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Rheinbrücke in Leverkusen
A1-Sperre wird zur Geländewagen-Falle

A1-Sperre der Rheinbrücke für Lkw wird zur Geländewagen-Falle
So sieht eine vergleichbare Anlage auf der A6 bei Saarbrücken aus. FOTO: VOLKMANN & ROSSBACH
Leverkusen. Bis zu 150 Lkw donnern täglich unerlaubt über die marode Leverkusener A1-Brücke. NRW-Verkehrsminister Groschek will sie mit Schranken stoppen. Diese Maßnahme trifft aber wohl vor allem Privatleute mit teuren Geländewagen. Von Peter Clement

"Dramatisch. Beeindruckend. Jedes Detail lädt zum Losfahren ein", schwärmt Gerry McGovern, Design Director beim Geländewagen-Hersteller Land Rover, auf der Homepage seines Unternehmens über den neuen Range Rover Sport. Wer in Leverkusen mit einem solchen Fahrzeug in Richtung Köln aufbricht, für den könnte die Fahrt allerdings künftig schnell beendet sein - und zwar an der maroden Leverkusener A1-Brücke. Genauso wie für die Fahrer eines BMW X6, Hyundai ix 55, Kia Carnival VQ, Kia Sorento XM, Mercedes SLS AMG und diversen Modellen weiterer Autohersteller. Ihr Problem: Sie alle messen mit Außenspiegeln 2,20 und mehr in der Breite.

Und das bedeutet: All diese Autos werden sich künftig an der neuen Schrankenanlage unmittelbar vor der Leverkusener Brücke festfahren.

Mit dieser Anlage will NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) die bis zu 150 Fahrer stoppen, die täglich unerlaubt mit ihren Lkw über das Bauwerk donnern. Doch treffen wird er auch Geländewagen, Vans und Wohnwagen, die zwar weniger als 3,5 Tonnen wiegen - die Grenze, ab der die automatische Schranke sich schließt -, sich aber trotzdem festfahren,  weil sie zu breit sind.

Die Verkehrsentwicklung um die A1-Brücke im Zeitraffer

Um hartgesottene Gewichtssünder schon vor der Schranke auszubremsen, werden die Fahrspuren zuvor auf 2,20 Meter verengt; und das stoppt auch ansonsten völlig unproblematische Fahrzeuge, die einfach nur breiter ausfallen.

Experte sieht Lkw-Sperre als "Stauverursachungsmaschine"

Beim ADAC häufen sich inzwischen die Anfragen besorgter Autofahrer. Und dessen Verkehrsexperte Dr. Roman Suthold sieht sich in seiner Befürchtung bestätigt. "Das ist eine Stauverursachungsmaschine", hatte er bei der Bekanntgabe der Groschek-Pläne gesagt. Selbst wenn ein Lkw nur kurz anhalten müsse, könne das kilometerlange Staus verursachen - erst recht, wenn er sich festfahre und von der Autobahn geleitet werden müsse. Nicht auszudenken, wenn jetzt noch Privatfahrzeuge hinzukämen, die quasi mitbüßen müssten.

Suthold rät allen Berufspendlern, die Brücke so gut es geht zu meiden. "Das wird ein richtiges Nadelöhr. Die Situation von heute wird sich noch verschärfen", befürchtet der Experte. Ein Sprecher des Landesbetriebs Straßen.NRW bestätigte das Problem am Dienstag: "Wir suchen eine Lösung, haben aber noch keine", sagte er gegenüber unserer Redaktion.

Die Zeit läuft allerdings weg. Denn um weitere Schäden an der Brücke zu vermeiden, soll die Schrankenanlage bereits im September installiert werden. Zu knapp für eine Lösung? Soviel scheint klar: Um die Brücke zu erhalten, würde NRW notfalls auch in Kauf nehmen, dass Unschuldige mitbestraft werden.

Quelle: RP
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