| 00.00 Uhr

Leverkusen
15.000 Volt heißt Lebensgefahr

Leverkusen. Die Bahn warnt deutlich vor dem Betreten der noch gesperrten Brücke Windgesheide. Weil die Abdeckung über spannungsführenden Drähten noch fehlt, besteht die Gefahr von Stromschlägen mit Todesfolge. Von Ludmilla Hauser und Ulrich Schütz

Bis Weihnachten will die Deutsche Bahn mit den ausstehenden Arbeiten an der Brücke Windgesheide fertig sein, wenn alles nach Plan geht. "Derzeit suchen wir in Abstimmung mit der Stadt Leichlingen und den ausführenden Firmen nach geeigneten Sperrzeiten für die Oberleitungen", erläuterte Bahnsprecher Dirk Pohlmann gestern. Eingebaut werden müssen an der Brücke noch Absperrbleche über die spannungsführenden Drähte, über die die E-Loks ihren Strom beziehen. Erst wenn die montiert sind, kann die Brücke offiziell freigegeben werden. In letzter Zeit waren über die fertig aussehende Brücke immer wieder Leute gegangen, hatten die Absperrgitter an beiden Seiten ignoriert und zur Seite geschoben, um die Brücke zu nutzen.

Aber: Ohne diese Sicherheitsbleche bestehe Lebengefahr, "damit ist nicht zu spaßen. Um auf der Brücke einen Stromschlag zu bekommen, braucht man noch nicht mal mit den Drähten in Berührung zu kommen. Der Lichtbogen funktioniert auch auf eine Entfernung von bis zu 1,50 Meter zum Draht", warnt Pohlmann und schiebt eine gewaltige Zahl hinterher: "Wir reden hier von einem Stromschlag mit 15.000 Volt. Zum Vergleich: Eine Steckdose hat ungefähr 220 bis 230 Volt." Im Klartext: Wer auf der Brücke von einer dermaßen hohen Spannung getroffen wird, "überlebt das möglicherweise nicht", sagt der Bahnsprecher.

Solche Stromunglücke gab es vor Jahren mehrfach in Leverkusen. Eine Zeit lang stellte die Bahn Güterzüge im Bereich Manfort nahe Bahnhof Schlebusch ab - neben einer Wohnsiedlung. Beim Spielen auf einem Waggon wurde ein Jugendlicher von einem Stromschlag getroffen. Tödlich endete vor Jahrzehnten ein Arbeitseinsatz von Wartungsmitarbeiten im Bereich Bahnhof Opladen. Ein Arbeiter wurde auf einem Kesselwagen durch einen Stromüberschlag getroffen: Der Mann verbrannte, ein Kollege, der helfen wollte, wurde schwer verletzt.

Dass Leute immer wieder unvorsichtig sind, kennt Jürgen Scholze, Leiter des Tiefbauamtes und des Bauhofs bereits aus der Zeit, als die alte Brücke gesperrt war. "Schon damals mussten Bauhofmitarbeiter alle zwei, drei Tage raus, um die Bauzäune wieder aufzustellen", erzählt er. "Man kann fast sagen, dass das Umwerfen der Zäune mutwillig geschieht." Die neue Brücke sei derzeit mit doppelten Zäunen - an den Zugängen und direkt an der Brücke - abgesichert. "Ein Hinweisschild auf Lebensgefahr an den Absperrungen würde nichts bringen, denn wenn die Zäune wieder umgeworfen werden, kann auch niemand das Schild lesen. Wir haben den Gefahrenhinweis aber oft genug über die Medien vermittelt", betont Scholze. "Die Leute müssten das jetzt wissen." Auch er warnt wie Pohlmann dazu, wie gefährlich es sein kann, wenn man neben den Hochspannungsdrähten geht. "Der Lichtbogen kann einen auch so treffen."

Der Tiefbauamtschef, der die Bahn für ihre Kooperation beide der städtischen Baumaßnahme lobt, hat der Stahlbaufirma, "die mit den Arbeiten bisher nicht hinterhergekommen ist", nun einen Termin gesetzt: "Ich habe dem Unternehmen gesagt, ich will in der Woche nach dem Obstmarkt eine Lösung haben."

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Leverkusen: 15.000 Volt heißt Lebensgefahr


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.