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Leverkusen
Bayer-Größe Berners mahnt Konzern zur Ruhe im spanisch-katalanischen Streit

„Katalonien und Spanien gehören zusammen“: Spanier demonstrieren für Einheit
Leverkusen/Barcelona. Der ehemalige Bayer-Manager und CDU-Politiker Franz-Josef Berners hat den Leverkusener Konzern und alle anderen in Katalonien ansässigen deutschen Unternehmen dazu aufgerufen, im Streit um die Abspaltung der Provinz von der Republik Spanien Ruhe zu bewahren. Von Peter Clement

Es gebe keinerlei Grund, jetzt mit Abwanderungs-Szenarien weiteres Öl ins Feuer zu gießen, sagte Berners gestern auf Anfrage unserer Redaktion. Die zwei größten Banken der Region haben bereits ihren Abzug aus Katalonien erklärt, auch andere Unternehmen erwägen einen solchen Schritt, sollte die Provinzführung in Barcelona tatsächlich wie geplant in den kommendenn Tagen die Unabhängigkeit von Spanien erklären.

Auch Bayer ist in Barcelona vertreten, dem Vernehmen nach unter anderem mit 400 Innendienst-Mitarbeitern des Service-Bereichs. Covestro betreibt in Katalonien zwei Standorte und beschäftigt dort derzeit rund 330 Mitarbeiter. Der Standort in Barcelona (Zona Franca) ist spezialisiert auf die Herstellung von Rohstoffen für Kunstharze und Lacke. In Tarragona betreibt der Werkstoffhersteller unter anderem Infrastruktureinrichtungen.

Bayers Außenminister Dr. Franz-Josef Berners - hier mit Bundeskanzler Helmut Kohl - saß von 1979 bis 1986 als Fraktionsvorsitzender für die CDU im Stadtrat. FOTO: Schütz Ulrich

Dort gingen am Wochenende ebenso wie überall im Land zigtausende Menschen auf die Straße, um zum Dialog zwischen den Separatisten und der spanischen Zentralregierung aufzurufen. Viele Teilnehmer trugen spanische, katalanische und europäische Fahnen und riefen "Katalonien ist Spanien". Einige forderten die Festnahme von Regionalpräsident Carles Puigdemont. Katalonien habe mehr zu verlieren als Spanien, weil Unternehmen schon jetzt in andere Regionen abwanderten, sagte eine Demonstrantin.

Genau davor warnt allerdings Berners. Der Lützenkirchener, der als Leiter des Bereichs "Regionale Koordinierung" in der Bayer Holding zu den einflussreichen Mitarbeitern des Konzerns zählte, reiste teilweise 100 Tage pro Jahr rund um den Globus, um die vielen Bayer-Gesellschaften auch im Ausland wirtschaftlich und politisch auf Kurs zu halten. Das brachte ihm zu seiner Dienstzeit die Bezeichnung "Außenminister von Bayer" ein. Noch heute verfolgt der Pensionär insbesondere die Entwicklung an den spanischen Standorten mit großem Interesse. Und er warnt ausdrücklich: "Weder Bayer, noch andere deutsche Unternehmen, sollten sich dazu hinreißen lassen, in der jetzigen Situation mit ihrem Abzug aus Katalonien zu drohen." Immerhin habe sich die Mehrheit der Katalanen an der Abstimmung über die Unabhängigkeit überhaupt nicht beteiligt. Es sei also davon auszugehen, dass auch in den Unternehmen ein großer Teil der Belegschaft überhaupt kein Interesse an den separatistischen Plänen ihrer Regierung zeige.

Der frühere Redaktionsleiter der Rheinischen Post Leverkusen, Ulrich Schütz, erlebte eine der vielen Großdemonstrationen der schweigenden Mehrheit, die zum Dialog aufruft, am Samstag in Tarragona. Er war auch gestern noch sichtlich beeindruckt von der Entschlossenheit der Menschen, sich nicht mehr von den Streithähnen in Madrid und Barcelona ihre Zukunft diktieren zu lassen.

Schütz, der Verwandte in Katalonien besucht, hatte bereits vor Tagen klare Worte zum Verhalten der Regionalregierung gefunden: "Was hier an demokratischen und juristischen Regeln gebrochen wird, ist unglaublich", schrieb er. Hass, Fanatismus und Hatz auf Andersdenkende seien in einer Weise zu spüren, "wie ich es bisher nicht kannte."

Quelle: RP
 
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