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Leverkusen
30 Jahre Pentagon mit den Fans gefeiert

Leverkusen: 30 Jahre Pentagon mit den Fans gefeiert
Pentagon-Wirt Gerhard Prattki (Mitte) feierte umringt von seinen Fans das 30-jährige Bestehen seiner Neustadt-Kneipe. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Gerhard Prattki ist nach dem Studium Wirt geworden. Er hat das Pentagon in der Opladener Neustadt auch über schlechte Zeiten gerettet. Er hat es nicht bereut, hinter der Theke zu stehen. Viele Freundschaften seien entstanden. Von Jim Decker

Es ist wohl einer der meistgesprochenen Sätze, zumindest nach dem zweiten oder dritten Bier: "Wir kaufen eine Bar!" Das kam zwar wohl schon so mancher Runde in den Sinn, umgesetzt wird die Idee aber meist nicht. Es bleibt bei der Bierlaune. "Wir haben das damals einfach gemacht", sagt Gerhard Prattki (61), von seinen Stammgästen nur "Gerd" gerufen. Am Sonntag stand er auf den Tag genau 30 Jahre hinter dem Tresen des "Pentagon" in der Opladener Neustadt.

"Ich habe mich auch manchmal gefragt, worauf ich mich da eingelassen habe", gibt Prattki nicht ohne ein Lachen zu. Damals vor 30 Jahren kellnerte Prattkis Freundin im "Avalon" an der Kölner Straße. "Wir haben uns eben gedacht, wieso sollen wir nicht eine Kneipe aufmachen?", erinnert sich Prattki. Das "Avalon" sei damals aber nicht zu haben gewesen - der "Alchemist" wenige Meter weiter am Künstlerbunker hingegen schon.

"Also habe ich den Alchemisten am 1. August 1985 übernommen", erzählt der Wirt weiter. "Im Nachhinein etwas naiv," gibt er zu. Erfahrung hatte er keine - lediglich die Freundin habe ein wenig Kenntnis vom Kellnern mitgebracht. Erst ein Jahr später, 1986, baute Prattki den Alchemisten um. Ein Grafikerfreund zeichnete Agentenfiguren von Hand - von da an hieß es "Pentagon". Die Figuren blicken noch heute auf die Gäste des Pentagon. Doch auch das veränderte Design half anfangs nicht. "Ich bin da sehr blauäugig reingegangen", gibt der "Chef-Agent" zu. "Das hat zwei Jahre gedauert, bis es einigermaßen lief. Aber irgendwie war es unsere Pflicht, das durchzuziehen." Nach zwei Jahren baute Prattki wieder die Fenster ein, ab da lief es besser. "Den Durchbruch hatten wir dann, als wir endlich ein Straßencafé betreiben durften. Ab da lief es richtig gut." Das Pentagon sei immerhin die erste Kneipe in der Opladener Neustadt gewesen, die ein Straßencafé hatte.

Die beste Zeit hätten er und das Pentagon in den 90er Jahren gehabt. Damals gab es Rock-Sessions, der Laden lief. Heute gibt es ein ähnliches Modell: Bei der "offenen" Bühne können Künstler ohne Voranmeldung im Pentagon auftreten. Dass es jetzt wieder schwieriger wird, liege vor allem an Neuerungen wie dem Rauchverbot. "Das war sicher überhaupt nicht förderlich", beklagt der Kneipier. Es gebe durchaus Gäste, die deswegen nicht mehr kämen. "Und dass jetzt massenweise nicht-Raucher die Kneipen fluten, ist nicht eingetreten." Man müsse heutzutage wieder kämpfen, um über die Runden zu kommen. "Das merkt man ja auch an der Konkurrenz. Da gibt es einige nicht mehr", sagt Prattki. Ans Aufhören denkt er nicht, noch nicht. Fünf Jahre werde er mindestens noch hinter dem Tresen stehen. Die Berufswahl bereut Prattki, der direkt aus dem BWL-Studium in die Kneipenwirtschaft "schlitterte", nicht.

"Es entwickeln sich ja auch tolle Freundschaften über die Jahre," sagt er. Die verrückten Geschichten, die über die Jahre passierten, seien außerdem unbezahlbar. "Hier sind schon Leuten die Knarren aus der Jacke gefallen", erinnert er sich. Dabei guckt er, als könne er das selbst noch nicht so recht glauben. "Andere Zeiten eben", denkt er zurück. Einer derjenigen, die von Beginn an mit dem Pentagon und seinem Wirt verbunden waren, ist Jörg Zimpel (52). "Ich bin schon seit 30 Jahren hier, und seit etwa 25 Jahren mit dem Gerd eng befreundet", sagt Zimpel. "Als Wirt ist man die Mutter der Nation. Da wachsen einem Etablissement und Gast schnell als Herz", fügt Prattki hinzu. Über die Jahre sei er mit dem Laden alt geworden. Und trotzdem kenne er die meisten der Gäste - zumindest vom Sehen her. "Es ist ein toller Job", zieht Gerd Prattki nach 30 Jahren Bilanz. "Sonst hätte ich auch irgendwann aufgehört." Den Beruf würde er auch heute wieder wählen. "Ich würde nur genauer hinschauen, auf was ich mich da einlasse," gibt er zu.

Quelle: RP
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