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Leverkusen
Asbest in jedem vierten Stadt-Gebäude?

Leverkusen: Asbest in jedem vierten Stadt-Gebäude?
Im Schulgebäude im Hederichsfeld wurde schon letztes Jahr Asbest gefunden. Es wird zurzeit umgebaut. FOTO: matzerath
Leverkusen. Die Stadt untersucht nun 348 städtische Gebäude auf Asbestgehalt im Wandputz. Alle zurzeit laufenden 31 Baustellen wurden gestoppt, um Arbeiter vor Krankheiten zu schützen, sagt die Stadt. Für die Nutzer bestehe keine Gefahr. Von Susanne Genath

Die Toilettenräume der Don-Bosco-Grundschule sind fertig gefliest. Es fehlen nur noch die Waschbecken und Toilettenschüsseln. Doch genau das könnte sich jetzt noch etwas hinziehen. Denn die Stadt hat alle zurzeit laufenden 31 Bauarbeiten in städtischen Gebäuden gestoppt. Grund ist der Asbestfund im Wandputz des Kindergartens Netzestraße.

Wer an Wänden arbeitet, die mit Asbest behandelt sind, muss besonderen Atemschutz tragen, um Erkrankungen vorzubeugen. FOTO: dpa

"Der Baustopp ist eine reine Vorsichtsmaßnahme zum Arbeitsschutz", erklärt Marc Adomat, der stellvertretende Baudezernent. "Eine Raumluftmessung in der Kita Netzestraße hat ergeben, dass für die Nutzer keine Gefahr besteht." Für Bauarbeiter, die in den Räumen tätig sind, hingegen schon.

"Die Asbestfasern sind im Wandputz fest gebunden. Wenn eine Firma eine Wand schlitzt und dabei viel Staub entsteht, können die Fasern schnell eingeatmet werden und zu Gesundheitsschäden führen", sagt Maria Kümmel, Leiterin der Gebäudewirtschaft. Dies gelte es zu verhindern. Daher würden nun alle 348 städtischen Gebäude, die vor 1993 gebaut worden seien, untersucht. Und damit ruhen nun die Umbau- oder Sanierungsarbeiten in der Realschule Am Stadtpark, im Lise-Meitner-Gymnasium, in der Grundschule Fontanestraße, in Kita und Schule Netzestraße, im Landrat-Lucas-Gymnasium, in der Kita Pregelstraße sowie auf 26 kleineren Baustellen.

"Dass Asbest auch im Wandputz verwendet wurde, um ihn härter zu machen, war für uns eine Überraschung", berichtet Kümmel. So habe man sich 2010 noch gewundert, warum im Fensterkitt der Gesamtschule Schlebusch Asbest entdeckt worden sei. Schätzungen zufolge sei jedes vierte bis fünfte Gebäude von der neuen Asbest-Problematik betroffen. "Die Asbest-Richtlinie aus den 90er Jahren, nach der wir uns auch richten, regelt nur schwach gebundenen Asbest." Dies sei in der Regel Spritz-Asbest, mit dem unter anderem Stahlträger ummantelt wurden, um sie feuerfest zu machen.

Es gebe Empfehlungen, nur Gebäude ab dem Baujahr 1950 zu untersuchen. Das halte man nicht für zielführend. "Das Schulgebäude im Hederichsfeld stammt aus dem Jahr 1930", berichtet Kümmel. "Auch da haben wir letztes Jahr Asbest im Putz gefunden." Der sei vermutlich bei späteren Sanierungen verwendet worden. Immerhin bedeute ein Asbestfund in der Wand nicht, dass der Putz entfernt werden müsse. "Wenn der Putz in gutem Zustand ist, kann er bleiben. Man muss es nur wissen, weil dann nur noch Fachleute dort bohren oder Nägel einschlagen dürfen." Demzufolge gelte bis zu den Sommerferien, wenn alle Kontrollen erfolgt sein sollen, ein Verbot in öffentlichen Gebäuden, Nägel einzuschlagen.

Laut Amtsarzt Dr. Martin Oehler sind vor allem Arbeiter gefährdet, die sich nicht an Vorsichtsmaßnahmen halten, an Asbestose (einer Verhärtung des Lungengewebes) oder Lungenkrebs zu erkranken. Auch Rippenfell-Krebs könne durch Asbest hervorgerufen werden, "aber der kommt nur sehr selten vor".

Quelle: RP
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