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Heimat genießen - in Leverkusen/Köln
An Bord der Linie 250

Heimat genießen - in Leverkusen/Köln: An Bord der Linie 250
Blick von der Neuen Bahnstadt Opladen nach Köln: Bei gutem Wetter ist der Dom gut zu erkennen, bis man mit dem Bus da ist, dauert es eine knappe Stunde. FOTO: RED
Leverkusen/Köln. Die 250 ist eine besondere Buslinie. Sie ist eine von zweien, die Leverkusen und Köln miteinander verbinden. Während der rund einstündigen Fahrt erleben Fahrgäste Musikgeschichte, einen Kurzurlaub und Seitenwechsel. Von Simon Janssen und Amélie Müller

Mit einer großen Einkaufstüte auf dem Schoß sitzt Charlotte Kaiser neben ihrem Mann Walter in einer der hinteren Busreihen. Für das Ehepaar ist die Tour in der Linie 250 Routine. "Seit einigen Jahren fahren wir zweimal pro Monat von Köln nach Leverkusen, um einzukaufen", sagt Walter Kaiser. Ist es normalerweise nicht umgekehrt? "In Köln sind einfach zu viele Menschen, in Leverkusen ist alles ein wenig ruhiger, und es gibt schöne Cafés", sagt Charlotte Kaiser, die mit ihrem Mann in Stammheim lebt.

Reporter Simon Janßen beim Start seiner besonderen Bus-Tour von Opladen zum Kölner Hauptbahnhof. FOTO: Miserius, Uwe (umi)

Die Linie 250 ist ein echtes Unikat. Sie ist neben der 260 die einzige Buslinie, die Leverkusen mit Köln verbindet. Neben dem Zug gibt es sonst nur noch die Straßenbahnlinie 4, für die dasselbe gilt. Viele Pendler (zum Beispiel Mitarbeiter des Bayer-Werks) oder Menschen, die die Kölner Einkaufspassagen besuchen wollen, nutzen die Buslinie 250. Schließlich kann man im Vergleich zu Straßenbahn und Zug an wesentlich mehr Orten zusteigen.

An der Haltestelle Wilhelmstraße im Opladener Kneipenviertel, ist nicht viel los. Es ist Mittagszeit. Lediglich eine Mutter mit Kinderwagen wartet am Schild, auf dem es Informationen über die möglichen Ziele und Uhrzeiten gibt. Wenige Minuten später öffnet sich eine Bustür. Der Fahrer druckt schweigend das kleine Ticket aus. Und los geht's in Richtung Kölner Hauptbahnhof.

Von der Zoobrücke aus bietet sich ein schöner Blick auf das Rheinpanorama mit der Seilbahn, auf der anderen Seite mit der Altstadt-Dom-Kulisse.

Es dauert nicht lange, bis der Mann hinter dem großen Lenkrad in die Friedrich-Ebert-Straße einbiegt. Auf dem großen, weißen Rohr vor dem Tor 1 des Chemparks steht "Herzlich willkommen" - auch wenn die großen industriellen Bauten nicht sonderlich einladend wirken. Jedes "Willkommen" trägt auch einen kleinen Hauch von Abschied in sich - mit dem Schild, auf dem der schwarze Leverkusen-Schriftzug rot durchgestrichen prangt, verabschiedet sich die Stadt.

Der Busfahrer trägt Vollbart und eine dunkle Pilotenbrille. Dort vorne ist sein Cockpit. Hinten die Passagiere, die es sicher ans Ziel zu bringen gilt. Er erzählt, es gebe kein typisches Klientel in der Linie 250. "Es ist immer unterschiedlich, wer hier mitfährt. Hängt auch immer damit zusammen, was so los ist", sagt er lässig.

Wenig später kommt sich der Fahrgast vor wie am Bosporus. In Köln-Mülheim reiht sich ein türkisches Spezialitäten-Geschäft ans nächste - eine Art Kurzurlaub. Im Vorbeifahren ist der Deutsch-Türkische Kulturverein zu erkennen. Je näher es in Richtung des Hauptbahnhofs geht, desto enger getaktet ist der Verkehr. Nur schleppend geht es voran. Umso mehr Zeit bleibt, um aus dem Fenster zu schauen. Bei der Fahrt über die Zoobrücke - die Deutzer-Brücke ist für Fahrzeuge, über 30 Tonnen gesperrt - schweift der Blick über "Vater" Rhein. Über ihm wechseln Menschen in Seilbahngondeln die Seiten. Wer gut hinsieht, erkennt auch den Mülheimer Hafen, in dem vor gut 20 Jahren das Hausboot-Pier der Kelly Family lag. Wenige hundert Meter weiter versprechen grinsende Politiker auf Wahlplakaten, dass ihr Herz für Köln schlage. Kölns Herz schlägt lauter.

Besonders laut pulsiert es am Hauptbahnhof, wo man vom Kölner Dom majestätisch begrüßt wird. Auf dem Asphalt kicken Straßenfußballern, Menschen mit riesigen Einkaufstüten gehen schnellen Schrittes, um es noch rechtzeitig zum Gleis zu schaffen. Der ganz normale Wahnsinn im Dunstkreis eines Hauptbahnhofs eben, wo sich Menschen finden und Wege trennen - so mancher Weg begann in Leverkusen.

Für welche Art von Transportmittel man sich auch entscheidet, um von Leverkusen nach Köln zu kommen. Die Buslinie 250 ist viel mehr als nur irgendeine Buslinie. Sie pflegt gleichzeitig ein weit unterschätztes Dasein als Bindeglied zweier Städte, deren Einwohner viel ähnlicher sind, als sie jemals zugeben würden.

Ein Bindeglied zweier Städte, die sich gewiss nicht immer liebhaben, doch auch schlecht ohne einander können. In der Linie 250 erlebt man, wieso.

Quelle: RP
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