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Leverkusen
Arzt-Termine: Patienten gucken schnell in die Röhre

Leverkusen. Der Chef des Leverkusener Unternehmens Med 360° wirft der Krankenkasse DAK unzulässige Verallgemeinerung vor. Von Peter Korn

Seit Anfang der Woche haben die Kassenärztlichen Vereinigungen ihre Terminservicestellen in Betrieb. Sie sollen Patienten mit einer Überweisung innerhalb von vier Wochen einen Termin beim Facharzt vermitteln. Festgelegt hat das die Bundesregierung mit dem neuen Versorgungsstärkungsgesetz.

So manche Krankenkasse weist inzwischen stolz darauf hin, einen solchen Termin-Service in eigener Regie schon lange anzubieten. Auch die DAK-Gesundheit - eine der größten gesetzlichen Kassen in Deutschland mit 6,1 Millionen Versicherten - hat das getan, und damit in Leverkusen Ärger ausgelöst. In einer Mitteilung schreibt das Unternehmen jetzt nämlich nicht nur, mehr als 17.000 ihrer Patienten hätten bereits im vergangenen Jahr den Vermittlungsservice genutzt, sondern fügt auch hinzu: "In NRW haben die Patienten im vergangenen Jahr am meisten Probleme mit einem zeitnahen Termin beim Radiologen gehabt."

34 Prozent der Anrufer hätten sich wegen eines Termins beim Radiologen bei der DAK gemeldet - "so häufig wie in keinem anderen Bundesland". Eine Aussage, die Dr. Winfried Leßmann ärgert. Der Leverkusener ist Chef des Unternehmens Med 360° und betreut in seinen radiologischen Praxen rund 600.000 Patienten von Köln über Leverkusen bis Düsseldorf. Er sagt: "Wir unterstützen die DAK-Gesundheit bei ihrem Termin-Vergabesystem, indem wir ihr fünf besonders schnelle Termine pro Monat bei uns anbieten." Außerdem habe er sich bereiterklärt, diese Zahl bei Bedarf weiter zu erhöhen, betont Leßmann. Davon habe die Kasse aber keinen Gebrauch gemacht - "und jetzt kommt sie mit so einer Aussage". Die sei vielleicht landesweit erhoben, "hier bei uns aber verunsichert sie die Leute". Leßmann nimmt für sich in Anspruch, eine optimale Gestaltung der medizinischen und administrativen Prozesse gebildet zu haben. Gelungen sei dies durch Zentralisierung nicht-medizinischer Aufgaben wie:

- zentrale Terminvergabe

- Geräte- u. Antragsmanagement

- IT

- Abrechnung

- Personalmanagement

- Gebäudemanagement

- Qualitätsmanagement

- Einkauf

- Unternehmenskommunikation

"Wir haben unsere Praxisstandorte von administrativen Aufgaben befreit. Damit bleibt an den einzelnen Standorten größtmöglicher Freiraum für die eigentliche Patientenbetreuung", sagt Leßmann. Drei bis fünf Wochen müsse man in der Regel auf einen Termin warten - wer vom Arzt als dringlich eingestuft worden sei, erhalte meist binnen weniger Tage die Untersuchung.

Man dürfe aber auch nicht vergessen, dass Radiologievergütungen budgetiert sind. "30 Prozent unserer Leistungen erbringen wir quasi umsonst", sagt Leßmann. Ohne diesen Einsatz wäre auch die Terminvergabe deutlich schwieriger. Eine Pauschal-Kritik wie jetzt von der DAK sei deshalb wenig hilfreich.

Quelle: RP
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