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Otto-Grimm-Straße in Wiesdorf
Anwohner sollen über neuen Namen mitentscheiden

Otto-Grimm-Straße in Wiesdorf: Anwohner sollen über neuen Namen mitentscheiden
Die Beibehaltung oder Änderung des Namens der kleinen Einkaufsstraße in der City wird seit Monaten in der Stadt heiß diskutiert. Nächste Woche berät der Bezirk I dazu, am 19. Dezember der Rat. FOTO: UM
Leverkusen. Johannes-Rau-Straße, Pfarrer-Schmitz-Straße, Bruno-Krupp-Straße - an Namensideen für eine Umbenennung der Wiesdorfer Otto-Grimm-Straße mangelte es seit Frühjahr in der Leverkusener Politlandschaft nicht. Gestern war die Umbenennung Thema im Bauausschuss. Von Ludmilla Hauser und Monika Klein

Der Integrationsrat hatte im Frühjahr einen Vorschlag (Bruno-Krupp-Straße) zur Umbenennung der kleinen Fußgängerzonen-Straße in der City gemacht, dann zurückgezogen, aber sich in jedem Fall für eine Umbenennung ausgesprochen. Die Linken hatten vorgeschlagen, man möge die Straße nach dem ehemaligen Landesvater Johannes Rau benennen, CDU-Ratsherr Rüdiger Scholz plädierte nun schon mehrfach für die Bezeichnung der Straße nach dem Wiesdorfer Pfarrer Johannes Schmitz. Auch die Gewerkschaft Verdi (Bezirk Rhein-Wupper) hatte sich für die Umbenennung stark gemacht. Otto Grimm, einstiger Stadtdirektor Leverkusens (1955-1963) mit mutmaßlich erheblicher Nazi-Vergangenheit, werfen Kritiker vor, auch nach Kriegsende seine Haltung nicht abgelegt zu haben.

Gestern schickte die SPD einen entsprechenden Antrag ins Rennen, in dem sie zum einen die Umbenennung der Straße fordert, zum anderen eine Arbeitsgruppe wünscht. Die soll aus Mitgliedern der Verwaltung und der für Wiesdorf zuständigen Bezirksvertretung I, Fachleuten und Anwohnern bestehen und einen Vorschlag zur Umbenennung der Straße erarbeiten.

"Straßennamen sind von ganz besonderer Brisanz und erleben stets große Aufmerksamkeit, denn Straßennamen sind Teil der persönlichen Adresse und werden neben dem eigenen Namen am zweithäufigsten geschrieben", schreibt die SPD unter anderem in ihrer Begründung. "Straßennamen werden dabei zu einem Gedächtnis der Stadt." Einem, das dem Wandel der Zeit und dem Verarbeitungsstand von geschichtlichen Ereignissen unterworfen sei. Weil Straßennamen zudem Orientierung - "und zwar nicht nur geografisch, sondern auch kultur- und gesellschaftspolitisch" böten, "kommt den nach NS-belasteten Personen benannten Straßen eine besondere Bedeutung zu", schreibt Jonas Berghaus, Fraktionschef der SPD im Bezirk I. Im Falle der Otto-Grimm-Straße sei eine Umbenennung notwendig.

Allerdings, schiebt die SPD hinterher, solle nicht nur über einen neuen Namen entschieden, sondern die Anwohner sollten eingebunden werden. Die "Straßennamen-Diskussionen" haben ein hohes Mobilisierungspotenzial. Es beteiligen sich auch Menschen an der gesellschaftlichen Diskussion, die sonst eher wenig Interesse für Politik aufbringen. Dieses Mobilisierungspotenzial lässt sich auch für ganz andere Themen nutzen."

Wohnhäuser, das hatte die Stadt in ihrer Stellungnahme zu einer Umbenennung zur Kenntnis gegeben, als auch Ladenlokale und Geschäftsstellen wären betroffen. Die Verwaltung müsse ein Anhörungsverfahren mit allen Beteiligten einleiten und danach das Änderungsmotiv gegen die mit einer Umbenennung verbundenen Bealstungen für die Anlieger abwägen. Die Stadt hat angeführt, die Straße sei so kurz, "dass sich eine neue nur auf dieses Straßenstück beziehende Benennung nicht anbietet. Es besteht die Möglichkeit, die Montanusstraße zu verlängern, so dass die bisherigen Anschriften der Otto-Grimm-Straße auf Montanusstraße geändert werden müssen."

Der Bauausschuss entschied sich gestern einstimmig für den SPD-Antrag. Roswitha Arnold (Grüne) merkte an, der Arbeitskreis solle auch Kriterien aufstellen, wie künftig Straßennamen gewählt werden, um sowas wie im Falle Otto Grimm zu vermeiden. Heute diskutiert der Kulturausschuss zum Thema, am 5. Dezember der Bezirk I, am 19. Dezember entscheidet der Rat.

Quelle: RP
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