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Rückblick
Als Uwe Richrath das Rathaus im Sturm nahm

Rückblick: Als Uwe Richrath das Rathaus im Sturm nahm
Im neuen Amtszimmer: Trotz Arbeitsplatz im Rathaus-Ufo möchte Oberbürgermeister Uwe Richrath den Kontakt zu den Leuten auf der Straße nie verlieren. FOTO: Miserius, Uwe (umi)
Leverkusen. Am 13. September wurde der Seiteneinsteiger von der SPD im ersten Anlauf zum neuen Oberbürgermeister von Leverkusen gewählt. Von Peter Korn

Es war kurz vor 19 Uhr am Wahlabend im Rathaus, als Grü- nen-Ratsherr Gerd Wölwer den Fraktionsvorsitzenden der CDU, Thomas Eimermacher, im Vorbeigehen am Arm fasste und sagte: "Komm mit zu Reinhard." Eimermacher, bis dahin im Gespräch mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Helmut Nowak, reihte sich sofort ein und machte sich mit den Bündnispartnern auf den Weg ins Büro des Oberbürgermeisters, wo die kleine Gesellschaft mit wachsendem Entsetzen verfolgte, wie ein Stimmbezirk nach dem anderen an den SPD-Herausforderer Uwe Richrath fiel, während Amtsinhaber Reinhard Buchhorn immer weiter ins Hintertreffen geriet.

Richrath saß zur gleichen Zeit ebenso fassungslos im SPD-Parteibüro, wie er heute rückblickend berichtet: "Ich konnte es erst nicht glauben", schildert er seine Befindlichkeiten von damals: "Da hatte ich auf einmal in Wahllokalen die Nase vorn, in denen die SPD noch nie einen Fuß in die Türe bekommen hatte." Dennoch blieb Richrath bis zuletzt vorsichtig in seiner Freude: "Ich hatte 2009 ja gesehen, wie Ernst Küchler bis kurz vor dem Ende noch vorn gelegen hatte, dann aber mit wenigen 100 Stimmen Unterschied die Wahl verlor", sagt er. Bei ihm selbst war es nun die Frage: "Schaffe ich den Sieg im ersten Wahlgang, oder muss ich noch in die Stichwahl?" Denn dort hätten die Karten durchaus wieder neu gemischt werden können.

Je später der Abend: NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gratuliert. FOTO: Miserius, Uwe (umi)

Das Ergebnis ist bekannt: Während die CDU und ihre Bündnispartner noch rätselten, wie ihr immerhin von vier Gruppierungen unterstützter Kandidat so deutlich verlieren konnte, betrat Richrath bereits als Wahlsieger den Sitzungssaal im Rathaus, wo er von Dutzenden seiner Anhänger frenetisch bejubelt wurde: "Das ist der Moment, den ich wohl nie vergesse", sagt der neue Oberbürgermeister heute, mit Abstand von drei Monaten. So viele Freunde, Weggefährten, dann noch seine Ehefrau Anne und Sohn Paul - "es war einfach überwältigend".

Dass der Damenmode-Unternehmer als Quereinsteiger das Rathaus gewissermaßen im Sturm eroberte, führt er bis heute auf seine vielen Gespräche mit der Bevölkerung zurück. Er wollte der Oberbürgermeister zum Anfassen sein - und will das auch bleiben: "Ich muss immer wieder unter die Leute, brauche den Kontakt zu den Menschen in unserer Stadt. Ich will wissen, wie sie ticken, was sie bewegt. Nur so kann ich die richtigen Entscheidungen in ihrem Sinne treffen", betont der Sozialdemokrat. Viele, die ihn kennen, bestätigen: Der aufrichtig persönliche Kontakt ist Richraths größter Trumpf.

Prominenz in der Woche vor der Entscheidung: Auch SPD-Parteichef und Vizekanzler Sigmar Gabriel machte Wahlkampf für Richrath. FOTO: Miserius, Uwe (umi)

Die Aufarbeitung ihres grandiosen Sieges erledigten die Genossen am Wahlabend in feucht-fröhlicher Runde im Wiesdorfer Szenelokal "Dos Y Dos". Parteichefin Eva Lux lobte Richrath als "einen, der die Menschen versteht und dessen Türen offen stehen." Durch diese offene Tür spazierte selben Abend auch noch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Sie ließ es sich nicht nehmen, ihrem Parade-Sieger persönlich um den Hals zu fallen.

Quelle: RP
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