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Leverkusen
Ärzte kritisieren schlechte Luft, Bürger die Politik

Leverkusen: Ärzte kritisieren schlechte Luft, Bürger die Politik
Informationen über die miesen Luftwerte in der Stadt überreichte Norbert Mülleneisen an Bundestagsabgeordneten Helmut Nowak. FOTO: UWe MIserius
Es war zunächst ein ganz normaler Vortrag rund um die Auswirkungen von Feinstaub auf die Gesundheit des Menschen. Lungenarzt Norbert Mülleneisen veranschaulichte und verglich Werte aus der hiesigen Luft. Später allerdings wurde die Veranstaltung vor allem zu einem Spießrutenlauf für Helmut Nowak. 75 Interessierte nahmen den Bundestagsabgeordneten in die Mangel. Von Tobias Brücker

Zunächst zu den Fakten: Jeden Tag atmet eine Person durchschnittlich 13 Kilogramm Luft ein und aus. Nun nimmt das Krankheitsbild der chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) nach den Erfahrung Mülleneisens deutlich zu. Gerade in Leverkusen sind die Zahlen der zu behandelnden Patienten höher als im Rest des Niederrheins. Eigentlich handele es sich dabei um eine typische Raucherkrankheit. "Da kommt man ins Nachdenken", betonte der Facharzt, der das Ziehen am Glimmstängel verteufelt. Ließe man einen Dieselmotor in der Garage 30 Minuten im Leerlauf arbeiten, so sei die dabei verschmutzte Luft nahezu nicht vorhanden im Vergleich zu einem Zigarettenzug. Ein dem ähnlicher Feinstaub hängt tagtäglich in der Luft. Die Teilchen sind dabei so winzig, dass sie es bis in die Lungenbläschen schaffen, dort großen Schaden anrichten und in großen Mengen auch nicht von den Schleimhäuten abgefangen werden können. "Die wirklich gefährlichen Teilchen werden nicht gemessen", sagte Mülleneisen, "das ist auch ein Appell an die Politik, das zu messen, was wichtig ist." An der Gustav-Heinemann-Straße wurde der Kurzzeitgrenzwert, der 18 Mal im Jahr überschritten werden darf, zwar meist eingehalten, doch ist sie beim gemessenen Wert Spitzenreiter des Landes.

Weder NRW-Verkehrsminister Michael Groschek noch sein Pendant im Bund, Alexander Dobrindt, waren anwesend, süffisant verlas Mülleneisen die Entschuldigungsschreiben. So bekam Helmut Nowak den Zorn ab. Durch seine Aussage, der große Tunnel sei von Anfang an ausgeschlossen worden, zog er schnell den Unmut auf sich, die Stimmung im Saal verschlechterte sich merklich. "Die Initiativen in der Stadt sind deutlich weiter als Sie", warf ihm ein Mann vor, Nowak geriet ins Schlingern, tat sich teilweise schwer, schnell eine Antwort zu finden. Auch die Stadt kam nicht gut weg. Ein Mann bemerkte, die Art und Weise, wie die Diskussion dort geführt werde, sei eine Katastrophe. "Der große Tunnel ist unmöglich. Man muss irgendwann aufhören um etwas zu kämpfen, das unmöglich ist, sonst bekommt man am Ende gar nichts", betonte Nowak.

Quelle: RP
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