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Leverkusen/Köln
A1-Ausbau: Leverkusener Kritiker in Höchstform

Leverkusen/Köln: A1-Ausbau: Leverkusener Kritiker in Höchstform
Blick auf die A1 bei Leverkusen aus der Vogelperspektive. FOTO: UM
Leverkusen/Köln. Am dritten Tag der Diskussion über Einwände zum Rheinbrückenbau ging es vor allen um den Eingriff in die Altlast Dhünnaue. Von Ludmilla Hauser

Friedhelm Laufs vom Straßenverkehrsbereich Leverkusen brauchte gestern in der Stadthalle Köln-Mülheim Geduld. Er war zu Punkt sieben, "Verkehr" der Tagesordnung des Erörterungstermins zum "Planfeststellungsverfahren zum Ausbau der A1 zwischen Köln-Niehl und dem Leverkusener Kreuz West" angereist. Doch darüber zu diskutieren - soweit kamen die Beteiligten erstmal nicht. Denn Tagesordnungspunkt sechs forderte Zeit: Es ging um die alte Deponie Dhünnaue, um Altlasten und Baugrunduntersuchungen - Paradethemen für die Fachleute Rolf Kraneis und Lutz von Waldowski unter den Einwendern.

Die ersten Reihen im Saal gehörten fast ausschließlich Leverkusener Kritikern. Und die suchten den Vortrag von Gutachterin Ingrid Obernosterer vom Geotechnischen Büro Prof. Düllmann zum Eingreifen in die Dhünnnaue für die A1-Erweiterung (Brückenbau) auseinanderzunehmen.

Manfred Schröder (Bürgerinitiative NGL) monierte das Vorhaben, die als ungefährlich eingestuften Materialien im betroffenen Bereich der Dhünnaue weiterzuverwerten. "Sie können die ungefährlichen Stoffe in der Altlast gar nicht mehr von den gefährlichen trennen, das ist doch miteinander in Berührung gekommen", hakte er nach. Obernosterer betonte, es gebe eine Übergangsschicht, die freilich zu gefährlichem Abfall zähle, "aber alles, was darüber liegt, tut das nicht. Dafür gibt es sogar ein Verwertungsgebot, an das wir uns halten müssen. Zudem wird es während der Arbeiten permanent Analysen geben."

Schröder spottete: "Sie wollen jedes Schäufelchen, was an Material rausgeholt wird, analysieren?" Der nächste Kritiker: "Frau Kollegin, ich komme aus dem Metier. Da gilt: Vor der Hacke ist es duster. Man kann nicht alles vorhersehen, was auf der Deponie liegt. Sie müssen sich auf das Schlimmste einstellen, aber Sie gehen vom Idealfall aus."

Die Fachleute von Straßen.NRW und die Gutachter trafen auch an Tag drei des Termins auf gut vorbereitete Einwender, die auf jede Argumentation eine Gegenrede wussten. Klaus Wolf von den Leverkusener Grünen, ebenfalls Einwender, fasste zusammen: "Die Baugrunduntersuchungen von Straßen.NRW sind zwar sorgfältig gemacht, aber nicht ausreichend dahingehend, ob die Tragfähigkeit für die neue Brücke in der Dhünnaue wirklich gegeben sein kann. Die Gutachten sind auf Kante genäht. Wenn etwas Unvorhergesehenes passieren sollte, platzt das Ganze auseinander." Dr. Rainer Welte, ehemals bei den Grünen, kommentierte: "Das Ganze klingt wie: Große Jungs machen ein großes Abenteuer. Es gibt viele Dinge, die nicht bedacht sind."

Was Wolf, Welte, Kraneis und Anderen besonders bei der Argumentation zur Brückengründung auf der Altlast aufstieß: "Dass die A59 als Bemessungsgrundlage für die Verdichtung des Bodens an anderer Stelle genommen wird. Die Verdichtung bei der A59 ist doch minimal", kritisierte Wolf. Tatsächlich hatten Obernosterer und ein Gutachter der Firma, die Baugrunduntersuchungen vorgenommen hat, die A59 her-angezogen. Sie sei auf einem zwei Meter dicken Polster gegründet worden, dafür habe es einen Teilbodenaustausch gegeben. Ähnlich will Straßen.NRW auch jetzt für die A1 in der Dhünnaue verfahren - mit einem 2,70-Meter-Bodenaustausch plus weitere Verfahren zur Bodenverdichtung. Für die Kritiker macht das keinen Sinn: "Auf der A59 gab es einen homogenen Boden, im jetzt diskutierten Bereich haben wir drei verschiedene Materialien mit unterschiedlichem Verdichtungsverhalten. Und darüber, wie sich der Boden verhält, gibt es keine gesicherten Erkenntnisse", hieß es.

Mehr Aufschluss könnte die Dokumentation der Bohrungen geben, die die Firma für Straßen.NRW gemacht hat. "Stellen Sie die ins Internet", forderten Kraneis und Erhard Schoofs (Bürgerliste). Dies lehnte Straßen.NRW-Projektleiter Thomas Raithel ab. "Die Unterlagen können bei uns eingesehen werden."

Rolf Kraneis wertete das als Zeichen: "Hier soll was verheimlicht werden", schimpfte er. Und ließ ins Protokoll aufnehmen: "Die Gutachten sind wunschgemäß optimiert und es sind wesentliche Punkte verschwiegen worden." Von Waldowski forderte, dass "die Bezirksregierung Straßen.NRW aufgibt, vor Ort auf Probefeldern den praktischen Beweis anzutreten, dann nehm' ich Ihnen auch ab, dass das Polsterverfahren klappt."

Quelle: RP
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