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Leverkusen
Angeklagter leugnet Promille-Unfall

Leverkusen. Der Fall, der gestern vor dem Amtsgericht Opladen verhandelt wurde, war so kurios, dass er zwischendurch Anlass zum Schmunzeln gab. Einem 59-Jährigen wurde vorgeworfen, im Juni an einem Nachmittag betrunken Auto gefahren zu sein, auf der Quettinger Straße einen Unfall verursacht und dann Unfallflucht begangen zu haben. Bei dem Zusammenstoß mit einem anderen Wagen entstand ein Sachschaden von 1936 Euro. Der andere Fahrer wurde verletzt.

"Das ist nicht wahr, es gab keinen Unfall", beteuerte der Angeklagte. Seine Mutter habe ihm überdies erzählt, Polizeibeamte, die sein Fahrzeug untersucht hätten, hätten keine Spuren einer Kollision gefunden.

Die Mutter des Mannes spielt eine zentrale Rolle in dem Prozess. Zu ihr hatte sich der Rentner, der mit seiner Frau in Opladen lebt, um 9 Uhr morgens auf den Weg gemacht, berichtet sein Rechtsanwalt. Schon auf dem Hinweg sei es zu einem ersten, jedoch nur kleinen, Verkehrsunfall gekommen, berichtete der Anwalt. Dem widersprach sein Mandant. Es sei an diesem Tag "gar nichts in diese Richtung vorgefallen. Das hat mein Anwalt falsch verstanden. Der steht aber ja auch unter Stress", sagte der Mann verständnisvoll. Als ihm das Gericht vorhielt, er habe den kleinen Unfall am Morgen auch bei der Polizei angegeben, sagte der 59-Jährige: "Wissen Sie, ich bin nicht mehr der Jüngste."

Bei seiner Mutter in Steinbüchel sei er gegen Mittag angekommen, wenig später einkaufen gefahren. Der zweite Unfall, der sich dabei laut Polizei gegen 17 Uhr ereignet hat, taucht in seiner Schilderung nicht auf.

Statt dessen berichtet der Rentner, mit seiner Mutter nach dem Einkaufen gegessen und sich nach der "Tagesschau" auf die obere Etage des Hauses zurückgezogen zu haben. Dort habe er "gemütlich" eine Flasche Wein sowie eine halbe Flasche Rum getrunken. Das habe nicht viel mehr als eine Stunde in Anspruch genommen. Wenig später wurde der Mann vorläufig festgenommen. Der gemessene Blutalkoholwert betrug kurz nach 22 Uhr weit über zwei Promille.

Das Opfer erschien nicht, eine Zeugin will sich aber noch an das Kennzeichen des Wagens erinnern, der sich vom Unfallort entfernte. "Ich habe ein sehr gutes Köpfchen", gab die Frau an, ehe ein lautes Lachen folgte. Das Gericht vereinbarte einen Fortsetzungstermin für den 18. November.

(brü)
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