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Leverkusen
648 Schlafplätze in Notunterkunft Auermühle

Leverkusen: 648 Schlafplätze in Notunterkunft Auermühle
FOTO: Miserius, Uwe (umi)
Leverkusen. Die Aula der Gesamtschule Schlebusch war mit Anwohnern und weiteren Interessierten gut gefüllt zum Infoabend von Bezirksregierung und Stadt zur Flüchtlingsunterkunft Auermühle. Der dauerte gut zwei Stunden und warf Fragen auf. Von Ulrich Schütz

Auf dem Gelände des ehemaligen Freibades Auermühle in Schlebusch entsteht eine Flüchtlingsunterkunft mit 648 Schlafplätzen. Start der Landeseinrichtung, die unter der Regie des Malteser Hilfsdienstes hauptamtlich betrieben wird, ist die erste Januarwoche 2016, gaben Vertreter der Bezirksregierung Köln und des Malteser Hilfsdienstes am Montagabend auf der Bürgerinformationsveranstaltung in der Gesamtschule Schlebusch bekannt.

Auf der rund zweistündigen Veranstaltung (rund 200 Besucher) ging es vor allem um Sorgen und Ängste. Oberbürgermeister Uwe Richrath warb um Toleranz gegenüber den Flüchtlingen und sagte zu, dass Vertreter der Stadt jederzeit für Fragen zur Verfügung stünden (siehe Info-Kasten). Deutlich wurde: Viele Bürger sehen die Flüchtlinge noch als eine Art unbekanntes Wesen an. Es ist je nach Informationsstand gefährlich oder hilfsbedürftig.

Auf dem Infoabend in der Gesamtschule überwogen die Fragen zur Gefahr durch Flüchtlinge. "Ich habe Angst, abends alleine durch die Straßen von Schlebusch zu gehen", sagte etwa eine Frau, die sich als "stramme Sozialdemokratin" bezeichnete, um nicht als Rechte verdächtigt zu werden. Die Konflikte der Länder, aus denen die Flüchtlinge stammten, würden nach Deutschland getragen, befürchtete die Anwohnerin. Anderen ging es um die weggefallenen Parkplätze im Bereich des Freibades, um die angebliche Rattenplage in Alkenrath, um die angebliche Vermüllung rings um die Notunterkünfte, um mangelhafte Sicherheit in den Unterkünften, um Lärmbelästigung. Nur wenige Leute fragten, was sie denn praktisch für die Flüchtlinge tun könnten.

Der Vertreter der Bezirksregierung Köln, Cengiz Yldirin, und Malteser-Mitarbeiter Oliver Röhrs erklärten geduldig und mit Sachkenntnis die Situation in den Unterkünften. Auch Oberbürgermeister Uwe Richrath und die Dezernenten Andrea Deppe (Bauen) und Markus Märtens (Soziales) gaben viele Informationen. Die Flüchtlinge, die in der Auermühle in Zelten untergebracht werden, bleiben in der Regel höchstens fünf Wochen, danach werden sie auf kommunale Einrichtungen verteilt. Die Malteser setzen für Schlebusch 40 bis 50 Mitarbeiter ein, pro Schicht etwa zwölf Leute. Dazu kommen etwa zehn Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes sowie die Mitarbeiter der Catering-Firma und des Reinigungsdienstes. "Wir wollen den Flüchtlingen das Leben angenehm gestalten, ohne Luxus zu bieten", betonte Röhrs, stellvertretender Geschäftsführer Malteser Rheinland. Die Flüchtlinge dürfen sich frei bewegen. Wer allerdings längere Zeit fehlt, fällt möglicherweise aus dem Asylverfahren heraus. Die Anwesenheit wird am Eingang über Chipkarten kontrolliert. Zugang zur Unterkunft haben nur die Flüchtlinge und Mitarbeiter der Einrichtung. Besucher kommen in der Regel nicht in die Unterkunft. Die Flüchtlinge werden in abgeteilten Bereichen (je zehn Schlafplätze) untergebracht.

Petra Jennen, die für die Arbeiterwohlfahrt die Notunterkunft in der Schule Görresstraße betreut, warb um Verständnis und Toleranz für die Flüchtlinge. "Die vielen Vorwürfe gegen die Flüchtlinge, die ich hier höre, tun mir weh." Es gehe um Menschen, die Unterstützung bräuchten: "Sie sind sehr dankbar für unsere Hilfe." Alle Vertreter, die mit den Flüchtlingen zu tun haben, betonten auch, dass es die Menschen in den Unterkünften nicht einfach hätten: "Sie müssen für alles anstehen, für das Duschen, für Essen und anderes. Sie leben mit 24 Personen in einem Klassenraum, die Doppelstockbetten stehen dicht an dicht." Dass es in solchen Unterkünften zu Spannungen komme, leugneten die Behördenvertreter nicht. "Es sind aber bei weitem nicht die Masse der Fälle, wie sie hier angesprochen werden", versicherte Malteser-Vertreter Röhrs.

Die Landeseinrichtung Auermühle soll Ende 2016 wieder abgebaut werden.

Quelle: RP
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