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Leverkusen/Wiesbaden
Lkw-Irrsinn auf A1-Brücke: Kann Hessen helfen?

Die Probleme der Lkw-Fahrer auf der A1
Leverkusen/Wiesbaden. In Wiesbaden werden Lkw-Fahrer, die über eine für sie gesperrte und ähnlich marode Rheinbrücke wie die Leverkusener fahren wollen, durch eine automatische Schranke gestoppt. Eine Waage sendet das Signal dafür. Von Peter Korn

Es ist noch keine drei Tage her, als ein Lkw-Fahrer auf der Autobahn 1 bei Merkenich plötzlich rückwärts fuhr, weil er zu spät gemerkt hatte, dass er auf die für ihn gesperrte Leverkusener Rheinbrücke geraten war. Längst nicht der erste Fall dieser Art aber bemerkenswert, weil der Fahrer, bevor er den Rückwärtsgang einlegte, die Kennzeichen mit seiner Warnweste abhing (wir berichteten).

Die Fälle rückwärts fahrender Laster wiederholen sich von Woche zu Woche - aber lässt sich so etwas tatsächlich nicht verhindern?

Leverkusen: A1-Brücke: So viele Verstöße gibt es

Ein Beispiel aus Hessen zeigt eine Möglichkeit auf, wie man dem Lkw-Irrsinn eventuell doch beikommen kann. Dort gibt es auch ein Brückenbauwerk, das neu erstellt werden soll und große Lasten nicht mehr verträgt: Die Schiersteiner Brücke auf der Autobahn 643 zwischen Wiesbaden und Mainz - oder besser gesagt zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz - ist ebenfalls, wie in Leverkusen, für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt.

Für die Einhaltung des Verbots sorgt hier jedoch ein System, das nach Auskunft der hessischen Landesregierung zwar eine Million Euro gekostet, aber inzwischen auch schon zahlreiche Bußgelder in die öffentlichen Kassen gespült hat.

Spezialgruppe kontrolliert an A1-Rheinbrücke FOTO: irz

Es funktioniert ungefähr so:

- Lkw-Fahrer werden frühzeitig über Warnschilder auf die für sie gesperrte Brücke und letzte Abfahr-Möglichkeiten hingewiesen.

Das System ist ebenso effizient, wie gnadenlos: sobald ein Lkw die rechte Spur verlässt, wird die komplette Autobahn gesperrt. FOTO: HessenMobil

- Wer die Abbiege-Spur nicht nutzt, sondern auf eine der Brücken-Fahrbahnen fährt, wird automatisch gewogen.

- Ein zu hohes Gewicht löst das Alarm-System aus: Eine Schranke senkt sich, die Fahrbahn wird zudem immer weiter verengt - bis sich zuletzt ein Polizeibeamter vor das blockierte Fahrzeug stellt.

- Die Polizei lotst den falsch gefahrenen Lkw über eine eigens dafür gesperrter Ausfahrt von der Autobahn und kassiert gleich ein Bußgeld: Das einfache Nichtbeachten des Verkehrsschildes kostet laut Polizei 75 Euro. Da aber mehrere Schilder die Weiterfahrt für Lastwagen verbieten, geht die Autobahnpolizei in der Regel eher von Vorsatz aus. Dann werden 175 Euro fällig - plus zwei Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei. Ist es ein ausländischer Lastwagen, der die Sperre zu umgehen versucht, erhöht sich die Buße noch einmal um eine Verwaltungsgebühr von 25 Euro, weil auch eine Sicherheitsleistung hinterlegt werden muss. Seit April greift diese Regelung, und die damalige Hoffnung der Polizei, dass sich unter den Lkw-Fahrern schnell herumspricht, dass die Schiersteiner Brücke nicht zu befahren ist, hat sich inzwischen weitgehend erfüllt.

In Leverkusen wird das System vermutlich trotzdem nicht zu sehen sein, wie Sprecher des NRW-Verkehrsministeriums gestern auf Anfrage unserer Zeitung erklärte. Je nach Ereignis-Lage werde die Brücke in Wiesbaden oder Mainz zwischen fünf und zehn Minuten gesperrt, wenn Lkw herunter geleitet werden müssen, betonte er: "Bei den Verkehrsmengen, die Tag für Tag am Leverkusener Kreuz auftauchen, wäre so etwas absolut tödlich."

Mehr zum Lkw-Wahnsinn auf der A1-Brücke lesen Sie hier. 

Quelle: RP
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