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Leverkusen
Babylonisches Sprachgewirr um das Wort "Frieden"

Leverkusen. Eine Nadel hätte man fallen hören können, als der Städtische Chor mit dem "Neuen Rheinischen Kammerorchester" und Solisten zum Konzert in die Christus-König-Kirche eingeladen hatte. Rund 200 Zuhörer lauschten gebannt den beiden großen Vokalwerken "Da Pacem" (Michael Villmow) und "Stabat Mater" (Joseph Haydn). Von Gabi Knops-Feiler

Villmow, Jahrgang 1956, wohnhaft in Köln, ist Jazzsaxophonist, Dirigent und Komponist. Sein "Da Pacem" (Latein "Gib Frieden") für gemischten Chor, Streichorchester, Schlagwerk und Saxophon komponiert, wurde bislang etwa ein Dutzend Mal aufgeführt. Im Kern ist der Text des Friedensgebetes "Herr, mach mich zum Werkzeug Deines Friedens" des einstigen Ordensbruders Franz von Assisi enthalten.

Das Thema "Frieden" wird in diesem musikalischen Leckerbissen unterschiedlich ausgeleuchtet. Der erste Satz der dreiteiligen Komposition beginnt mit Perkussionsgewitter und Arturo Portugal am Schlagwerk. Daraus erwächst das gesprochene Wort "Frieden" in rund 16 verschiedenen Sprachen als eine Art babylonisches Sprachgewirr.

Der ansprechende akustische Dialog soll das Unvermögen der Menschen darstellen, zu Verständnis und Frieden zu kommen. Zwar gibt es auch kurze Momente der Ruhe, doch dann schnellt der Puls der Musik erneut in die Höhe und steigert sich fast bis zum Siedepunkt - bis das Werk die Menschen in ihrem Wunsch und Ruf nach Frieden vereint. "Mir war wichtig, das Wort 'Frieden' in verschiedenen Sprachen auszudrücken, denn der Wunsch nach Frieden ist weltumspannend und global", sagt Villmow, der als Saxophonist selbst mitwirkt.

Auch im zweiten Teil - der klangschönen Vertonung des mittelalterlichen Gedichtes "Stabat Mater", das die Mutter Jesu in ihrem Schmerz um den Gekreuzigten besingt - tritt das ganze Können des Chores deutlich zum Vorschein. Dirigent Michael Utz führt Mitwirkende - gemeinsam mit den Solisten Dorothea Rauscher (Sopran), Annette Utz (Mezzosopran), Johannes Klüser (Tenor) und Christian Palm (Bass) - geschmeidig und ohne große Gesten durch die Dramaturgie.

Der Chor wirkt bestens vorbereitet. Selbst höchste Sopranlagen werden spielerisch leicht gemeistert, nie ist auch nur der Ansatz eines Auseinanderdriftens der einzelnen Stimmen zu erkennen. Die Dynamik ist bis ins letzte Detail ausgefeilt und jederzeit kontrolliert. Ein wunderbares Konzert.

Quelle: RP
 
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