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Leverkusen
Arbeitgeber üben harsche Kritik an Taktik der IG Metall

Leverkusen. Arndt Krebs, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes der Metall- und Elektroindustrie Rhein-Wupper, übt harsche Kritik an der Lohnforderung der IG Metall. Die Gewerkschaft will eine Einkommenserhöhung von fünf Prozent erwirken. Das ist momentan jenseits der Vernunftsgrenzen", sagt Krebs.

Der Vorsitzende richtet deshalb mit Nachdruck einen Appell an die Gewerkschaft, dass sich "unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit durch überzogene Tarifabschlüsse nicht verschlechtern darf." Aus seiner Sicht hätten die Gewerkschaften allen Grund, die Verhandlungen viel entspannter anzugehen, als sie es im Moment täten. So bewege sich die Inflationsrate nah an der Nulllinie, was für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie einen Reallohnzuwachs bedeute.

Das vorgelegte Arbeitgeberangebot von 0,9 Prozent mehr Geld und einer Einmalzahlung von 0,3 Prozent sei daher keine Provokation, sondern ein "Ausdruck von Umsicht und Angemessenheit." Die Zahlen zeigen demnach die Grenzen dessen auf, was unter Berücksichtigung einer langfristigen Sicherung des Standortes Deutschland möglich und vernünftig sei, so der Verbandsvorsitzende. "Die IG Metall muss zur Kenntnis nehmen, dass nicht nur die Stahlindustrie, sondern auch die Metall- und Elektroindustrie im globalen Wettbewerb steht. Und dieser Wettbewerb ist so hart wie nie: 87 Prozent unserer Mitgliedsfirmen sehen sich mit Überkapazitäten am Markt konfrontiert und unterliegen deshalb einem ungeheurem Preis- und Margendruck."

Eine von steigenden Löhnen getriebene Preiserhöhung sei ausgeschlossen - und zusätzliche Rabatte seien inzwischen die Regel. "Aktuelle Aufträge müssen teilweise sogar trotz dürftiger Preise angenommen werden, um überhaupt die Auslastung zu sichern und keine Marktanteile zu verlieren", unterstreicht Arndt. "Das kann die IG Metall nicht ignorieren."

Besorgt zeigt sich Krebs über die Ankündigungen der IG Metall vor der dritten Verhandlungsrunde: "Das klingt alles viel zu überzogen und eher nach Arbeitskampf, als nach einer notwenigen sachlichen Auseinandersetzung." Die Gewerkschaft müsse aufpassen, dass sie nicht völlig überziehe. "In Sachen Streitkultur stehen wir an einem Scheideweg", meint der Verbandsvorsitzende. "Unsere Mitgliedsfirmen sind nicht mehr bereit, völlig überhöhte Tarifabschlüsse nur deshalb zu akzeptieren, weil Streiks das noch viel größere wirtschaftliche Übel sind." Als schlechtes Signal einer dialogorientierten Tarifpartnerschaft bewerten die Arbeitgeber in diesem Zusammenhang die neue Streiktaktik der IG Metall mit eintägigen Warnstreiks ohne Urabstimmung. Das sei eine verschärfte Eskalationsstufe. Krebs plädiert daher für eine "sachorientierte Verhandlungsrunde ohne Säbelrasseln" - und für einen raschen Abschluss, der die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen nicht verschlechtert: "Sichere Arbeitsplätze sind die nachhaltige Basis für Konsumausgaben - und nicht überhöhte Tarifabschlüsse, die womöglich Arbeitsplätze kosten."

(dora)
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