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Leverkusen
Begleiter für junge Flüchtlinge gesucht

Leverkusen. 123 Minderjährige ohne Eltern werden derzeit in Leverkusen betreut. Katholischer Sozialdienst bietet Schulungen für Ehrenamtler. Von Sidney-Marie Schiefer

123 unbegleitet reisende jugendliche Flüchtlinge leben in Leverkusen - Tendenz steigend. Um den Minderjährigen Halt zu geben, braucht es ehrenamtliche Helfer.

Sie verstehen die Sprache nicht, sind tausende Kilometer von Zuhause entfernt und haben ihre Eltern nicht bei sich, wer wäre da nicht überfordert? Um unbegleitete jugendliche Flüchtlinge zu unterstützen und zu betreuen, wird ihnen ein Vormund zugewiesen. Das Problem: Ein Sozialarbeiter, dessen Beruf es ist, die Vormundschaft für Kinder zu übernehmen, betreut ungefähr 50 Kinder gleichzeitig. Natürlich fallen darunter größtenteils Jugendliche aus Deutschland, die seien meist besser integriert und bräuchten daher nicht so viel Unterstützung, erklärt Irene Froese vom Sozialdienst katholischer Frauen.

"Ein Flüchtling hat jedoch einen besonderen Betreuungsbedarf, den ein Berufsvormund nicht erfüllen kann", betont Kirsten Geroneit-Jepp vom SkM, er müsse erst einmal in der Gesellschaft Fuß fassen. Um die Minderjährigen dabei zu unterstützen, sucht der SkF gemeinsam mit dem Sozialdienst katholischer Männer sowie dem Flüchtlingsrat Leverkusen nach Unterstützung.

Dazu bieten sie am 6. September um 19 Uhr eine Infoveranstaltung an. Im kleinen Pfarrsaal St. Remigius, erklären die Verantwortlichen zunächst, was es überhaupt bedeutet, eine Vormundschaft zu übernehmen. "Dabei stellt sich den meisten zu allererst die Frage: Wie viel Nähe muss ich zulassen, wie viel Distanz sollte ich wahren?", berichtet Geroneit-Jepp. Deswegen werden neben den Vertretern der Vereine auch Ehrenamtliche anwesend sein, die bereits eine Vormundschaft übernommen haben. Denn der Sozialdienst katholischer Frauen hat bereits im vergangenen Jahr eine Schulung von Ehrenamtlichen zum Vormund für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge angeboten.

Wer nach der Info-Veranstaltung Interesse hat, eine Vormundschaft zu übernehmen, kann sich zur diesjährigen Schulung anmelden. Den Entschluss, ob sie wirklich die Verantwortung für einen Jugendlichen übernehmen möchten, müssen die Ehrenamtlichen aber erst am Ende der Veranstaltung vollziehen. "Wir wollen niemanden zwingen, eine Entscheidung zu treffen, deren Umfang einem noch nicht bewusst ist", betont Geroneit-Jepp. Die Schulung besteht aus sieben Modulen, in denen die Teilnehmer unter anderem die Jugendhilfeeinrichtungen kennenlernen und einen Einblick ins Asyl- und Aufenthaltsrecht gewinnen. Am Ende der Schulung werden die Teilnehmer und die Flüchtlinge einander vorgestellt. "Dabei schauen wir, dass wir Paarungen finden, die gut zueinander passen", sagt Irene Froese.

Jeder der Ehrenamtlichen sollte sich dazu fragen: Welches soziale Netzwerk habe ich, und wie kann ich den Flüchtling daran teilhaben lassen? Im vergangenen Jahr haben sieben der zwölf Schulungsteilnehmer eine Vormundschaft übernommen, und drei Flüchtlinge haben sogar eine Gastfamilie gefunden, die den Jugendlichen einlud, bei sich zu wohnen.

Quelle: RP
 
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