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Leverkusen
A1-Brücke: Schon 18 Lastwagen fuhren rückwärts

Spezialgruppe kontrolliert an A1-Rheinbrücke
Spezialgruppe kontrolliert an A1-Rheinbrücke FOTO: irz
Leverkusen. Immer wieder fahren Lastwagen rückwärts auf der Autobahn, um den Blitzern auf der Rheinbrücke zu entgehen. Die Polizei hat keinen von ihnen gefasst. Die Brücke ist für Lastwagen über 3,5 Tonnen gesperrt, es werden hohe Bußgelder fällig. Der ADAC warnt vor dem lebensgefährlichem Manöver. Von Gundhild Tillmanns

 Erst am Mittwoch fuhr ein Lastwagen von der Brücke aus rückwärts. Er legte im Rückwärtsgang die beachtlich Strecke bis zur Ausfahrt Köln-Niehl zurück. Auch im Februar meldete sich ein Zeuge bei der Polizei, der einen rückwärts fahrenden Laster an der A1-Brücke gesehen hatte.

Gleich an zwei Tagen hintereinander fuhren Lkw auf der Leverkusener Rheinbrücke rückwärts über die Autobahn. Am Mittwochabend und Donnerstagmorgen fuhren Lkw zunächst an den Verbotschildern vorbei, die das Passieren der maroden A 1-Brücke für Fahrzueuge über 3,5 Tonnen untersagen - um dann kurz vor den gut sichtbaren Radaranlagen zurückzusetzen. Damit sind 18 Lkw-Fahrer zwischen Juni 2014, als das Lkw-Verbot eingeführt wurde, bis Donnerstag rückwärts von der Brücke gefahren. Geschnappt hat die Polizei keinen.

"Das Verhalten der Lkw-Fahrer ist lebensgefährlich. Kaum denkbar, was gerade auf der vielbefahrenen Brücke passieren kann", kommentiert Dr. Roman Suthold, Leiter der Abteilung Verkehr und Umwelt beim ADAC, die Vorfälle auf Anfrage unserer Redaktion. Suthold verfolgt die Problematik auf der Leverkusener A-1-Brücke seit geraumer Zeit sehr aufmerksam. Die Zunahme der Falschfahrer bringe aber eine zusätzliche Dramatik, meint er.  

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 Die Polizei weist darauf hin, dass Rückwärtsfahren auf der Hauptfahrbahn mit einem Bußgeld von 200 Euro und zwei Punkten in Flensburg geahndet werden. Das Rückwärtsfahren auf der Nebenfahrbahn kostet 130 Euro und einen Punkt. Und bei einer konkreten Gefährdung eines anderen Verkehrsteilnehmers könnte sogar eine Straftat (§ 315c StGB) vorliegen.

Eine Polizeisprecherin betont: "Die Polizei nimmt jede Meldung ernst, die über Notruf 110 zu rückwärtsfahrenden Lkw eingeht. Das Rückwärtsfahren stellt eine besondere Gefahr für die anderen Verkehrsteilnehmer dar. Darum wird sofort eine Verkehrswarnmeldung herausgegeben." Die Gefahrenstelle werde unter Umständen kurzfristig gesperrt. Die Polizei stehe in engem Kontakt zur Bezirksregierung Köln, die eigene Maßnahmen zur Verhinderung des Rückwärtsfahrens prüfe. Nicht geplant und auch nicht möglich sei eine durchgehende 24-Stunden-Überwachung der Rheinbrücke oder durchgehende Kontrollen. "Dennoch befahren die Streifenwagenbesatzungen verstärkt außerhalb sonstiger Einsätze die Rheinbrücke und wirken demnach präventiv gegen das Anhalten und Rückwärtsfahren", heißt es.

Der ADAC-Verkehrsexperte sieht indes die baulichen Möglichkeiten, um der Misere Herr zu werden, an der A 1-Brücke als nahezu erschöpft an. "Die Bezirksregierung hat ja schon nachgebessert, und viel mehr lässt sich wohl auch nicht tun. Das Problem scheinen auswärtige Lkw-Fahrer zu sein. Und diese Zielgruppe zu erreichen, ist auch über die Foren und Fernfahrerstammtische wohl nur schwer möglich", sagt Suthold. Er könne sich vorstellen, dass ausländische Lkw-Fahrer, die oft so wenig verdienten, dass "man schon fast von moderner Sklavenhaltung" sprechen könne, ganz bewusst rückwärts setzten, um nicht noch das Radarknöllchen zahlen zu müssen. Verbotsschilder in Fremdsprachen seien vielleicht noch eine Möglichkeit: "Aber diese Schilder müsste man dann in Polnisch und Russisch haben", gibt Suthold zu bedenken.