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Leverkusen
Ach du heiliger Bimbam

Leverkusen: Ach du heiliger Bimbam
Pfarrer Heinz-Peter Teller mit einer der vier Glocken von St. Remigius. Zwischen 22 und 7 Uhr läuten sie nicht. FOTO: Uwe Miserius (Archiv)
Leverkusen. Die Kirche St. Elisabeth hat nur eine Glocke, St. Remigius gleich vier. Wir stellen sie in unserer kleinen Serie "Ach du heiliger . . ." vor. Von Monika Klein

In der Sakristei von St. Elisabeth gibt es drei Schalter zum Betätigen der Glocken. Aber nur einer setzt tatsächlich das Geläut in Gang, weil im offenen Kirchturm auch nur eine Glocke hängt. Aus Kostengründen hat man beim Bau wohl auf die beiden anderen verzichtet.

60 Jahre nach Fertigstellung der jüngsten Opladener Kirche sollten die ursprünglichen Pläne des Architekten Emil Steffann nun umgesetzt werden. Die Pfarrei hatte auch schon ein Angebot von gebrauchten Glocken, deren Stimmung genau passte. Doch dann kam zunächst der Statiker, und der stellte fest, dass der Glockenturm gar nicht für Gewicht und Schwingung von drei Glocken ausgelegt ist.

"Man hätte die Außenwand verstärken müssen", erklärt Pfarrer Heinz-Peter Teller, warum die Pläne nun erneut auf Eis gelegt wurden. Denn das wäre eine aufwendige Sache, zumal das komplette Ensemble mittlerweile unter Denkmalschutz steht. Außerdem hätte mehr Sound erfordert, entweder den Turm zu erhöhen oder mit Plexiglaswänden zu arbeiten. Beides erschien zu teuer und aus Denkmalschutzgründen zu schwierig.

Die Opladener Hauptkirche St. Remigius hat vier Glocken. Die allerdings nur an den hohen Feiertagen alle geläutet werden. Zu Weihnachten sind sie das nächste Mal live zu hören. Im Internet lässt sich das Ostergeläut jederzeit abrufen. Vor zwei Jahren wurden Ton und Bilder der schwingenden Glocken aufgenommen und auf Youtube eingestellt.

Die kleinste der vier auf h - d' - f' und as' gestimmten Glocken läutet zu jeder vollen Stunde. Allerdings hat man vor einigen Jahren eine nächtliche Ruhepause zwischen 22 und 7 Uhr eingeführt. So erklärt Teller auch, dass in Opladen kaum Beschwerden wegen Lärmbelästigung vorgetragen werden, wie in manchen anderen Städten. Ansonsten gibt es eine "Läuteordnung", in der festgelegt ist, dass die nächst größere Glocke drei Mal täglich - um 8, 12 und 18 Uhr - zum Angelus-Gebet ruft.

An normalen Sonntagen erklingen drei, an hohen Festtagen vier Glocken. Und zur Wandlung wird von der Sakristei oder der Orgel aus das "betläuten" ausgelöst. Dabei wird ein kurzer Ton mit dem Hammer angeschlagen und nicht erst die ganze Glocke in Schwingung versetzt.

Die größte und tiefste, also der "Dicke Pitter" von Opladen wird alleine geläutet, wenn jemand verstorben ist. "Der tiefe Ton hat wohl den nachhaltigsten Einfluss auf die menschliche Seele", erklärt Teller.

Dass vielen Menschen in der Gemeinde die Bedeutung noch bekannt ist, merkt man im Pfarrbüro, wenn der Glockensachverständige zur Kontrolle kommt und mitten in der Woche testet. "Da hatten wir dann schon mal verunsicherte Anrufer, die fragten: Ist der Papst tot?"

Die Bezeichnung "Glocke" sei übrigens Onomatopoesie, erklärt der Stadtdechant. Also eine Lautmalerei, die den Ton sprachlich nachahme.

Quelle: RP
 
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