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Leverkusen
"Die Latte liegt sehr hoch, Herr Baumann"

Bayer-Hauptversammlung: "Die Latte liegt sehr hoch, Herr Baumann"
Bereitschaftspolizisten sorgten mit für die Sicherheit am Messegelände. FOTO: Miserius, Uwe (umi)
Leverkusen. Zur Bayer-Hauptversammlung kamen rund 3000 Aktionäre nach Köln. Vor dem Haupteingang protestierten Dutzende Bayer-Kritiker, während im Saal Marijn Dekkers seine Abschiedsrunde drehte und an Nachfolger Werner Baumann abgab. Von Siegfried Grass

Beim bestens gesicherten großen Rentnertreffen in Köln - bekannt unter dem Namen Hauptversammlung der Bayer AG - durfte der neue Konzernchef gleich antworten. "Was sind Ihre Baustellen?", fragte ein Aktionärsvertreter Werner Baumann. Der beließ es bei seiner Stellungnahme lieber erst einmal bei Allgemeinheiten. Er sehe das Unternehmen in einem hervorragenden Zustand, meinte der neue Vorstandsvorsitzende, der den bisherigen Konzernlenker Marijn Dekkers ablöst. Das Unternehmen soll fortgeführt werden in der Form: "Kontinuität der Veränderung." Und zwar mit "weiteren Innovationen".

Damit war - vorerst - alles für die neue Ära Baumann, des bislang im Vorstand für Strategie Zuständigen, gesagt. Ob es eine ähnliche Erfolgsgeschichte wird wie die knapp sechs Jahre dauernde Zeitrechnung von Dekkers, wird man sehen. Denn der scheidende Vorstandschef Dekkers hat viel verändert, vor allem die Abspaltung von Bayer MaterialScience, inzwischen als Covestro an der Börse notiert und dort auch recht erfolgreich tätig. 64 Prozent der Anteile an seiner ehemaligen Sparte hält die Bayer AG noch, nachdem gerade fünf Prozent der Aktien in den Bayer-Pensionsfonds übertragen wurden.

Tote Bienen zum Protest, früher wurden mal tote Robben zur HV getragen. FOTO: Miserius, Uwe (umi)

Eine witzige Erklärung fand ein Redner für den Namen Covestro: Weil damit auch die CO-Risiken auf das neue Unternehmen übergehen, müsste es eigentlich CO-Vestro geschrieben werden.

Kritiker und Demonstrationen gehören seit Jahrzehnten zum Begleitprogramm, wenn Bayer zur Aktionärsversammlung nach Köln einlädt. FOTO: Uwe Miserius

Die Ära Dekkers wird belegt mit beeindruckenden Zahlen: der Umsatz kletterte von 36,5 Milliarden Euro (im Jahr 2011) auf 46,3 Mrd. Euro (2015), das sogenannte bereinigte Ergebnis je Aktie - die entscheide Größe für die Anteilseigener - von 4,83 auf 6,83 Euro. Bekanntlich sollen davon 2,50 Euro als Dividende für 2015 am kommenden Montag gutgeschrieben werden. Nicht nur für die anwesenden Bayer-Aktionäre ein ordentlicher Zuschuss für ihre Alterssicherung, sofern sie eine ausreichend hohe Zahl von Anteilen halten. Ein Aktionärsvertreter meinte dann auch gleich: "Die Latte liegt sehr hoch für Sie, Herr Baumann."

Aber auf der Hauptversammlung des (gemessen an der Börsenbewertung) wertvollsten Unternehmens Deutschlands gab es auch einige kritische Anmerkungen. Es waren vor allem die "Aktionisten", die sich Sorgen um das Bienen-Sterben machen (ihrer Meinung nach zurückzuführen auf Bayer-Produkte), die Gegner der diversen CO-Pipelines, die Bedenkenträger der Antibaby-Pillen (Thrombosegefahr) und auch die "örtlichen Kleinaktionäre" (Netzwerk gegen Lärm, Feinstaub und andere schädliche Immissionen), die sich größte Sorgen darüber machen, dass mit dem Neubau der Autobahn A1 die "angeblich größte Industriemülldeponie Europas" mit "bereichsweise hoch giftigen Ablagerungen" geöffnet werden müsse.

Das sei keine Sache des Konzern, erklärte Dekkers in einer seiner letzten Stellungnahmen als Vorstandsvorsitzender. Da gebe es klare vertragliche Vereinbarungen, wonach der Veranlasser die Kosten zu tragen habe. Natürlich habe Bayer als betroffener Grundstückseigentümer die Pläne geprüft und seine Interessen im Rahmen der Planungsverfahren vorgebracht. Was aber letztlich gemacht werde, müsse die Straßenbaubehörde entscheiden.

Quelle: RP
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