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Leverkusen
Bauverein: Fass geht überraschend
Leverkusen: Bauverein: Fass geht überraschend
Da schien die Welt in Ordnung: Zum Baustart des Gebäudes Düsseldorfer Straße (neben Remigius-Kirche) legten Ex-Oberbürgermeister Ernst Küchler, GBO-Aufsichtsratschef Heinz-Gerd Bast und Geschäftsführer Bernd Fass (v.l) Hand an. FOTO: Miserius, Uwe
Leverkusen. Der Chef des Gemeinnützigen Bauvereins Opladen, Bernd Fass, verlässt überraschend die Wohnungsgenossenschaft. Der Vertrag des Vorstandes läuft bis 2015, Fass will aber im gegenseitigen Einvernehmen spätestens 2012 gehen. Von Ulrich Schütz

Die elf hauptamtlichen Mitarbeiter des Bauvereins wissen offenbar schon Bescheid, auch der Aufsichtsratsvorsitzende Heinz-Gerd Bast (SPD-Ratsherr) ist von Bernd Fass über das vorzeitige Aussteigen am Mittwoch informiert worden. „Ich war von der Nachricht überrascht“, sagte Bast Donnerstag. Bauvereinschef Fass (60) sagte zu seiner Entscheidung öffentlich nichts. Er arbeitet seit 1. Mai 1990 als hauptamtlicher Geschäftsführer für die Wohnungsgesellschaft. Vorgänger war Bruno Wiefel (SPD). Die Zahl der Wohnungen steigerte Fass in seiner fast 22-jährigen Amtszeit von rund 1240 auf heute mehr als 1700 Wohnungen und Gewerbeeinheiten.

Noch im Juni hatte Fass eine positive Bilanz für 2010 vorgelegt (Jahresüberschuss: 770 000 Euro, Bilanzgewinn: 128. 000 Euro). Deshalb ist die Frage, warum kündigt der erfolgreiche Geschäftsführer seinen Vertrag früher? Gesundheitliche Gründe schließen Insider aus. Ist Fass amtsmüde? So wirkt der agile Bauvereins-Chef derzeit nicht.

Bleibt die Möglichkeit, dass es zwischen Aufsichtsrat und GBO-Geschäftsführer Fass knirscht. „Wir haben keinen Krach. Es gibt, wie in jedem Gremium, mal Ecken und Kanten, mehr nicht“, erklärte Aufsichtsratschef Bast. Und: „Wir haben ein gutes Verhältnis. Herr Fass ist auch bereit, länger zu machen, wenn wir das wollen.“

Keinen Ärger also? Seit wenigen Wochen gehört mit Dr. Michael Hermann ein weiteres ehrenamtliches Mitglied zum damit dreiköpfigen Bauvereins-Vorstand. Laut Satzung sind nur zwei erforderlich. Diese Vorstandserweiterung soll ohne das Wissen von Fass gestartet worden sein, sagte gestern ein Aufsichtsratsmitglied. Von den sieben Bauvereins-Aufsichtsräten haben laut Bast vier für den neuen Vorstand Hermann gestimmt, zwei waren dagegen, einer enthielt sich. Es gab drei Kandidaten. Grund für den dritten Vorstand laut Bast: Bei großen Bauvorhaben sollten immer zwei Vorstände da sein, deshalb diese Wahl.

Hermann war bis Ende 2001 der Aufsichtsratsvorsitzende des Bauvereins. Dann legte der leitende Bayer-Mitarbeiter (damals 52) den Vorsitz nieder, „aus beruflichen Gründen“. Gleichzeitig hatten damals drei Aufsichtsräte, darunter der heutige Aufsichtsrat Hoss, die Abwahl von Hermann gefordert. Die Querelen wurden am 17. Dezember 2001 mit der Wahl von Hoss zum Aufsichtsratschef und von Bast zum Stellvertreter beendet.

Dennoch: Reichte die Wahl des ehrenamtlichen Vorstandes Hermann aus, um jetzt Fass die Lust an der Führung des Bauvereins zu verderben? Oder hängt die Spannung zwischen einigen Aufsichtsräten und Fass mit dem Großprojekt Düsseldorfer Straße neben dem Parkhaus zusammen? Geplant sind ein Supermarkt und 70 Wohnungen. Ein millionenschweres Projekt, auf das sich jeder Architekt und jede Baufirma freuen dürfte. Baustart soll 2012 sein.

„Bernd Fass will dieses Vorhaben noch anstoßen“, versicherte Bast Donnerstag.

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