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Leverkusen
Allein zum Fest? Das muss in Leverkusen nicht sein

Leverkusen. Weihnachten ist der Ort, an dem die Familie nach Hause kommt. Besinnlich, andächtig, glückselig und ruhig. Gemeinsam am feierlich gedeckten Tisch sitzen, die liebevoll zubereiteten Speisen genießen. Die brennenden Kerzen und der Weihnachtsbaum geben in Kombination einen angenehmen Duft ab, den man so nur an Weihnachten kennt. Von Tobias Falke

An Heiligabend erzählen, lachen, musizieren, Geschenke auspacken - so stellen sich die meisten Menschen das perfekte Weihnachtsfest vor. Doch für viele bedeutet die Weihnachtszeit Einsamkeit. Sie haben nicht die Möglichkeit mit ihrer Familie Weihnachten zu feiern, sind alleine oder können sich wegen Armut kein Fest leisten. Für diese Menschen wirkt die Einsamkeit der "Stillen Nacht" doppelt schwer.

Deshalb gingen vor rund 40 Jahren junge Menschen auf die Barrikaden. Anstelle eines Weihnachtsbaumes sollte man doch das eingesparte Geld für ein Weihnachtsfest für Menschen investieren, auf die keine Familie und ein Festessen warten. Und so können seit dem am Heiligen Abend alleinstehende Menschen in der evangelischen Bielertkirche unter dem Motto "Heiligabend nicht allein" gemeinsam Weihnachten feiern.

Seit nunmehr 35 Jahren organisiert Bernhard Steinacker mit seinem Team den besinnlichen Abend. "Uns ist es vor allen Dingen wichtig, dass Heiligabend auch an Heiligabend stattfindet", sagt er, "von 19 bis etwa 22 Uhr, quasi zwischen den beiden Gottesdiensten. Die Christmette am Abend ist dann für viele der gelungene Abschluss."

Die meisten Einrichtungen würden den Heiligabend einige Stunden vorverlegen, doch wenn für die Familien die besinnliche Zeit beginnt, dann seien die Alleinstehenden wieder einsam. Rund 45 Personen waren an diesem Abend im Gemeindehaus der Bielertkirche zu Gast. "Bedürftige aber auch reiche Leute sind hier dabei. Die Einsamkeit ist eben überall vorhanden", erklärte Steinacker.

Zum ersten Mal sein auch zwei albanische Flüchtlingsfamilien dabei, die sich sehr darüber freuen, dass sie in geselliger Gemeinschaft den weihnachtlichen Klängen auf Flöte und Klavier von den Töchtern der Pfarrerin Jetter lauschen dürfen. "Wir hatten uns früher auch immer besondere Programmpunkte oder Spiele ausgesucht, aber das ist heute fast gar nicht mehr nötig. Die Menschen freuen sich einfach über den gemeinsamen Abend und unterhalten sich", sagte Steinacker weiter.

Am Ende des Abends gab es dann eine kleine Bescherung - und jeder Gast durfte mit einer Geschenktüte nach Hause. "Es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn man die Leute mit funkelnden Augen und einem strahlenden Lächeln verabschiedet", bemerkt Steinacker jedes Jahr wieder.

Doch ist für ihn bald Schluss. Schließlich habe er mehr als 70 Jahre auf dem Buckel. Deshalb suche man einen Nachfolger. Scherzhaft ergänzt Steinacker: "Ich möchte ja auch mal als Gast hier sitzen und mich bedienen lassen".

Quelle: RP
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