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Leverkusen
Auto, Bus oder Fahrrad - das ist heute die Frage

Leverkusen. Die Stadtplaner arbeiten an einer Mobilitätsoffensive, bei der das Auto seine tragende Rolle verlieren soll. Von Ulrich Schütz

LEVERKUSEN Wenn im Leverkusener Stadtrat über neue Wohngebiete diskutiert wird, stellen sich speziell bei Paul Hebbel vor Ärger die Nackenhaare hoch. Der CDU-Ratsherr mahnt und kritisiert solche Pläne, wahlweise poltert der ehemalige Leverkusener Oberbürgermeister in sarkastischem Ton gegen die Vorhaben. Denn: Mehr Häuser bedeuten mehr Bewohner, mehr Autos, mehr Verkehrsbelastung, ohne dass die Stadt mehr Verkehrsraum anbietet.

"Die Quettinger Straße wird heute schon von knapp 20.000 Kraftfahrzeugen pro Tag benutzt", sagte Hebbel im Bauausschuss des Stadtrates. Bei dieser Belastungsgröße raten Verkehrsexperten oft, eine solche Straße vierspurig anzulegen, sagt der Politiker. Und jetzt werde die Autofrequenz für die Lützenkirchener Straße und die Quettinger Straße noch um fast 500 Fahrzeugbewegungen pro Tag erhöht: Mit dem Ja zum Bauprojekt am Lützenkirchener Markt (alte Tennishallen) sind bis zu 85 Wohnungen möglich. Damit steigt die Zahl der Autos aus diesem Bereich an.

Das Fahrrad als wichtiges Fortbewegungsmittel gilt tatsächlich bei den Stadtplanern als eine Option, die Verkehrsbelastungen zu senken. Baudezernentin Andrea Deppe warb bei den Politikern im Bauausschuss darum, in neuen Mobilitätsstrategien zu denken. Dieser Prozess weg "vom Auto" beginne im Kopf, sagt Deppe.

Im Grundsatz ist der Gedanke nicht neu: Fahrgemeinschaften, Bus- und Bahnnutzer, Radfahrer und Fußgänger reduzieren die potenzielle Zahl der Autos. Dies ist eine Grundlage, in den Städten mehr Wohnraum zu schaffen - und das bei gleichbleibender Straßenkapazität. "Für mehr Straßen fehlt in Leverkusen auch der Raum", betont die Baudezernentin. Eine Vorgehensweise, an die Politiker wie Paul Hebbel kaum glauben: "Alle hier im Bauausschuss sind ja heute sicherlich mit dem Fahrrad gekommen", sagte der Christdemokrat süffisant. Deppe konterte mit einem Augenzwinkern: "Ich spare schon für ein E-Bike."

Die Stadt Leverkusen ist inzwischen Mitglied im "Zukunftsnetz Mobilität NRW", dass von der Landesregierung initiiert wird. Die Idee formulieren die Macher so: "Die zentralen Ziele des Netzwerks sind: unnötige Verkehre zu vermeiden, Mobilitätsangebote zu entwickeln und zu verzahnen, Verhaltensänderungen anzustoßen und den Verkehr somit sicher und nachhaltig zu gestalten." Aufgaben von Mobilität NRW seien die Beratung und Vernetzung der Kommunen, aber auch der Wissenstransfer. Inhaltliche Handlungsfelder seien das schulische wie betriebliche Mobilitätsmanagement, die Verkehrsentwicklungsplanung, die Mobilitätssicherung sowie die Nahmobilität mit der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundliche Städte in NRW.

Der städtische Verkehrsexperte Christian Syring hat sich schon zum "Mobilitätsmanager" ausbilden lassen. Er soll das neue Mobilitätsdenken in der Stadtverwaltung und im politischen Raum mit Leben füllen.

Quelle: RP
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