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Leverkusen
Alarmierender Einblick in die Steinbücheler Drogenszene

Leverkusen. Am zweiten Prozesstag zur Schießerei in dem Stadtteil ließ sich der Angeklagte auf Details zu den Revierkämpfen ein. Von Siegfried Grass

Der Beharrlichkeit und den Fragen von Sabine Kretzschmar, der Vorsitzenden Richterin der 11. Großen Strafkammer am Kölner Landgericht, ist es zu verdanken, dass der Angeklagte am Ende des zweiten Verhandlungstages deutlich mehr von der Straftat, seinen "Freuden" und seinem Leben erzählte, als es zunächst die Verteidiger mit dem Verlesen einer Einlassung vorgesehen hatten. Es ermöglichte vor allem einen alarmierenden Einblick in die Drogenszene im Stadtteil Steinbüchel. Letztlich ging es bei der Schießerei, die sich in den frühen Morgenstunden des 27. Juli 2014 ereignet hatte, nämlich um Revierkämpfe bei dem Verkauf von Drogen. Der Angeklagte soll dabei vor einem Wohnhaus, am Rande eines Garagenplatzes aus kurzer Distanz zwei Schüsse aus einer mit einem Schalldämpfer versehenen Schusswaffe auf einen Mann abgegeben haben, von dem er sich bedroht gefühlt hatte.

Laut Staatsanwaltschaft traf der erste Schuss den Geschädigten in den Bauch, woraufhin dieser zu Boden ging. Der Angeklagte soll nun ein weiteres Mal auf das am Boden liegende Opfer gefeuert und sich sodann vom Tatort entfernt haben.

Der 33-jährige Angeklagte, selbst drogensüchtig, hatte sich ein Vertriebsnetz aufgebaut, von dem er neben der üblichen staatlichen Unterstützung als Arbeitsloser gelebt hatte. Er hätte zwar mit seinem Hauptschulabschluss und einer abgeschlossenen Berufsausbildung ein "normales" bürgerliches Leben" führen können, doch dem standen offenbar die "türkischen Regeln" mit Zwangsverheiratung, Scheidung und der damit verbundenen Verbannung aus der Familie und immer wieder Drogen entgegen.

Seine Sucht konnte er nur damit finanzieren, dass er selbst zum Dealer wurde. Am Ende dieser - hier deutlich abgekürzten - Schilderung standen Revierkämpfe und fortlaufende Bedrohungen. Der Angeklagte sah nur einen Ausweg, sich mit Waffengewalt die Bedrohung vom Hals zu halten. Er holte zwei Waffen und zwei Schutzwesten aus dem Kofferraum eines in der Tiefgarage abgestellten Fahrzeugs. So machte er sich auf den Weg und traf auf den vermeintlichen Rivalen, schilderte er gestern. Dabei habe er auf einen Mann geschossen, "mit dem ich sogar schon einmal gut befreundet war". Am Abend vor der Tatnacht war der Angeklagte noch mit seinem Kumpel im CaLevornia, was anhand von Videoaufnahmen des Schwimmbads leicht nachzuweisen war. Weil sie den Bus verpasst hatten, riefen sie ein Taxi für die Fahrt nach Steinbüchel. Mehrere seiner Kumpel hatten da gleich berichtet, dass es auffallend viele Autos in Steinbüchel geben würden, die sie verfolgen würden. Die beiden benutzten Pistolen sollen unmittelbar nach der Tat im Rhein bei Hitdorf entsorgt worden sein. Ein Verteidiger beschrieb detailliert die Stelle.

Der Prozess geht Montag weiter

Quelle: RP
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