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Leverkusen
Am Goetheplatz wehen Fahnen nie auf halbmast

Leverkusen: Am Goetheplatz wehen Fahnen nie auf halbmast
Italien oder NRW? Fred Flemnitz und die städtische Gebäudewirtschaft halten in der "Fahnen-Galerie" an der Reuterstraße die Flaggen für das Rathaus und die Goethestraße vor - jede Fahne misst mehr als sechs Quadratmeter. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Ob Paris oder Germanwings: An 13 Stellen der Stadt werden Flaggen aufgezogen, wenn es etwas zu gedenken gibt. Von Roman Zilles

Unverhofft kommt nicht gut. "Wenn wir zu einem außergewöhnlichen Termin flaggen, hat das meist einen traurigen Anlass." Fred Flemnitz überlegt kurz, dann fallen ihm vier solcher Anlässe aus diesem Jahr ein: die Charlie-Hebdo-Morde, der Absturz des Germanwings-Flugzeugs und zuletzt die Anschläge in Paris und der Tod von Helmut Schmidt. Dann wurden aus Trauer und zum Gedenken an öffentlichen Ämtern und Schulen in Leverkusen Fahnen aufgezogen.

Dann ist die städtische Gebäudewirtschaft gefragt. "Eine Mitarbeiterin warnt meist schon vorher, dass eine Beflaggung anstehen könnte, wenn sie etwas in den Nachrichten gehört hat - und sie hat fast immer recht", sagt Abteilungsleiter Flemnitz. Folgt kurz darauf eine entsprechende Anweisung von Bund, Land oder Stadt, werden vor Rathaus, Goetheplatz und Miselohestraße (die Masten am Forum sind reparaturbedürftig) sowie zehn Schulen Fahnen aufgezogen: von Tagesanbruch, "jedoch nicht vor 7 Uhr morgens", bis Sonnenuntergang, so will es die Dienstanweisung.

Bei fast allen werden Hissen und Einholen von Mitarbeitern vor Ort erledigt. Nur Rathaus und Goetheplatz werden von "Externen" versorgt, also von mobilen Hausmeistern der Stadt, die an der Reuterstraße ihre Zentrale haben. Dort werden entsprechende Flaggen-Sätze vorgehalten. Eine schmucke "Fahnen-Galerie" ist dort aber nicht zu finden. In zwei Kunststoff-Kisten in einem Eisenschrank finden sich Europa-, BRD, NRW- und Stadt-Fahnen. Im Behälter für den Goetheplatz sind zudem Trauerflors. Denn dort werden Fahnen nicht auf halbmast gesetzt. Flemnitz: "Dann würden sie dort recht tief hängen. Zu tief. Denn Fahnen werden gerne mal als Souvenir mitgenommen."

Ein Fahnen-Verleih, wie er früher über die EVL möglich war, gibt es seit einigen Jahren nicht mehr. "Wir haben nur noch einen sehr kleinen Bestand", sagt Uwe Bräutigam von der Stadtverwaltung. Daher würden inzwischen kaum noch Fahnen herausgegeben. Ausnahmen würden mitunter für Vereine gemacht, etwa wenn mal wieder Besuche in oder aus Partnerstädten anstehen.

Welche Fahnen vor Schulen und Ämtern geflaggt werden, hängt von Anlass und Anzahl der Fahnenmasten ab. Gibt es einen, ist es immer die ranghöchste: bei den Paris-Attentaten die Europa-Fahne, beim Tod von Helmut Schmidt die deutsche. Gibt es vier, sind Kontinent, Staat, Land und Kommune vertreten. Und zwar - mit Blick aufs Gebäude - in dieser Folge von links nach rechts. Dabei hat die grün-weiß-rote NRW-Fahne kein Wappen, "denn eine solche Flagge darf nur vor Landesbehörden aufgezogen werden", sagt Flemnitz. Das hat zuletzt dazu geführt, dass während der Paris-Beflaggung jemand bei ihm anrief und fragte, "warum denn die Italien-Fahne aufgezogen wurde" - die ist farblich gleich, aber längs und nicht quer gestreift.

Dass die Leverkusen-Fahne mal alleine aufgezogen wird, sei im übrigen selten. "Ich weiß nicht, wann das mal der Fall war", sagt Flemnitz. "Aber vielleicht bekommt ein Leverkusener mal den Nobelpreis. Das wäre ein schönes Ereignis dafür."

Quelle: RP
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