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Leverkusen
242 Schloss-Dokumente: ein Festtag im Archiv

Leverkusen: 242 Schloss-Dokumente: ein Festtag im Archiv
Ein Textträger aus längst vergangenen Tagen: Das Papier, auf das geschrieben wurde, war so dünn, dass die Tinte von der Rückseite durchschlägt. FOTO: Miserius
Leverkusen. Das Stadtarchiv bekam 242 historische Blättern aus der Zeit zwischen 1597 bis 1715 und kann damit eine Lücke in der Dokumentation von Schloss Morsbroich schließen. Sie wurden unter der Bestandsnummer 3000 inventarisiert. Von Monika Klein

Ein Stich von Wenzel Holler aus dem Jahr 1635 zeigt, wie ein Pferdefuhrwerk, das sogenannte Klüppelholz ans Rheinufer bringt. "Das wurde als Brennholz verkauft und nach Köln verschifft", erklärt Gabriele John, Leiterin des Stadtarchivs. Es ist die älteste Darstellung von Leverkusen, die sie im Haus hat. Zu dieser Grafik hat das Stadtarchiv nun alte Schriftstücke aus dieser Zeit bekommen, die einen Einblick in das damalige Alltagsleben in Schloss Morsbroich geben.

"Für uns ist das ein wunderbares Geschenk", strahlt die Archivarin. Übergeben wurden die 242 Seiten umfassenden Dokumente aus den Jahren 1597 bis 1715 von Jutta Schmücking, die erklärt, wie es in ihren Besitz kam. Ihr Sohn Benjamin habe sie von einer alleinstehenden ehemaligen Nachbarin bekommen, zu der Familie Schmücking eine enge Beziehung pflegte. Als ihr Sohn vor einigen Jahren im Architekturstudium eine Arbeit über das "Maison de Plaisir von Morsbroich" schrieb, hat ihm die Nachbarin das Material überlassen. Seitdem lag es im Haus und niemand hatte mehr dran gedacht. Erst als Jutta Schmücking die Ausstellung "Kunst trifft Stadtgeschichte" in der Villa Römer besuchte, kam es ihr beim Gespräch mit Gabriele Pelzer und Reinhold Braun aus dem Vorstand der Stadtgeschichtlichen Vereinigung wieder in den Sinn. "Das gehört der Öffentlichkeit", sagte Jutta Schmücking gestern bei der offiziellen Übergabe. Zur Person der ehemaligen Besitzerin konnte sie etliche Informationen und einige Fotos liefern.

Jutta Schmücking (2.v.r.) übergab 242 historische Blätter. Mit dabei (v.l.): Archivleiterin Gabriele John, Reinhold Braun und Gabriele Pelzer. FOTO: Miserius, Uwe (umi)

Die vor fünf Jahren verstorbene Nachbarin Paula Marie Zieleskiwicz (1922 in Schlebusch geboren) hat in den Remisen von Schloss Morsbroich gewohnt, weil ihr Vater dort als Verwalter gearbeitet hat. Laut Adressbuch von 1927/28 war er Forstverwalter und vorher Diener bei der Familie von Diergardt, hat Reinhold Braun herausgefunden.

Beim Umzug in die Waldsiedlung hat die Frau, die später im Kölner Diözesanmuseum gearbeitet hat, neben diesen alten Schriftstücken auch einige Fliesen mitgenommen. Tatsächlich befinden sich die Papiere schon einige Zeit im Stadtarchiv, so dass sich Gabriele John und ihre Mitarbeiter schon einen Überblick über den Inhalt verschaffen und einige Transkriptionen von handschriftlichen Verträgen anfertigen konnten. Die seien besonders spannend, weil man die Lebenssituation herauslesen könne. Und das für eine Zeit, die im bisher eher dünn durch Dokumente belegt war.

Zu Morsbroich habe man etwa 2000 Akten im Haus, größtenteils ab Beginn des 19. Jahrhunderts, gut 40 aus dem 18. Jahrhundert und kaum etwas aus dem 17. Jahrhundert. Pachtverträge der zum Haus Morsbroich gehörenden Güter von 1689 und ca. 1732 enthalten viele konkrete Hinweise auf die wirtschaftliche Bedeutung des Hauses der Ländereien, sogar der Viehbestand wurde genau aufgelistet.

Ein anderer großer Teil der 242 Blätter behandelt einen langen Rechtsstreit zwischen dem damaligen Besitzer Caspar von Elverfeldt und seinem Nachbarn Gothard, der Weinhändler in Köln war.

Quelle: RP
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