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Debatte um A1-Ausbau
Leverkusen blickt neidisch Richtung Düsseldorf

A1-Tunnel Leverkusen: Düsseldorf hat das, was Leverkusen nicht bekommen soll?
Für die U-Bahn-Strecke "Wehrhahnlinie" in Düsseldorf flossen 840 Millionen Euro - mehr als für den Leverkusener A1-Tunnel nötig sein soll. Hier ein Blick in den Mittelstollen, für den das Erdreich vereist werden musste. FOTO: Andreas Bretz
Leverkusen. Düsseldorf‬ hat Mitte Februar mit der ‪‎Wehrhahnlinie‬ eine neue U-Bahn-Strecke bekommen. Bund, Land und Stadt steckten 844 Millionen Euro hinein. Und in ‪‎Leverkusen‬ soll das Geld für einen A1-Tunnel, der weitaus billiger wäre, nicht drin sein? Dazu haben wir uns Gedanken gemacht.  Von Ulrich Schütz

Am Mittwoch habe ich mich an meiner ersten Leverkusener Wohnung umgeschaut, an der Karl-Marx-Straße. Da war es dann wieder, dieses vertraute, typische Geräusch der A1. Der Lärm der Motoren, das "Plopp, Plopp", wenn die Pkw und Lastwagen von der festen Autobahnfahrbahn die Schwellen zur Stelzenautobahn überfahren. Als direkter Anwohner habe ich diesen Lärm damals gehört, aber irgendwann nicht mehr wahrgenommen. Nach meinem Umzug in eine "ruhigere" Gegend bin ich nachts aufgewacht - weil ich den Lärm vermisst habe. Es war mir zu ruhig, obwohl ich an meinem heutigen Wohnort auch Eisenbahn- und Autobahnkrach höre.

Warum erzähle ich das? Ich glaube, die Menschen von Küppersteg und Manfort, die seit Jahrzehnten vom Lärm gequält werden, haben bessere Zeiten verdient. Sie haben dazu bessere Luft verdient. Was sie heute hören und einatmen, macht nicht sofort krank, aber auf Dauer. Die Folgen sind unmenschlich, und die gegebenenfalls nötigen ärztlichen Behandlung sehr teuer. Heute würde niemals neben einer solchen Siedlung eine solche Autobahn genehmigt. Und doch denken die Planer über eine Erweiterung und über eine noch größere A1 ausgerechnet auf Stelzen nach. Ein unglaublich menschenverachtender Vorgang.

Das ist die Kunst in der neuen Wehrhahn-Linie FOTO: dpa, skm sab

Schauen wir nach Düsseldorf. Dort wurde in der Innenstadt Mitte Februar eine U-Bahn-Strecke eingeweiht. Bund, Land und Stadt steckten 844 Millionen Euro in diesen 3,5 Kilometer langen Straßenbahn-Tunnel. Acht Jahre brauchten die Bauarbeiter für das Projekt.

Geschätzt waren die Kosten zunächst auf "nur" rund 600 Millionen Euro. Die Preissteigerung wird offenbar nicht als besonders problematisch eingestuft: Der parlamentarische Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister, Enak Ferlemann, hat bei der Eröffnung des Projektes in der Landeshauptstadt versprochen, "großzügig" mögliche weitere Zuschüsse des Bundes wegen gestiegener Baukosten zu bewerten.

Wehrhahn-Linie in Betrieb

Man muss sich die Summen, die dort vergraben wurden, mal im Detail durch den Kopf gehen lassen, beispielsweise: Jeder Meter des 75 Meter langen U-Bahn-Tunnels unter dem Kaufhof an der Kö kostetet rund eine Million Euro.

Warum erzähle ich auch das? Der geforderte "kurze" Tunnel in Höhe Küppersteg soll nach Auskunft von Straßen.NRW etwa 580 Millionen Euro kosten. Für die Düsseldorfer U-Bahn zahlte der Bund rund 280 Millionen Euro an Zuschuss. Die Hälfte dessen, was derzeit für den Küppersteger A1-Tunnel veranschlagt wird. Und da soll das Geld für die Leverkusener Bürger nicht drin sein?

Start der Wehrhahn-Linie in Ratingen FOTO: Wolfgang Schneider

Diese Woche hat der Stadtrat beschlossen, prüfen zu lassen, ob Gefahrguttransporte durch einen "Tunnel Küppersteg" rollen dürften. Wird so vorbereitet und versucht, den Tunnel vielleicht mit dem Hinweis auf "Transportgefahren" zu verhindern, wenn das Geld-Argument angesichts Düsseldorf & Co. nicht mehr überzeugt? Die Tunnelbefürworter vermuten dies.

Leverkusen muss alles daran setzen, den Tunnel zu bekommen. Alles für die Landeshauptstadt, die schon viele Tunnel bekommen hat, darf nicht gelten. Auch deshalb ist es gut, wenn der Stadtrat auf Druck von Grünen, CDU und Opladen Plus beschließt, dass die Stadt freiwillig keine Grundstücke an den Bund für die A1-Erweiterung per Stelze verkauft.

Quelle: RP
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