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Leverkusen
Balkantrasse: Namensstreit hält an

Leverkusen: Balkantrasse: Namensstreit hält an
Ein Akkutriebwagen bei Pattscheid: Dieses Bild von der Balkantrasse entstand 1991. FOTO: Astrid Kaiß (2), Kurt Kaiß
Leverkusen. Der Vorschlag, den neuen Radweg auf der einstigen Bahntrasse "Wupper-Rhein-Radweg" zu nennen, ärgert Experten. Die Aussage des Vorsitzenden im Lenneper Verkehrs- und Förderverein sei "an Dämlichkeit nicht zu überbieten". Von Peter Korn

Dass Kurt Kaiß zu den Experten für die Geschichte der Eisenbahn im Rheinisch-Bergischen zählt, ist unbestritten. Zwei viel beachtete Bücher über das Opladener Bahn-Ausbesserungswerk hat der Leichlinger geschrieben, dazu dutzende weiterer Fachveröffentlichungen wie etwa die Hefte zur Rheinisch-Bergischen Eisenbahngeschichte.

Kaiß ist ein besonnener Vertreter seiner Zunft. Wenn so jemand zu Kraftausdrücken greift, muss er sich schon gewaltig ärgern. Und diesen Ärger verursacht hat der Vorsitzende des Lenneper Verkehrs- und Fördervereins, Klaus Kreutzer. Der hatte für den neuen Rad- und Wanderweg auf der ehemaligen Bahntrasse zwischen Leverkusen und dem Remscheider Stadtteil Lennep – im Volksmund Balkantrasse genannt – "Wupper-Rhein-Radweg" als neuen Namen vorgeschlagen. Denn Wermelskirchen und Remscheid streiten um die künftige Bezeichnung.

Nie schnelle Züge eingesetzt

Kreutzers Vorstoß ist jedoch nicht dazu angetan, die Gemüter zu besänftigen. Dieser "sinnentleerte Vorschlag" sei "an Dämlichkeit kaum zu überbieten", meldete sich Kurt Kaiß jetzt zu Wort. Er enthalte keinerlei Bezug zur Geschichte der Strecke und suggeriere etwas, "was wirklich an keiner Stelle des Wegs gegeben ist: die unmittelbare Nähe zu den beiden genannten Flüssen".

Der Begriff Balkantrasse habe auch nichts mit dem Balkan zu tun, wie Wermelskirchens Bürgermeister Eric Weik offenbar vermutet. Der hatte angemahnt: "Wir sollten darüber nachdenken, ob es klug ist, mit dem Begriff ,Balkan' hier Tourismus zu machen."

Kaiß klärt auf: Die Züge, die auf der Strecke verkehrten, seien nach dem Zweiten Weltkrieg ironisch "Balkan-Express" genannt worden: Wobei "Balkan" eine auch anderenorts gebräuchliche Anspielung auf die Charakteristika des Bergischen Landes sei – "weg von der Zivilisation in der rheinischen Tiefebene (Opladen) auf die rauen Höhen des ungleich dünner besiedelten Bergischen Landes".

"Express" wiederum stehe nett ironisch für die eingesetzten Züge, berichtet Kaiß: "Bummelzüge", vor allem Schienenbusse. "Schnell fahrende Züge hat es auf dieser Strecke nie gegeben", sagt der Bahnexperte. Und weiter: Da die ehemalige Bahntrasse "mit Sicherheit wesentliche Impulse zur Erschließung der Region zwischen Bergisch Neukirchen und Lennep geliefert hat, wäre es meines Erachtens unverantwortbar, diesen Bezug fallen zu lassen." Zumal auch andere Radwege ihrer Vorgeschichte folgten (Korkenzieher-Trasse, Samba-Trasse, Nordbahntrasse).

Balkanexpress-Radweg, sagt Kaiß, könnte ein Name sein, um von dem bau- und betriebstechnisch belegten Begriff Trasse wegzukommen. Und der führe Touristen auch nicht in die Irre.

(RP/rl/url)
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