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Leverkusen
Autoschätzchen erinnern in Opladen an längst vergangene Tage

Leverkusen. Vorsichtig wischt Horst Cottin mit einem weißen Tuch den Kotflügel seines nahezu namensgleichen Wagens wieder sauber - etwas Schmiere war offenbar irgendwie daraufgekommen. Seinen Schatz, eine Cottin und Desgouttes von 1931, hegt und pflegt der 70-Jährige. Unter anderem das Vorkriegsfahrzeug zog beim zweiten Oldtimertreffen der Aktionsgemeinschaft Opladen (Ago) einige Blicke auf sich. Von Tobias Brücker

Seit 20 Jahren sind Cottin und seine Cottin bereits vereint. Von einem Sammler in Holland kaufte er sie an. Über den Preis will er nicht reden - so wie alle auf dem Platz am Kesselhaus in der Neuen Bahnstadt. Bei vier Pferdestärken schafft die alte Dame gut 80 Stundenkilometer. "Aber nur bei angelegten Ohren", sagt Cottin lachend. Keine Frage: Der Wagen ist ein Schmuckstück. Er erinnert an alte Zeiten und Filme in schwarz-weiß. Das Lenkrad sitzt übrigens auf der rechten Seite. Nun könnte man denken, das Auto sei für den englischen Markt gebaut worden, aber das stimmt nicht ganz. "Da gibt es viele Anekdoten", betont Cottin. "Viele sagen, das sei so, weil der Kutscher auch immer rechts saß."

Und noch eine Besonderheit hat der Wagen an sich: Heute Normalität, besaß er bei stolzen vier Tonnen Gewicht schon damals eine Bremse mit Bremskraftverstärker - in den 1930er Jahren noch eine echte Seltenheit. Kleine, goldene, jedoch nicht mehr einsatzfähige Feuerlöscher sind ebenfalls im Wagen untergebracht.

Auf der gegenüberliegenden Seite hat sich Hans-Peter Mann postiert. Der tannengrüne, bereits stolze 82 Jahre alte Singer Le Mans ist jedoch nicht der Besitz des 60-Jährigen, sondern gehört dem Leverkusener Hans-Werner Hein. "Noch bis 1960 wurde die Marke hergestellt", erzählt Mann. Und um seinem Namen gänzlich gerecht zu werden, nahm das Schätzchen 1935 am 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil - fiel laut Mann allerdings aus und sah nie die karierte Zielflagge.

Von England in die USA verkauft verwahrloste der Wagen in den Staaten, ehe er nach Holland gelangte. Dort verkaufte ihn ein Sammler an Hein. Der wiederum nimmt an vielen Klassikrennen, wie zum Beispiel den Siegerland-Classics, teil. Dort fuhr Hein außer Konkurrenz. Organisator Dirk Pott war derweil mit der Resonanz zufrieden. 70 Wagen, so sagt er, kamen bis 14 Uhr - die 100 sollten als Ziel vollgemacht werden.

Es gab auch kritische Stimmen: "Die Leute beschweren sich, es seien keine Oldtimer", sagt Pott. Dabei erfülle alles, was älter als 30 Jahre ist, die Anforderungen. "Wer so etwas behauptet, der hat - Entschuldigung - einfach keine Ahnung."

Quelle: RP
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