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Leverkusen/Hamburg
A1-Tunnel - kann Hamburg Vorbild sein?

Das sind die Pläne für die Rheinbücke bei Leverkusen
Leverkusen/Hamburg. In Hamburg wird zurzeit ein "Tunnel mit Deckel" gebaut, wie ihn Leverkusen gerne hätte. Der Druck auf die Planer wächst. Von Peter Clement

Er ist fast 900 Meter lang und soll Anwohner trotz der Erweiterung der Autobahn auf acht Spuren vor Lärm und Abgasen schützen. Klingt wie eine Beschreibung der Leverkusener Wunsch-Option für die derzeitige Stelzenautobahn der A1, ist es aber nicht.

Der Tunnel ist nämlich kein Wunschtraum - er wird tatsächlich gebaut: in Hamburg. Mit einem symbolischen Knopfdruck hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) vergangene Woche den Startschuss für den Bau jenes Lärmschutztunnels über der A7 gegeben, der mehrere Wohngebiete im Norden in der Elbmetropole bis 2020 zusammenwachsen lassen soll.

Tunnel mit Deckel wie in Hamburg - das wäre für den Bürgerinitiativ-Zusammenschluss LIV auch eine Möglichkeit für die A1 in Küppersteg. FOTO: UM

Oberirdisch sollen Kleingärten und eine Parkanlage, die direkt über dem Autobahnabschnitt mit mehr als 150.000 Fahrzeugen täglich führt, die Menschen glücklich machen, darunter rollt die Blechlawine. "Das ist Verkehrspolitik, die ihren Namen verdient", lobte Dobrindt. sich beim Start gewissermaßen selbst.

Die Kosten für Deutschlands größte Autobahnbaustelle liegen bei etwa zwei Milliarden Euro, der Tunnel selbst kostet rund 200 Millionen.

Peter Westmeier von den Leverkusener Initiativen für Verkehrsplanung (LIV) kommentierte die Nachricht, die er in Hamburger Zeitungen gefunden hatte, in einer ersten Reaktion so: "Wir haben unseren Augen erst nicht getraut. Stünde dort nicht Hamburg als Ort, könnte man meinen, es geht um einen Tunnel statt der Stelze in Leverkusen".

Alles, was die Leverkusener zum Schutz der Bürger forderten, werde in der Hansestadt umgesetzt und vom Bundesverkehrsminister als "moderne Verkehrspolitik" gepriesen.

"Es werden Tunnel gebaut, Deckel drauf gesetzt und das gleich dreimal in unterschiedlicher Länge, von 560 Metern bis 2,3 Kilometern", berichtet Westmeier weiter. Die Verbreiterung der A7 von sechs auf acht Fahrspuren werde dazu genutzt, den Streckenverlauf in die Erde zu bringen und damit den zerrissenen Hamburger Westen wieder zusammenzuführen: "Alle diese Argumente zählen in anderen Städten und vermitteln uns das Gefühl, dass Leverkusener Belange nebensächlich und wir Bürger zweiter Klasse sind", kritisiert Westmeier: "Diese Bauvorhaben sind der Beweis, dass der ge-sundheitliche Schutz, der für Bürger anderer Städte (nicht nur in Hamburg) selbstverständlich zu sein scheint, in Leverkusen keine Rolle spielt. Straßen.NRW und Bundesverkehrsminister Dobrindt werden das erklären müssen."

Die Genannten mussten gestern zunächst aber auch noch eine andere Frage beantworten. Aus politischen Kreisen verlautete nämlich, ein ranghoher Mitarbeiter im NRW-Verkehrsministerium habe Landtagsabgeordneten vor Kurzem in trauter Runde zum Projekt in Leverkusen versichert: "Der Tunnel ist tot."

Sowohl Bundes-, als auch Landesministerium machten dazu gestern keine Angaben. Ein Sprecher des Landesbetriebes Straßen.NRW verwies solche Theorien jedoch ausdrücklich ins Reich der Träume: "Wir befinden uns immer noch in der Phase, in der wir Informationen sammeln, auf deren Grundlage das Ministerium später entscheiden kann", sagte er. Jetzt mit einer solchen Aussage vorzupreschen, wäre völlig sinnlos und auch nicht haltbar.

Die Debatte geht vorerst weiter.

Quelle: RP
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