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Leverkusen
Barrierefreies Wohnen für alle

Leverkusen: Barrierefreies Wohnen für alle
Elfriede Becking wohnt in Opladen in einer Wohnung des GBO im zweiten Stock und ist froh über den Aufzug im Haus. Auch GBO-Chef Bernd Fass weiß, dass das Thema barrierefreies Wohnen zunehmend wichtiger wird. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Der Wohnungsmarkt in Leverkusen bleibt angespannt. Besonders behinderte Menschen haben es schwer. Von Bernd Bussang

Bei der Wohnungssuche haben behinderte Menschen häufig das Nachsehen. In einem offenen Brief an den Oberbürgermeister und die Fraktionen des Stadtrats schlagen der Deutsche Familienverband und zehn weitere Unterzeichner Alarm: "Aus Sicht der Betroffenen ist barrierefreier Wohnraum zu bezahlbaren Mieten fast nicht vorhanden." Besonders betroffen seien offenbar auch psychisch Erkrankte und Personen mit Suchtproblemen. Diese Einschätzung ist das Ergebnis einer vom Stadtrat angeforderten Bewertung von ebendiesen elf Unterzeichnern, die als Träger der Eingliederungshilfe fungieren.

In ihrem Brief fordern die Unterzeichner Politik und Verwaltung auf, den sozialen Wohnungsbau zu unterstützen, entsprechende Baugrundstücke auszuweisen, "belastbare Vorgaben für Investoren" zu machen und eine Koordinierungsstelle einzurichten. Die Zahl der Wohnungssuchenden, die häufig auf Transferleistungen angewiesen sind, soll erfasst werden. Auf Grundlage des festgestellten Bedarfs sollen konkrete Wohnungsbauprojekte angestoßen werden. Auch sollen Mietobergrenzen überprüft sowie "unverhältnismäßige Mieterhöhungen bei Wohnungssanierungen" unterbunden werden.

Die Chemiestadt am Rhein mit ihrer Nähe zu den Ballungszentren ist weiterhin als Wohnort gefragt. Dass sich der Wohnungsmarkt in Leverkusen nicht nur verengt hat, sondern in den vergangenen Jahren neue Bedürfnisse entstanden sind, wissen die Manager ansässiger Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften sehr genau. Barrierefreie Wohnungen zu bezahlbaren Mietpreisen sind gefragt, und das nicht nur bei Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen. Was das Bauen von behindertengerechten Wohnungen angeht, sieht sich Bernd Fass als "Vorreiter".

Der Geschäftsführer des Gemeinnützigen Wohnungsbauvereins Opladen (GBO) berichtet, dass bereits 400 von 2000 Wohnungen des GBO barrierefrei sind. "Viele Menschen wollen bereits barrierefrei wohnen, bevor der Fall einer Immobilität eintritt, damit sie im Alter nicht mehr umziehen müssen", sagt Fass. Der Bedürfniswandel sei mit der Ausweitung der häuslichen Pflege eingetreten, die es Pflegebedürftigen ermöglicht, so lange es eben geht, in ihrer Wohnung zu bleiben. Aufzüge, bodenebene Duschen und - wo möglich - rollstuhlgerechte Türen gehören bei Neubauprojekten inzwischen zum Standard.

150 solcher Wohneinheiten hat allein der Opladener Bauverein in Planung, sie sollen in den kommenden zwei Jahren fertig werden. Auch bei Investitionen für Wohnprojekte für Menschen mit Handicap ist Fass offen. "Wir sind mit allen relevanten Einrichtungen gut vernetzt", sagt der GBO-Chef. Bei Menschen mit psychischen Erkrankungen und Suchtproblemen sei vor allem die Qualität der Betreuung wichtig, um etwa auch private Vermieter zu überzeugen.

"Barrierearmer Wohnraum ist für uns Alltag", sagt auch Wolfgang Mues, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Leverkusen (WGL). 67 Wohnungen und 13 Einfamilienhäuser seien bei der WGL derzeit im Bau, die das Kriterium erfüllen.

Doch könnten auch sie die große Nachfrage nicht befriedigen. Mues nennt Zahlen: 6900 Wohnungen (davon 1600 öffentlich gefördert) gehören zum Bestand. 1400 Bewerber stehen auf der Liste, aber es würden nur 500 bis 600 Wohnungen pro Jahr frei. Dabei versuche die Gesellschaft, die Mieten angemessen zu gestalten, betont der WGL-Chef. Der Quadratmeterpreis liege derzeit bei durchschnittlich 5,54 Euro kalt, hinzu kämen 2,69 Euro Nebenkosten inklusive Heizung.

Quelle: RP
 
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