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Leverkusen
Aus dem Leben der Bertha Middelhauve

Leverkusen: Aus dem Leben der Bertha Middelhauve
Bertha Middelhauve mitten im Karneval 1958 in Leverkusen. FOTO: Familienarchiv Middelhauve zur Verfügung gestellt von Reinhold Braun
Leverkusen. Sie war eine Urpädagogin, vielseitig engagiert, eine Mutter, die Zeit für die Familie aufbrachte, Wert auf Literatur, Musik und Natur legte. So hat Mechthild Ruf ihre Mutter in Erinnerung. Ein Vortrag beleuchtet jetzt Middelhauves Leben. Von Tobias Falke

In der Stadtgeschichte Leverkusens kommt der interessierte Leser an den Namen Friedrich und Bertha Middelhauve nicht vorbei. Deshalb gab es bereits im Vorjahr einen Vortrag des Bergischen Geschichtsvereins über das Leben und Wirken Friedrichs, der unter anderem Mitte des 20. Jahrhunderts als Verleger und Buchhandlungsinhaber, mehr noch als FDP-Politiker bekannt war.

In diesem Jahr, genauer am Dienstag, 21. November, findet ein erneuter Vortrag statt - nun geht es allerdings um das Leben seiner Frau Bertha, die unter anderem dadurch bekannt wurde, dass sie sich in den 1950er Jahren vehement für zeitgenössische Kunst im Schloss Morsbroich einsetzte, im Leverkusener Stadtrat für die Schul- und Kulturpolitik stand, Gründungsmitglied des Deutschen Frauenrings war und von 1948 bis 1959 als FDP Fraktionsvorsitzende tätig war.

Doch wie sah das Familienleben aus? Hierzu erzählt ihre jüngste und einzig noch lebende Tochter Mechthild Ruf allerlei Aufschlussreiches und Erstaunliches. Dabei legt sie sich fest: "Ich hatte immer ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern. Meine Mutter hatte immer Zeit für mich." Im Gedächtnis behielt sie unter anderem, dass es sonntags immer zum Wandern ging. Ihre Mutter sei sehr belesen und musikalisch gewesen. Kultur und Musik aber auch die Natur standen stets im Vordergrund. Als ihr Vater schwer erkrankte und die Zeit von Oktober 1965 bis zu seinem Todestag am 14. Juli 1966 im Krankenhaus verbrachte, sei ihre Mutter zu 90 Prozent der Zeit bei ihm gewesen. Sie las ihm viel vor, darunter Biografien von Goethe und Picasso. Während dieser Zeit erzählte Friedrich seiner Frau zahlreiche Lebenserinnerungen, die sie für die Nachwelt aufschrieb. "Wie würde ich meine Mutter heute beschreiben", fragt sich Mechthild Ruf. "Ich denke, sie war sehr vielfältig und temperamentvoll. Wenn sie etwas wollte, dann setzte sie sich auch durch. Und dennoch war sie menschlich aufgeschlossen und empathisch." Sie sei eine ur-begabte Pädagogin gewesen, die einen guten Zugang zu jungen Leuten hatte. Sie positionierte sich gegen konfessionelle Schulen. Bei einer Predigt wurde deshalb unter anderem über den Verrat an der katholischen Kirche gesprochen und gesagt: "Und die Verräter sitzen hier unten." Von dieser Zeit an hätte Bertha Middelhauve keine Kirche mehr betreten.

Der Vortrag "Chez Berthe - Leben und Wirken von Bertha Middelhauve" findet am 21. November um 19 Uhr in der Villa Römer in Opladen statt. Christine Blasberg und Reinhold Braun, beide Mitglieder der Abteilung Leverkusen-Niederwupper des Bergischen Geschichtsvereins, referieren über das Leben Middelhauves, die 1959 als erste Frau den Ehrenring der Stadt Leverkusen bekam.

Durch den Einblick ins Familienarchiv können zum Vortrag auch zahlreiche Dokumente und Fotos gezeigt werden. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Frauenring und der Reihe "Opladener Gespräche" statt. Eintritt ist frei.

Quelle: RP
 
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