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Leverkusen
Bakterien bekämpfen mit dickem Handbuch

Leverkusen. Zwei Drittel der Krankenhausinfektionen können nicht verhindert werden. Ein Drittel durch perfekte Hygiene schon. Von Tobias Brücker

Sie sind der große Schrecken eines jeden Patienten und auch der behandelnden Klinik selbst: multiresistente Bakterien. Das Klinikum Leverkusen informierte jetzt rund 25 Interessierte über die Ursachen und Gegenmaßnahmen, die durch das Klinikpersonal getroffen werden.

Laut Professor Stefan Reuter, Direktor der Medizinischen Klinik 4, erkranken jedes Jahr rund 500.000 Menschen an Bakterien, die sie sich im Krankenhaus eingefangen haben. Ein großes Problem - auch wenn nicht alle Fälle tödlich enden. "Das muss man so hinnehmen. Gut zwei Drittel der Fälle können nicht verhindert werden. Bei optimaler Hygiene sind ein Drittel der Erkrankungen vermeidbar", betonte Reuter. Im Normalfall lebt der menschliche Körper mit Bakterien im Einklang. Ist das Immunsystem einer Person geschwächt, werden sie allerdings zum Nachteil. Multiresistente Bakterien entstehen dann, wenn einige der Eindringlinge gegen das angewandte Antibiotikum immun sind - alle anderen werden abgetötet, der resistente Erreger bleibt und breitet sich aus. Um das Bakterium nicht in andere Zimmer zu tragen, ergreift das Klinikum Maßnahmen. Insgesamt enthält das Handbuch gut 3000 Dokumente.

Schutzmaßnahmen am Krankenbett

• Dienstkleidung: enthält keine Reisverschlüsse, keine privaten Shirts unter der Kleidung, täglich mehrmaliger Wechsel

• persönliche Hygiene: lackierte Fingernägel können nicht desinfiziert werden, hochgesteckte Haare, kein übertriebenes Schminken oder großer Schmuck, Handdesinfektion vor und nach Patientenkontakt

• Patienten: Hände waschen, Hinweise ernstnehmen, kranke Angehörige nicht einladen, Personal fragen

Schulung des Personals

• Fortbildungen durch Landeshygieneverordnung NRW gefordert

• Klinikum besitzt viele Hygienebeauftragte

• jährliche Fortbildung für jegliche Art des Personals (unter anderem durch e-learning)

• Erfolgskontrolle: durch persönliches Überprüfen, indirekt durch Verbrauchszahlen des Desinfektionsmittels

Verbundbildung

• unter anderem Mitglied im mre-Netz regio rhein-ahr: gewisse Qualitätsziele müssen erreicht werden, um Siegel zu erlangen (Klinikum erhielt zuletzt 2. Siegel)

Reinigung und Speisenherstellung

• Küche: Hygieneschleusen am Eingang zur Küche (Fußsohlen und Hände werden gründlich gewaschen), Schutzkittel, Schädlingsbekämpfung, Essen auf mindestens 65° Grad erhitzt, ständige Temperatur- und Haltbarkeitskontrollen, gebrauchte Tablettes bei kurzmöglichstem Weg so schnell wie möglich in den Wagen

• Putzen: vier verschiedene Putzlappen, getränkt in speziellen Mitteln, genaue Vorgaben für jede Oberfläche, Kontrolle durch Tests, Instrumente bei Dampf (124 Grad) desinfiziert

Quelle: RP
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