Platz - und stieg nach mehreren Schütteleinheiten unbeschadet wieder ab. "Diese Investition ist ein gutes Signal für die Zukunft von Johnson Controls in Burscheid", betonte er.

Die Anlage ist das Ergebnis zweieinhalbjähriger Vorbereitungen und einer Projektarbeit, die die Mitarbeiter bei Johnson Controls vor Herausforderungen gestellt haben. Das Schwingfundament aus Beton wiegt 240 Tonnen und das Hydrauliksystem braucht 2500 Liter Öl. Mit einer Frequenz von maximal 200 Hertz rüttelt die Testanlage an Prüfstücken und bringt Autositze an ihre Leistungsgrenzen. Der Schüttler kann auf bis zu acht G beschleunigen. Zum Vergleich: Ähnliche Belastungen wirken auf den Körper bei Kunstflugmanövern.

Ziel sei es, neben der Erfüllung der Sicherheitsanforderungen an einen Autositz auch zur Schadstoffemission der Fahrzeuge beizutragen. Das gelinge vor allem dadurch, dass Johnson seine Produkte leichter mache. Zwischen 2010 und 2015 konnte die Firma das Gewicht von Sitzen um 30 Prozent verringern.

Quelle: RP
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