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Leverkusen
Am Jäte-Tag lassen Rehe das Unkraut stehen

Leverkusen: Am Jäte-Tag lassen Rehe das Unkraut stehen
Unkraut jäten muss Hobbygärtner Gerhard Ballay jeden Tag. Den heutigen "Jäte-deinen-Garten-Tag" hält er für Quatsch. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Nur ein müdes Lächeln hat der passionierte Hobbygärtner Gerhard Ballay für den heutigen "Jäte-deinen-Garten-Tag" übrig. Er muss jeden Tag ran, um das Unkraut, aber auch die gefräßigen Rehe zu bekämpfen. Von Gundhild Tillmanns

Heute ist der sogenannte "Jäte-deinen-Garten-Tag": Wie es Tage für Hunde, Tütensuppen oder sonstige Erfindungen gibt, so sind heute die Leverkusener "Lauben-Pieper" gehalten, ihre Gärten von Unkraut zu befreien. "Alles Quatsch", sagt der passionierte Hobbygärtner Gerhard Ballay. "Unkraut jäten, das muss man eigentlich jeden Tag", weiß der 70-Jährige, der schon seit 40 Jahren absoluter Eigenversorger aus seinen beiden Gemüsegärten ist.

Schlaue Zeitgenossen haben zum heutigen "Jäte-deinen-Garten-Tag" im Internet sogar eine Art von Gebrauchsanweisung veröffentlicht, da steht: "Unter Jäten versteht man das manuelle Entfernen von unerwünschten Pflanzen. Als Unkraut bezeichnet man Pflanzen der spontanen Begleitvegetation, die nicht gezielt angebaut werden und aus dem Samenpotenzial des Bodens oder über Zuflug zur Entwicklung kommen." Doch solcherlei Erklärungen können dem Leverkusener Gartenfreund höchstens ein müdes Lächeln entlocken: "Was so alles als Unkraut gilt, das sind teilweise für andere wertvolle Wildkräuter für den Salat. Aus Löwenzahn hat meine Mutter früher einen leckeren Salat gemacht, und aus Brennnesseln wurde Spinat gekocht", erinnert sich der 70-Jährige.

Natürlich sei Unkraut jedweder Art immer das hartnäckigste Gewächs, das sich ohne Jäten ganz schnell durchsetze: "Ich hätte hier ganz schnell eine reine Unkrautwiese, wenn ich nicht jeden Tag mindestens zwei Stunden im Garten wäre", sagt der pensionierte Bäckermeister. "Früher habe ich nach der Arbeit und an den Wochenenden im Garten gearbeitet", fügt er hinzu.

Die im Wortsinne "Früchte seiner Arbeit" erntet er dann allerdings in solcher Hülle und Fülle, dass auch die Nachbarn eine Menge davon mitbekommen. Aber: "Die Nachbarn freuen sich immer, wenn sie etwas aus meinem Garten haben können. Wenn ich aber sage, sie dürfen die Beeren selbst pflücken, dann haben sie plötzlich keine Zeit", sagt Ballay schmunzelnd. Tatsächlich stehen die Sträucher jetzt voller roter und dunkler Johannisbeeren. Der frische Salat, Lauch und ein Meer von duftenden Kräutern belohnen die viele und regelmäßig notwendige Arbeit auch mit Jäten und Wässern: "Die Trockenheit ist in diesem Jahr ein großes Problem. Man muss den Garten ständig bewässern", berichtet Ballay.

In einem kleinen Gewächshaus gedeihen indes Tomaten und sogar Peperoni, die noch grün sind, aber reif leuchtend rot und schön scharf werden sollen. Die Kartoffeln stehen unter dem Kirschbaum in Blüte, Zucchini mit ihren gelben Blüten und Erdbeeren pflückreif hat der erfahrene Gärtner aber gut abgedeckt, denn: "Die Rehe fressen mir sonst alles weg", sagt er. Deshalb hat er seinen Garten auch rundherum eingezäunt, teilweise sogar mit Stacheldraht.

Die gar nicht so schüchternen Rehe aus der kleinen Schonung gegenüber wagen sich trotzdem bisweilen in seinen Garten. Zielgerichtet wissen die, was schmeckt. Das Unkraut lassen die Rehe stehen - auch heute am "Jäte-deinen-Garten-Tag."

Quelle: RP
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