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Leverkusen
Als Kohl auf den "Mann von Bayer" traf

Leverkusen. Der ehemalige Leverkusener Bundespolitiker Dr. Franz-Josef Berners erinnert sich an den Staatsmann. Von Ludmilla Hauser

Zum Tod von Altbundeskanzler Helmut Kohl, der am Freitag im Alter von 87 Jahren gestorben ist, hat Leverkusens Oberbürgermeister Uwe Richrath (SPD) nun tiefe Betroffenheit ausgedrückt: "Die Nachricht vom Tod von Helmut Kohl erfüllt Leverkusener Bürgerinnen und Bürger sowie mich persönlich mit tiefer Trauer. Mit ihm verliert unser Land einen Politiker, der in seinen langjährigen öffentlichen Ämtern, ganz besonders aber als Bundeskanzler, viel für unser Land erreicht hat. Ein besonderer Staatsmann und Ehrenbürger Europas ist von uns gegangen."

Und: "Es stellt für mich eine außergewöhnliche Leistung dar, welche historische Rolle Helmut Kohl sowohl bei der Wiedervereinigung von Deutschland nur ein Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer gespielt hat und wie intensiv er sich für den europäischen Einigungsprozess eingesetzt hat. Das Werk dieses Ausnahmepolitikers... wird Bestand haben. In unserem Land wie auch international."

Dass der Rheinland-Pfälzer wusste, wo Leverkusen und Leichlingen auf der Landkarte liegen, davon ist auszugehen. Kontakte bestanden etwa zum Lützenkirchener Dr. Franz-Josef Berners, einstiger Bayer-Manager und Politiker. CDU-Mitglied Berners, früher einmal von der Ehefrau eines chinesischen Botschafters heiter wie treffend als "Außenminister von Bayer" beschrieben, war von 1975 bis 1990 im Stadtrat und als Nachrücker von 1986 bis 1988 Bundestagsabgeordneter. "Meine erste Sitzung fand ausnahmsweise in Berlin statt, der Bundestag saß ja noch in Bonn. Kohl hat damals zu mir gesagt, er wünsche uns eine gute Zusammenarbeit und: ,Wenn Sie was haben, dann kommen Sie ruhig zu mir'. Das habe ich später auch gemacht", erzählt Berners. Dass Kohl die Neuen im Bundestag ("Ich war ein Spätzünder") so persönlich begrüßte, damit hatte der Lützenkirchener nicht gerechnet, schätzte das aber an dem Spitzenpolitiker. "Kohl war menschlich sehr umgänglich, auch wenn das manchmal in der Außendarstellung nicht so rüberkam." Das Kochbuch von Hannelore Kohl, das seinerzeit erschien, hat Berners heute noch. "Kohl hatte ein unendliches Gedächtnis, auch für Personen", ergänzt der ehemalige Politiker. Und wohl auch dafür, wohin sie gehörten. Kohl habe ihn nach geraumer Zeit noch mit den Worten begrüßt: "Ah, da kommt ja der Mann von Bayer." Was Franz-Josef Berners zudem von seiner Zeit mit dem Staatsmann im Gedächtnis geblieben ist: "Kohl war der Kontakt zu den Kreisverbänden, zur Basis, immer wichtig. Die hat er öfter angerufen."

Als herausragend empfand auch der Leverkusener das, was viele Weggefährten schätzten: Kohls Vision der Deutschen Einheit und der Einigung Europas. "Da war er wie ein Panzer. Von der Idee war er nicht abzubringen", sagt Berners.

Auch der Leichlinger CDU-Europapolitiker Herbert Reul kannte den Oggersheimer gut: "Ich erinnere mich wie Helmut Kohl mich unterstützt und in meiner Heimat Leichlingen besucht hat", erzählt er. "Ich habe viele persönliche Begegnungen in meiner Zeit als Generalsekretär gehabt und habe ihn schätzen gelernt. Er kannte sich aus, kümmerte sich manchmal um unwichtige Kleinigkeiten, war auch an persönlichen Belangen oder Gesprächspartnern interessiert und hatte immer die zentralen politischen Anliegen im Auge."

Für Bürger liegt im Rathaus (Foyer, Etage, Fr.-Ebert-Platz 1) bis zum 12. Juli ein Kondolenzbuch aus.

Quelle: RP
 
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