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Bayer übernimmt US-Saatgutriesen
Gegner kündigen Protest nach Monsanto-Übernahme an

Bayer kauft Monsanto: Gegner kündigen Protest an
FOTO: afp
Leverkusen. In New York knallten gestern Morgen vermutlich die Sektkorken. Dann stießen drei Herren miteinander an: der Schotte Hugh Grant, der Ire Liam Condon und der Deutsche Werner Baumann. Grund für den internationalen Dreiklang: Die Herren unterzeichneten eine bindende Fusions-Vereinbarung. Von Ludmilla Hauser

Bayer (Baumann, Condon) ist sich mit dem US-Saatgutriesen Monsanto (Grant) über dessen Übernahme einig geworden - für ein Barangebot in Höhe von 128 US-Dollar je Monsanto-Aktie oder insgesamt 66 Mrd US-Dollar (59 Mrd. Euro). 

Die Übernahme verwirkliche die "gemeinsame Vision von einem integrierten Angebot mit besseren Lösungen für Landwirte und schafft einen führenden Innovationstreiber für die nächste Generation der Landwirtschaft", hieß es von Bayer. Monsanto-Chef Grant formulierte mit beschwingter Stimme in der Telefonkonferenz für die Medien: "Wir erreichen damit eine neue Ära in der Landwirtschaft."

Die hatten die Gegner der Transaktion zuletzt Ende vergangener Woche kritisiert, als sie sich zu einer Protestkundgebung vor einem der Chemparktore versammelt hatten (wir berichteten). Und auch gestern war die Kritikergruppierung Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) alles andere als in Sektlaune. "Mit der Übernahme von Monsanto durch Bayer erreicht die Konzentration auf dem Agro-Markt einen neuen Höhepunkt", monierte Toni Michelmann von der CBG. Die will bei der Bayer-Hauptversammlung am 28. April 2017 ihrem Protest weiter Gehör verschaffen. Michelmann: "Die Rednerliste dürfte kaum an einem Tag abzuarbeiten zu sein. Bayer kann vorsichtshalber schon mal den 29. April mitreservieren." Größter Kritikpunkt: Bayer gebe vor, mit der Monsanto-Übernahme den Hunger bekämpfen zu wollen, setze aber vornehmlich "auf Soja- und Mais-Monokulturen für die Futtertröge der Massentierhaltung", gefährde mit Pestiziden Bienen, baue auf Risikotechnologien wie Gen-Manipulationen.

Die Konzerne argumentieren andersherum: "Die Vorteile für Landwirte liegen in einem umfassenden Angebot an Lösungen für den heutigen wie den künftigen Bedarf - einschließlich besserer Lösungen bei hochwertigem Saatgut, Pflanzeneigenschaften, digitaler Landwirtschaft und Pflanzenschutz", hieß es. Gemeinsam verfüge man "pro-forma über ein geschätztes jährliches Forschungs- und Entwicklungsbudget von 2,5 Milliarden Euro in diesem Bereich". Und gemeinsam wolle man, das hoben Grant, Bayer-Chef Baumann und Bayer-CropScience-Chef Condon mehrfach hervor, es schaffen, bis zum Jahr 2050, wenn die Bewohnerzahl der Erde um drei Milliarden angewachsen sein wird, die Menschen "ökologisch-nachhaltig" zu ernähren.

Wenn die Gegner im April Protest kundtun, wollen Bayer und Monsanto bereits etliche bürokratische Hürden genommen haben. Ende 2017 soll die Transaktion vollzogen sein. Bezahlen will Bayer "durch eine Kombination aus Fremd- und Eigenkapital. Der Eigenkapitalanteil von rund 19 Milliarden US-Dollar wird voraussichtlich durch eine Bezugsrechtskapitalerhöhung und Pflichtwandelanleihen finanziert", sagte Baumann. Und Bayer muss auch zahlen, falls Kartellbehörden nicht zustimmen: Der Konzern sicherte für diesen Fall den US-Amerikanern zwei Mrd. US-Dollar zu.

Der Hauptsitz der Saatgutsparte und die Nordamerika-Zentrale des CropScience-Geschäfts sollen in St. Louis (Missouri/USA) angesiedelt sein, Pflanzenschutz und die Division CropScience in Monheim. Ob die Übernahme Auswirkungen auf Jobs bei Bayer haben könnte, wie manch Kritiker bereits prophezeien, dazu wurde Baumann nicht konkret.

Quelle: RP
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