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Leverkusen
Bayer 04-Fans feiern die denkwürdige Saison

Leverkusen. Tag der Abschiede in der BayArena: Die Stimmung im Stadion wirkte zum Saisonabschluss gelöst - und auch ein bisschen wehmütig. Von Dorian Audersch

Einer der letzen Sätze von Klaus Schenkmann in seiner Funktion als Stimme der BayArena ist eine Warnung: "Ömer, fall nicht runter!", mahnt der nach 15 Jahren im Dienst scheidende Stadionsprecher augenzwinkernd. Gemeint ist Ömer Toprak. Der Abwehrchef feiert auf dem Zaun vor der Nordkurve mit den Fans den Saisonabschluss. Die Anhänger haben vorab lautstark den Namen des Innenverteidigers skandiert - und der lässt sich nicht lange bitten. Der Rest des Teams sitzt derweil vor der Kurve auf dem Rasen und verfolgt das Geschehen amüsiert applaudierend, aber auch erschöpft. Vor den Profis liegt das Banner, mit dem sie vorab die Ehrenrunde durch das Stadion gedreht haben. "Gemeinsam durch Europa! Danke für eure Unterstützung!" ist darauf zu lesen.

Der 3:2-Sieg gegen den FC Ingolstadt im letzten Spiel der Saison bietet stimmungstechnisch einen passenden Rahmen für den feierlichen Ausklang einer turbulenten Spielzeit - Negativlauf, Erfolgsserie und Trainersperre inklusive. Seit mehr als zwei Wochen steht fest, dass Bayer 04 in der Champions League spielen wird. Entsprechend gelöste Stimmung ist im Stadion spürbar. Zwischendurch schwappt gar eine Laola-Welle durch die Reihen. "Bayer in der Champions League" in der Melodie von "Ja, mir san mit'm Radl da" ist der wohl beliebteste Fangesang des Nachmittages.

Ihren angekündigten Protest ziehen die Ultras allerdings durch. Still sind sie nicht, aber sie machen vor dem Spiel keine Choreographie und schwenken auch nicht die zum Abschied des Hauptsponsors LG im Stadion verteilten Fähnchen mit dem Logo des Elektronikherstellers. Ein Grund: Widerstand gegen die Kommerzialisierung der Fankultur.

Abgesehen von der Nordkurve sind die rot-schwarzen Accessoires, auf denen auch das Vereinswappen prangt, indes durchaus zu sehen.

Der emotionale Höhepunkt der Partie ist in der Halbzeit: Klaus Schenkmann wird mit einem Clip auf der Videowand verabschiedet, in dem ihm Spieler und Sportdirektor Rudi Völler Glück für die Zukunft wünschen - und mit herzlichen Worten des Bayer 04-Geschäftsführers Michael Schade: "Danke für alles, was du für uns getan hast."

Dem schließt sich Schenkmanns Kollegin Petra Dahl an, die seit 2009 an seiner Seite wirkt. "Es war ein Riesenspaß, mit dir zu arbeiten", sagt sie und fügt noch eine persönliche Note ein: "Ich werde dich vermissen, Klausi-Mausi." Auch Stefan Kießling, der Schenkmann per Videobotschaft ein "rot-schwarzes Herz" attestiert, ist voll des Lobes: "Du hast einen Riesenjob geleistet." Dazu flimmern Bilder und Zitate aus der 15-jährigen Schaffenszeit Schenkmanns über die Leinwand. Und es es gibt doch noch eine kleine Choreographie der Fans: In der Nordkurve wird ein Transparent mit Schenkmanns Konterfei und einen Megafon hochgehalten.

Beim 2:1 gegen den VfL Wolfsburg am 28. Juli 2001 feierte er einst sein Debüt als Stadionsprecher. "Ich brauche die Nähe zu den Fans. Das ist mir sehr wichtig", ist seitdem eines seiner Credos. Vor seinem letzten Auftritt ist er durchs Stadion gegangen und hate unzählige Besucher abgeklatscht. Es ist das Ende einer Ära. Schenkmann ist - natürlich - selbst Anhänger der Werkself. Im Aufstiegsjahr 1979 war er erstmals im (damals noch) Ulrich-Haberland-Stadion. Der Diplom-Sportlehrer und ehemalige Handballspieler schlug eine Laufbahn als Journalist ein. Über Radio Leverkusen, RTL und den WDR kam er 1994 zur ARD und betreute dort die Berichterstattung über Bayer 04. Dann kam das Angebot für den Job als Stadionsprecher - und er sagte ja. Nach unzähligen Heimspielen mit sportlichen Höhen und Tiefen ist nun Schluss. Der fordernde Nebenjob lässt zu wenig Zeit für Beruf und Privatleben.

Auf Schenkmann folgt Thomas Wagner, der Zuhörern von Radio Leverkusen als Moderator der "Morning Show" bekannt sein dürfte. Der 31-Jährige bringt neben seiner Erfahrung am Mikrofon weitere Eigenschaften mit, die für den Job qualifizieren: Er ist Dauerkartenbesitzer und Fan. In seiner neuen Rolle wird er erstmals beim Saisonauftakt am 13. August zu hören sein.

Nach seiner Verabschiedung geht Schenkmann professionell zur Tagesordnung über und verliest die Halbzeitstände aus den anderen Stadien. Seine letzte Amtshandlung ist die Verkündung der Spielergebnisse. Dann ist Feierabend.

Letzteres ist im Bezug auf die Fans durchaus wörtlichen zu verstehen. Beim zu solchen Anlässen unvermeidbaren Song "Tage wie diese" von den Toten Hosen lassen sie die Saison ausklingen, während sich die Zuschauerreihen lichten. Wie bei jedem guten Ende ist auch ein bisschen Wehmut dabei, dass es nun (vorerst) vorbei ist.

Es war eine Spielzeit, die in Erinnerung bleiben dürfte. Nicht nur, weil sie mit insgesamt 60 Punkten und dem dritten Platz einen gelungenen Abschluss fand, sondern auch, weil mit ihr einige Neuanfänge verbunden sind: am Mikrofon des Stadionsprechers, auf der Brust der Trikots, wo bald ein neuer Sponsor zu sehen sein wird, und auch beim Ausrüster, der künftig Jako heißt - und nicht mehr "adidas".

Quelle: RP
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