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Leverkusen
24 Chinesen gehen in der Bahnstadt zur Schule

Leverkusen: 24 Chinesen gehen in der Bahnstadt zur Schule
Am Freitag, 8. April, stellt sich das Internat allen Interessierten vor. Von 15 bis 22 Uhr werden an der Bahnstadtchaussee 31 die Türen geöffnet.Huikun und Yi Ling kennen die Räumlichkeiten schon lange. FOTO: uwe miserius
Leverkusen. In Opladen werden junge Leute aus China in einem Internat auf den Besuch einer deutschen Schule vorbereitet. Von Roman Zilles

Es gebe Schöneres als deutsche Vokalen und Grammatik zu pauken. Aber das Schlimmste ist das Heimweh. "Ich telefoniere jeden Tag mit meiner Familie", sagt Huikun, während sich auf das eben noch fröhliche Gesicht ein Hauch von Traurigkeit legt. Neben ihr sitzt Yi Ling, nickt, sagt: "Wir freuen uns auf den Sommer." Dann geht es nach Hause, 8000 Kilometer in Richtung Osten. Nach China. Bis dahin müssen die 14-jährige Huikun und die drei Jahre ältere Yi Ling fernab der Heimat leben und lernen.

Beide gehören zu den 24 jungen Personen, die in der Bahnstadt zur Schule gehen. Und zwar im Internat für chinesische Jungen und Mädchen, das dort seit vorigem Jahr von Aery GmbH betrieben wird, die seit 2010 junge Chinesen auf ihrem Ausbildungsweg in Deutschland begleitet. "Mit Formalitäten, wie Visa oder Aufenthaltsgenehmigungen zu bekommen, ist es oftmals schwierig. Aber in Leverkusen nicht. Da geht das alles sehr reibungslos, da man hier durch Bayer viel Erfahrung damit hat", lobt Paul Reuter, der Leiter des Internats. Ausgestattet mit allen nötigen Dokumenten, werden in Opladen seit vorigem Herbst 19 Jungen und fünf Mädchen von Honorarkräften auf den Besuch einer deutschen Schule vorbereitet. Gewohnt und gelernt wird in Räumen an der Bahnstadtchaussee 31 und 33. Je nach Alter und Eignung sollen die 14- bis 18-Jährigen nach knapp einjähriger Ausbildung in Opladen in die achte, neunte oder zehnte Klasse eines Gymnasium gehen.

Bis dahin müssen sie einen Stundeplan einhalten, der nach Vollzeit-Job klingt: Frühstück, Unterricht von 8.30 bis 12.30 Uhr, Mittagspause, Unterricht von 13.45 bis 17 Uhr, Abendessen, betreutes Hausaufgaben-Machen von 20 bis 21 Uhr. Auf dem Stundenplan steht vor allem: Deutsch. 23 Schulstunden pro Woche. Dazu kommen je vier Stunden Englisch, Sozialwissenschaften, Physik und Mathematik. Aber wer das für viel hält, ist noch nie in China zur Schule gegangen. "Zu Hause musste ich um halb sechs aufstehen, hier erst nach sieben Uhr", sagt Huikun. 14 Stunden Schule am Tag seien dort keine Seltenheit. "Plus Hausaufgaben", ergänzt Reuter.

Es sind aber längst nicht nur die reinen Schulfächer, die im Bahnstadt-Internat gelehrt werden. "Junge Menschen aus China sind oft stark in Naturwissenschaften - und im Auswendiglernen", sagt Reuter. Dagegen seien Gruppenarbeit, eine Präsentation halten oder das Nachfragen, wenn man etwas nicht verstanden, kaum geläufige Tätigkeiten. "Wir bemühen uns, die Schüler selbstständiger zu machen", ergänzt Reuter. Etwa indem sie ihr Frühstück selbst zubereiten oder das Bad putzen müssen. Daneben werden auch alltägliche Unterschiede abgestellt. So sei es in China nicht unüblich, " dass die Heizung ständig auf fünf steht und das Fenster aufgemacht wird, wenn es warm wird", berichtet der Internats-Leiter.

Das Schuljahr läuft bis 31. Juli. Davor steht noch eine Abschlussprüfung. Reuter: "Die nimmt jemand vom Goetheinstitut in Düsseldorf ab." Lesen Schreiben, Sprechen werden unter die Lupe genommen. Wer nicht besteht, muss eventuell an seiner kommenden Schule Zusatzunterricht belegen. An welche Lehranstalten die jungen Chinesen wechseln, steht schon fest. In allen Fällen sind es Privatschulen, an denen sie ihr Abitur machen sollen.

Aber so weit denken Huikun und Yi Ling nicht voraus. Die beiden sind längst nicht die einzigen, die von Heimweh geplagt werden. "Das ist ein großes Problem", sagt Reuter. Geeignete Gegenmittel seien Aktivitäten in Sportvereinen. Ein Schüler spielt Pauke in einem Kölner Orchester. Huikun und Yi Ling vertreiben sich die Freizeit oft mit Tischtennis. Eine Platte steht im Klassenzimmer. Für Heimat-Gefühle sorgt auch das von einem China-Restaurant gelieferte Mittag- und Abendessen. Deutsches Essen? "Ist nicht so lecker", sagt die zwei jungen Damen. Allerdings wird in wenigen Tagen der Caterer gewechselt. "Die Schüler müssen sich an deutsches Essen gewöhnen", sagt Reuter. Das dürfte dem ein oder anderen gar nicht schmecken.

Quelle: RP
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