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Leverkusen
Balkan-Trasse: moralische Bedenken

Rundgang auf der Balkantrasse
Rundgang auf der Balkantrasse FOTO: Achim Bartoschek
Leverkusen. Es war einmal eine Stadt, erinnerte Dr. Walter Mende, da ging der Deckel der Stadtkasse gar nicht mehr zu. So viel Steuern zahlte ein ansässiges Unternehmen, dass der Stadtrat "wie im Rausch Beschlüsse fasste" und die Verwaltung gar nicht hinterherkam, die Aufträge in die Tat umzusetzen. Von Roman Zilles

Der verbale Ausflug des SPD-Fraktionsvorsitzenden in die gute, alte D-Mark-Zeit hatte mit der Gegenwart wenig zu tun. Aber er verdeutlichte das Dilemma der Ratsmitglieder: Auch jetzt gäbe es schöne Projekte. Die Balkan-Trasse zum Beispiel. Ein Wander- und Radweg auf der alten Bahnlinie zwischen Opladen und Burscheid. Der wäre "eine absolut grandiose Sache" (Alfred Mertgen, UWG-OWG) und "ein Identitätspunkt für Leverkusen" (Roswitha Arnold, Grüne). Aber er wäre auch "zu teuer in der Errichtung und der Unterhaltung" (Erhard Schoofs, Bürgerliste).

Genau wusste niemand, über welche Summe diskutiert wurde. "Sechs, sieben, acht Millionen Euro" warf Christopher Krahforst (CDU) ein, während Mende beim Abschreiten der Trasse von einem befreundeten Ingenieur vorgerechnet bekam, "dass pro Kilometer mit fünf Millionen Euro" zu rechnen sei. Bei sieben Kilometern macht das 35 Millionen Euro. "Davon sollte dann die Stadt 25 Prozent tragen; dies wäre alles noch ohne den Erwerb und den anschließenden Unterhalt", ergänzte Wolfgang Blümel (FDP).

Andere Fraktionen hätten gerne von der Bahn gewusst, wie hoch der Preis für sieben Kilometer Identität wäre. Eine grobe Schätzung wäre zum finanziellen Nulltarif zu haben gewesen und hätte alle Fraktionen brennend interessiert. CDU, SPD und FDP befürchteten aber moralische Verwerfungen. Denn für einen solchen Kostenvorschlag hätte die Stadt gegenüber der Bahnflächen-Entwicklungsgesellschaft ein ernstes Interesse an der Umsetzung bekunden müssen.

"Das würde an eine Lüge grenzen", befand Mende, während Krahforst zuvor fragte, ob "wir mit solch einem Vorgehen nicht zu viel Euphorie wecken, um dann eine Bauchlandung hinzulegen". Also bildete sich eine Ampel-Koalition, die das Licht für die Balkan-Trasse auf Rot stellte.

Während andere Ratsmitglieder gerne – mit einer Kostenschätzung in der Hand – nach Möglichkeiten gesucht hätten, wie eine Umsetzung doch noch möglich sein könnte. Weil die D-Mark-Zeiten eben vorbei sind, wurden von den Grünen bürgerschaftliches Engagement und das Abklopfen sämtlicher Fördermöglichkeiten ins Gespräch gebracht. Ohne Erfolg. Das Preisschild für die Trasse bleibt vorerst im Verborgenen.

Quelle: RP
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