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Leverkusen
Balkantrasse: Stadt in der Pflicht

Rundgang auf der Balkantrasse
Rundgang auf der Balkantrasse FOTO: Achim Bartoschek
Leverkusen. Nachdem die Bahn der zuständigen Entwicklungsgesellschaft grünes Licht gegeben hat, steht dem Radweg auf der Balkantrasse eigentlich nichts mehr im Weg. Denn der Förderverein will die Stadt von allen Kosten befreien. Von Peter Böttner

Rund 1000 Mitglieder, ein jährliches Spendevolumen von 10 000 Euro und eine Spendeneinlage von etwa 60 000 Euro – der Verein der Freunde und Förderer der Balkantrasse Leverkusen hat gut ein Jahr nach seiner Gründung beachtliche Daten zu melden. Damit hat der Verein sein erstes Ziel praktisch erreicht.

"Wir wollten uns politischen Einfluss durch viele Mitglieder und erste Spenden verschaffen", sagt der stellvertretende Vorsitzende Hartmut Lehmler. Nun will der Verein den zweiten, weitaus größeren Schritt tun. Mit dem Erwerb des sechs Kilometer langen Teilstücks der Balkantrasse von Opladen bis zur Burscheider Stadtgrenze durch die Stadt Leverkusen soll endlich die Grundlage für den Ausbau des Radwegs geschaffen werden. "Und auch das werden wir schaffen", sagt Lehmler.

Kein politischer Rückhalt

Sein Selbstbewusstsein zieht Lehmler aus der Tatsache, dass die Bahn als Eigentümer der verwilderten Trassengrundstücke ihre Verkaufsbereitschaft zugesichert hat. "Obwohl noch kein Geld gezahlt wurde, hat uns die Bahn praktisch den Hut aufgesetzt und damit die Erschließung der Trasse als Radweg ermöglicht", sagt Christof Maisenhälder, Projektleiter der Bahnflächen Entwicklungsgesellschaft (BEG). Im Rahmen der NRW-Förderung "Alleenradwegeprogramm" soll die Balkantrasse Teil der Panorama-Radwege werden und den Rhein mit dem Bergischen Land verbinden.

Die BEG – eine Tochter der Bahn – übernimmt die Abwicklung. "Doch ohne politischen Rückhalt geht es nicht", sagt Maisenhälder. Was in Burscheid funktionierte, ist in Leverkusen noch nicht erfolgreich umgesetzt. "Die Verwaltungsspitze geht das Thema äußerst vorsichtig an", sagt der BEG-Projektleiter.

Offenbar scheut die klamme Stadt die hohen Kosten, die sich nach einer alten Schätzung auf insgesamt 1,7 Millionen Euro belaufen. Weil das Land die Maßnahme zu 75 Prozent fördert, bliebe ein Restbetrag von rund 400 000 Euro. Den will der Förderverein aufbringen. Und auch die jährlichen Folgekosten traut sich der Verein zu. "Dieses bürgerschaftliche Engagement ist vorbildlich. Das Risiko der Stadt geht gegen Null, wenn sie kauft", betont Christof Maisenhälder.

Allerdings muss sich die Stadt nun bewegen. "Die Bahn will das Grundstück noch in diesem Jahr veräußern", sagt Maisenhälder. Derzeit lässt die BEG drei Gutachten erstellen. Danach wird feststehen, wie teuer das Grundstück tatsächlich ist, wie sanierungsbedürftig die zu nutzenden Brückenbauten sind und ob der Gleisschotter als Untergrund des Radweges genutzt werden kann. "Selbst wenn die Summe nicht bereitsteht, lässt sich eine Lösung finden. Die Fälligkeit könnte nach hinten verschoben werden", signalisiert er.

Annette Nothnagel, die das touristische Konzept der Panorama-Radwege für die Bergische Entwicklungsagentur verantwortet, wirbt bereits für eine gemeinsame Vermarktung: "Bahntrassen als Radwege zu nutzen, erschließt das Bergische auch für Genussradler. Mit 300 Kilometern Radweg – davon 60 Prozent Trassen – wären wir die Nummer zwei in Europa."

(RP/rl)
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