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Leverkusen
A1-Rheinbrücke deutlich teurer

Das werden NRWs größte Verkehrs-Projekte
Das werden NRWs größte Verkehrs-Projekte FOTO: US (Archiv)
Düsseldorf. 740 Millionen Euro stellt der Bund für den Umbau der A1 zwischen Köln und Leverkusen bereit. Davon werden 600 Millionen Euro für die neue Brücke veranschlagt. Doch das wird nicht reichen. Von Jan Drebes, Susanne Genath und Detlev Hüwel

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat für Bundesstraßen in Deutschland 2,1 Milliarden Euro an finanziellen Mitteln freigegeben. Davon fließen 740 Millionen Euro, also mehr als ein Drittel, nach NRW. Die gesamte Summe kommt einem einzigen Projekt zugute, dem Ausbau der Autobahn 1 zwischen Köln und Leverkusen mit der neuen Rheinbrücke. Das geht aus der am Mittwoch veröffentlichten Aufstellung des Ressorts für insgesamt 24 Projekte in zehn Bundesländern hervor, über die unsere Redaktion vorab berichtete.

Eine Fahrt durch die Lkw-Sperre vor der A1-Rheinbrücke

Trotz des nun bewilligten Geldes erwartet der zuständige Landesbetrieb Straßenbau NRW jedoch keine Beschleunigung beim Bau der Brücke – und damit keine frühere Entspannung der Verkehrslage. Erst 2023 soll die neue Brücke mit acht Fahrspuren eröffnen, sagte ein Sprecher. Allein der Brückenneubau soll rund 600 Millionen Euro kosten. Die tatsächlichen Baukosten für die Brücke aber dürften deutlich darüber liegen, hieß es. Die Brücke werde aber kein weiteres Großprojekt, das sich wie der Berliner Flughafen oder Stuttgart 21 als Millionengrab erweise, versicherte ein Sprecher von Straßen.NRW.

NRW erhält von allen Bundesländern das meiste Geld

Die von Dobrindt bewilligten 740 Millionen Euro stehen allerdings nicht nur für die Brücke zur Verfügung. 410 Millionen Euro sollen für die Instandhaltung der Autobahn 1 und der Zufahrten zwischen Köln- Niehl und dem Kreuz Leverkusen verwendet werden. Und auch die marode Brücke muss nach Angaben von Straßen.NRW bis mindestens 2020 erhalten bleiben. Mit Baubeschleunigung habe das nichts zu tun, sagte der Sprecher.

NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) zeigte sich dennoch zufrieden. "740 Millionen Euro als Sonderfinanzierung zusätzlich zu den über eine Milliarde Euro, die wir ohnehin in 2016 verbauen werden, sind ein toller Leistungsnachweis für unsere Planungsbehörden und den Landesbetrieb Straßenbau NRW", sagte er am Mittwoch.

Gähnende Leere auf gesperrter A1-Rheinbrücke FOTO: dpa, htf

Bundesverkehrsminister Dobrindt leite damit einen großen Teil des Gesamtpakets nach NRW. "Das ist der Treibstoff, der unsere Bagger rollen lässt", sagte Groschek. Er zeigte sich darüber hinaus zuversichtlich, dass zeitnah weitere Baufreigaben erteilt werden. Dazu zähle die A43, für die ein Planfeststellungsbeschluss vorliege. "Das wären weitere 270 Millionen Euro für NRW", so Groschek.

Insgesamt erhält NRW damit von allen Bundesländern am meisten Geld in diesem Jahr. Die zweithöchste Summe von 314 Millionen Euro bekommt Bayern für insgesamt sieben Projekte. Es folgt Baden-Württemberg mit 282 Millionen Euro für vier Vorhaben. Dobrindt rief die dafür zuständigen Länder erneut zu schnelleren Planungen auf. Das Nadelöhr für Bauprojekte seien nun nicht mehr die Finanzen, sagte der Verkehrsminister.

ADAC: Für Brückenneubau fehlen die Experten

Kritik kam auch vom CDU-Bundestagsabgeordneten und früheren NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke: "Es regnet schon wieder Brei und NRW hat immer noch keine Löffel." Im Grunde gehe NRW leer aus, weil es mit der Brücke Geld für ein Projekt ohne Baugenehmigung gebe. Der Planfeststellungsbeschluss liegt noch nicht vor.

Warum Leverkusener für eine Tunnel-Lösung sind FOTO: Miserius, Uwe

Beim ADAC hieß es zudem: "Das Geld ist im Moment nicht das Problem. Berlin muss ja sowieso alles bezahlen", meint Experte Roman Suthold. "Es fehlen vielmehr die Experten, die die neue Brücke bauen können." Straßen.NRW habe 2015 Mühe gehabt, 100 neue Mitarbeiter zu finden. "Dieses Jahr sollen 100 weitere Leute eingestellt werden. Aber es gibt gar nicht so viele Bauingenieure", sagte Suthold.

Quelle: RP
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