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Leverkusen
390 Römer müssen auf die Intensivstation

Leverkusen: 390 Römer müssen auf die Intensivstation
Anästhesist Jan Hirsch berichtet während des Science Slam-Abends aus einer "wissenschaftlichen Studie", in der die medizinischen Folgen der Keilereien zwischen Römern und Asterix und Obelix analysiert werden. Der Mediziner zeigt im "topos" Beispiele aus einem der untersuchten 34 Asterix-Hefte. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Klinikum-Ärzte präsentierten einen humorvoll-satirisch-musikalischen Abend über das Leben von Medizinern. Von Ulrich Schütz

Wenn im Wiesdorfer Jazzlokal "topos" einmal im Jahr die Medizinerdichte enorm ansteigt, haben garantiert Leverkusens Klinikum-Direktor Jürgen Zumbé und Kollegin Linda Stahl die Hände im Spiel. Mit ärztlichen Kollegen servieren sie ihre Lieblingsveranstaltung "Medizin trifft Musik". Ziel: wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Welt der Gesundheit und Krankheiten humorvoll in die kleine Kneipe drücken, auch gern garniert mit Hardcore-Bildern. Dazu gab es diesmal eine Prise Sex aus vermeintlich gutbürgerlichen Wohnungen. Alles abgerundet mit dem gekonnten Klavierspiel des Bastian Korn. Den meisten Besuchern hat die Mischung aus Information, Alltagsgeschehnissen und Sarkasmus gut gefallen.

Für Staunen sorgte Anästhesist Jan Hirsch. Er präsentierte launig eine "wissenschaftliche Studie" zu 34 Asterix-Heften, in denen es vor Prügelszenen zwischen Galliern und Römern wimmelt. Eine Folge: Rund 704 Kämpfer zogen sich laut Zeichnungen Schädelhirntraumata zu. Darunter waren 698 Männer, die meisten hatten schon beim ersten Obelix-Kinnhaken den Helm verloren (genau: in 70,5 Prozent der Fälle): "Die Helmtechnologie 50 vor Christus war einfach insuffizient." Kommt gar nicht gut, verschärft die Verletzungen. Und oft waren die armen römischen Soldaten nach der handfesten Diskussion mit den Galliern von Monokel-Hämatomen gezeichnet (blau geschlagene Augen).

Bilanz: 390 Römer würden heute auf der Intensivstation landen, müssten intubiert werden. Davon berichten die Comics nichts, bedauert Hirsch. Medizinisch hochinteressant: die Verwendung des Mistelextraktes "Lectin" im Zaubertrank. "Es kann das Tumorwachstum reduzieren. Sie sehen, ein bisschen Wahrheit steckt in den AsterixGeschichten drin."

Nach dieser netten Aufwärmrunde eröffnete Chiropraktiker Andreas Nelles den erotisch angehauchten Teil, erzählte von einer Patientin mit Kopfschmerzen. Sie habe mit ihrem Mann beim Liebesspiel experimentiert. Sie wollte erleben, wie es ist, sich zu lieben und gleichzeitig dem Ersticken nahe zu sein. Dazu benutzte der Mann einen Gürtel. Pech dabei: Beim Zuziehen um den Hals verhakte sich die Gürtelschnalle, der Mann zog zum Öffnen ruckartig fester und fügte seiner Dame einen Muskelabriss am Nacken zu. "Mein Rat: Vielleicht nicht alles machen, auch wenn die Aussichten vielleicht grandios sind", plauderte Nelles.

Er erzählte auch von einer sparsamen Patientin um die 80 Jahre. Sie hatte einen schiefen Hals. Blockade in der Praxis gut gelöst. Fertig? Nein! Die alte Dame erzählte später: "Wissen Sie was, wenn jetzt was ist, macht mein Mann das. Der hat ja gesehen, wie Sie das machen. Der war früher auf dem Bau, das kriegt er schon hin. Wenn jetzt bei uns in der Nachbarschaft jemand was hat, das macht mein Mann für einen Zehner weg." Puh.

Nelles erzählte noch das: Nackte Tatsachen erlebten Rettungskräfte in einem Mehrfamilienhaus im Kölner Großraum. Aus einer Wohnung schrie eine Frau um Hilfe. Sie stand gefesselt und ohne Kleidung an einem Andreaskreuz. Ihr Liebhaber im Batman-Kostüm hatte sich beim Anflug am Bett beide Oberschenkel gebrochen und lag jammernd am Boden. Pech für die Frau: Der Schlüssel für die Handfesseln war irgendwie weg, da mussten auch noch Feuerwehrleute anrücken.

Von brauner Gefahr und Kriminalität durch Migranten erzählte Lukas Eberwein. Er meinte den Bornavirus und Würmer, die teils tödliche Krankheiten auslösen. Überträger waren in drei Fällen (die Ehepaare starben) Bunthörnchen oder aus dem Ausland mitgebrachte Hunde. Der Referent dokumentierte dies teils mit drastischen Nahaufnahmen von befallenen Augen. Für den Laien Hardcore-Medizin, für die Fachleute Diagnosematerial. Karl König beendete die von Linda Stahl moderierte Runde mit Einblicken auf den Olymp, dem das Klinikum mit seinem bärtigen Zeus alias Chefarzt Zumbé durchaus ähnelt. Zumbé befand: "Mir hat es gefallen." Es gab viel Applaus für den ungewöhnlichen Abend.

Quelle: RP
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