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Leverkusen
Authentische Verzweiflung und Freude

Leverkusen: Authentische Verzweiflung und Freude
Die Darstellerinnen vom "Jungen Theater Leverkusen" spielten ihre Rollen sehr einfühlsam. FOTO: MATZERATH
Leverkusen. Die Premiere des Stückes "Alles. In einer Nacht" im ausverkauften Kulturausbesserungswerk begeisterte die Zuschauer. Von Gabi Knops-Feiler

In der Originalvorlage begibt sich eine junge Frau, von ihrem Freund im Hotelzimmer zurückgelassen, auf eine nächtliche Odyssee und gerät dabei in Kontakt mit ihrem Innersten; das Geschehen wird unwillkürlich zu einer extremen Gratwanderung zwischen Wahrheit und Traum, zwischen Selbstreflexion und Selbstzerstörung. Im Kulturausbesserungswerk (KAW) waren am Freitagabend bei der ausverkauften Premiere von "Alles. In einer Nacht" die Geschichten von gleich vier Frauen zu sehen, die die Nacht und die Großstadt zu ihrem Territorium erklärt hatten. Darin verließen sie die friedlichen Strukturen des Alltags, um selbst die abgründigen und verborgenen Gefühle ihres bisherigen Lebens erneut zu durchleben. Und bei Tagesanbruch würden sie neu entscheiden, welchen Weg sie wählen würden. Nach vorne? Zurück? Das Ende blieb offen.

Autor und Regisseur Falk Richter hat das Stück "Alles. In einer Nacht" eigentlich als Monolog konzipiert. Beim "Jungen Theater Leverkusen" (JTL) gibt es allerdings vier angehende Schauspielerinnen - Millie Vikanis, Milena Cestao, Laura-Sophie Warachewicz und Svea Menne - die sich zurzeit an deutschen Schauspielschulen bewerben und auf einen Termin zum Vorsprechen warten. Was also lag näher, als das Schauspiel von Richter umzuschreiben und die Rollen auf vier Charaktere zu verteilen, um es als Übung nutzen zu können? Genau dies hat die Regisseurin und künstlerische JTL-Leiterin Petra Clemens getan. Nur der Titel ist geblieben.

Seit November wurde geprobt, in den letzten zwei Wochen sogar täglich. In 75 Minuten wird nun die Geschichte der vier jungen Frauen erzählt. Kim Biele hatte einen kurzen Gastauftritt.

Der Abend bewies, welche Talente in den jungen Darstellerinnen schlummerten. Sie waren derart in ihre Rollen vertieft, dass man ihnen die Verzweiflung, die Verrücktheit und die Freude sofort abnahm, während sie je nach Theaterrolle lachten oder schrien und tobten. Die Trauer von Millie Vikanis war sogar so authentisch gespielt, dass mancher Zuschauer sicherlich gerne getröstet hätte.

"Unglaublich toll", war Zuschauer Lothar Saßerath am Ende der Aufführung begeistert. Und nachdem der lang anhaltende Applaus verklungen war, sagte Petra Clemens freudestrahlend: "Ich bin ganz stolz und sehr glücklich." Bleibt ihr nur noch die Hoffnung, dass die jungen Talente aus eigenem Haus auch Glück beim Vorsprechen haben. "Mehr als 1000 Leute bewerben sich, die Plätze sind rar gesät", verdeutlichte Clemens.

Weitere Vorstellungen im KAW sind am Donnerstag, 18. Februar, um 19.30 Uhr und Freitag, 19. Februar, um 20 Uhr.

Quelle: RP
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