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Leverkusen
Bayer will mehr auf Naturheilmittel setzen

Leverkusen: Bayer will mehr auf Naturheilmittel setzen
Frank Schöning, Geschäftsführer von Bayer Vital, sieht insbesondere bei Magen-Darm-Erkrankungen gute Einsatzchancen für Naturheilmittel. FOTO: Bayer/Obenaus
Leverkusen. Damit springt das Unternehmen auf einen Trend in der Bevölkerung auf. Seine synthetischen Arzneimittel sieht es dadurch nicht in Gefahr. Von Susanne Genath

Knapp zwei Jahre lang waren Bundesregierung und Industrie beim sogenannten Pharmadialog im Gespräch, um die Interessen der Kostenträger und der Industrie auszuloten. Im April war Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe zu Gast bei der Bayer-Veranstaltung "Standpunkt am Standort". Viel genutzt hat der Austausch aus Bayer-Sicht aber nicht. "Wir sind enttäuscht über den jetzt vorgelegten Gesetzentwurf", sagte Frank Schöning, Geschäftsführer der Bayer Vital GmbH, gestern beim Jahresmedienmeeting im "BayKomm". Genau meint er damit den Referentenentwurf des Gesetzes zur Stärkung der Arzneimittelversorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Nicht nachvollziehbar sei die Verlängerung des Preismoratoriums bis Ende 2022. "Ein Preisstopp über mehr als eine Dekade hinweg ist ordnungspolitisch verfehlt und verfassungsrechtlich bedenklich", erklärt Schöning. Man halte sich deshalb die Option offen, das Moratorium juristisch prüfen zu lassen.

Dennoch kann das Unternehmen über positive Entwicklungen berichten. So habe man die Umsätze im Bereich der rezeptfreien Arzneimittel ("Consumer Health") steigern können. Verantwortlich dafür sind laut Schöning im Magen-/Darm-Bereich die Präparate "Iberogast" und "Lefax" sowie Präparate für die Behandlung von Hauterkrankungen, beispielsweise "Bepanthen" und "Canesten". Hinzu kämen Innovationen bei Narbengel und Augentropfen.

Auch der Bereich der Tiergesundheit sei erfolgreich. Das Kleintiersegment habe deutliche Umsatzzuwächse mit dem Floh- und Zeckenhalsband Seresto erreichen können. Innovationen für die Haut- und Wundpflege kleiner Heimtiere, ein Antibiotikum gegen Ohreninfektionen bei Hunden und ein Therapeutikum gegen die Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen hätten ebenfalls dazu beigetragen.

Grundsätzlich würden pflanzliche Präparate immer stärker nachgefragt, berichtet Stefan Meyer, Leiter des Bereichs "Consumer Health". "Der Trend geht zu mehr Natürlichkeit und weniger Chemie." Ein Drittel der Bevölkerung - querbeet durch alle Altersklassen - habe dies in einer Befragung angegeben. "Die Jüngeren sind auch bereit, dafür einen höheren Preis zu zahlen", sagt Meyer.

Ein Grund für Bayer, ebenfalls mehr auf Naturheilmittel ("Phytopharmaka") zu setzen. In Darmstadt wurde jüngst ein "Phytokompetenzzentrum" gegründet. Dort erforsche man "Erweiterungen von Indikationen für die Präparate, die wir schon haben, und Marken aus dem In- und Ausland, die wir eventuell zu uns holen könnten", berichtet Meyer. Zu etwaigen Übernahmen will er sich nicht äußern. Dass sich das Unternehmen dadurch intern selbst Kunden abgreife und von synthetischen Produkten hin zu pflanzlichen Arzneien locke, befürchtet es nicht.

"Gerade der Bereich der Magen-/Darm-Produkte ist stabil", sagt Meyer. Synthetische Arzneimittel wie "Talcid" seien etabliert. "Aber bei ,Iberogast' gibt es noch Wachstumspotenzial." Immerhin leiden Bayer zufolge 15 bis 30 Prozent der Bevölkerung an Magen-Darm-Erkrankungen. Und pflanzliche Mittel würden von Patienten als gut verträglich eingeschätzt.

Quelle: RP
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