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Leverkusen-Quettingen
22-Jähriger nach Schüssen auf Bruder in Psychiatrie

Mann schießt auf Bruder in Leverkusen
Mann schießt auf Bruder in Leverkusen FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Der 22-jährige Tatverdächtige, der auf seinen Bruder geschossen haben soll, war laut Polizei schon früher psychisch auffällig. Er ließ sich kurz nach dem Vorfall widerstandslos festnehmen. Von Ludmilla Hauser

Wenn die neongelben Sprühkreise und zwei ebensolche Pfeile, die jeweils auf eine Hecke zeigen, nicht wären - die Straße Am Quettinger Feld würde als Wohnstraße nicht auffallen. Das tut sie an diesem Montagmorgen im Grunde auch nicht. Fußgänger, Radler, ein paar Autos. Das ganz normale Leben. Sonntag geriet für einen Moment diese Normalität mitten in Quettingen aus den Fugen. Ein 22-Jähriger soll, kurz nachdem die Halbmarathonläufer durch waren, auf offener Straße auf seinen 31-jährigen Bruder - die Verwandtschaft hat die Polizei nun bestätigt - mehrere Schüsse abgegeben haben. Der Ältere wurde schwer verletzt, zunächst konnten die Ärzte Lebensgefahr nicht ausschließen. Später hieße es, der Gesundheitszustand sei stabil. Davon sprach die Polizei auch gestern.

Die Farbkreise auf dem Asphalt zeigen an, wo die Polizei Patronenhülsen gefunden hat. Ein Pfeil an einer Hecke markiert die Stelle, an der die Polizei eine Schusswaffe fand. Darauf hingewiesen hat eine Zeugin. "Ich habe gesehen, wie der junge Mann vor dem Gebüsch stand und mit der linken Hand etwas dort hineingeworfen hat. Was, das konnte ich nicht erkennen", erzählt die 42-Jährige gegenüber unserer Zeitung. "Der Mann wirkte hektisch, ist dann die Straße runter abgehauen." In entgegengesetzter Richtung hatte sich das Opfer offenbar durch eine Hecke auf ein Rasenstück vor einem Mietshaus geschleppt. "Dort ist er zusammengebrochen, Leute haben um Hilfe geschrien. Anwohner haben Tücher und Lappen aus dem Fenster gereicht. Ein Mann hat Erste Hilfe geleistet", berichtet die Leverkusenerin. "Alle, die das hier mitbekommen haben, waren für Stunden schockiert."

Der Verletzte - die Polizei bestätigte einen marokkanischen Migrationshintergrund der Brüder - habe zu einem älteren Mann gerufen: "Papa, ich bin angeschossen worden."

Eine Frau, "wohl die Mutter", wie die Zeugin vermutet, habe kurz drauf ein Handy an die Beamten weitergereicht. "Das war auf laut gestellt. Am anderen Ende war der Mann, der vorher weggelaufen ist. Er hat gesagt, dass er sich etwas entfernt auf einem Parkplatz aufhält. Die Polizei hat geantwortet, er solle bleiben, wo er ist, die Hände hochnehmen, sie kämen jetzt zu ihm. Innerhalb von 20 Minuten war der Mann gefasst. Der hat sich selbst gestellt", fasst die 42-Jährige die Ereignisse nach den Schüssen am Sonntagvormittag zusammen.

Das bestätigt auch die Polizei: "Unmittelbar nach der Tat hat sich der Mann gemeldet und sich widerstandslos festnehmen lassen." Zum Hintergrund der Tat hieß es knapp, es habe Streit gegeben. Der 22-jährige Tatverdächtige sei in der Vergangenheit schon psychisch auffällig gewesen. Er wurde gestern einem Arzt vorgestellt. Dieser entschied: Der Mann ist nicht haftfähig. Er werde nun in der Psychiatrie untergebracht. Ein entsprechender Unterbringungsbeschluss liege vor, sagte die Polizei gestern Abend.

Die Schüsse aus einer Pistole haben etliche Anwohner auch der benachbarten Straßen aufgeschreckt. "Wir saßen gerade beim Frühstück, als wir das hörten. Mein Mann ist in Richtung der Schreie gelaufen, dann in die Richtung, in die der Täter weggelaufen ist", erzählt eine 46-jährige Quettingerin. "Meine Tochter hat geschimpft: Warum geht ihr raus, in Amerika würden sie das in so einer Situation nicht machen", sagt sie. "Irgendwie war man danach den halben Tag nervös wegen dem, was vorgefallen ist." Die 42-Jährige, die die Polizei zur Schusswaffe führte, ergänzt: "Es ist überall so viel Unschönes los. Ich war neulich in Köln, da lief unheimlich viel Polizei rum. Mittlerweile gehe ich ohne männliche Begleitung abends nicht aus dem Haus." Eine weitere Quettingerin (57) hatte die Schüsse gehört, wurde von Bekannten aufgeklärt, was passiert sein soll. "Zuerst hat man ja gedacht, die ganze Polizei vor Ort hat noch was mit dem Halbmarathon zu tun."

Quelle: RP
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